Gedanken zu Erntedank 2020 von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth

1 Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: 2 Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. 3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4 Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? 5 Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. 8 Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9 Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen. (Markus 8, 1-9)

Liebe Schwestern und Brüder,

„Es reicht.- Aus der Fülle leben“ , das ist das Motto vom diesjährigen Erntedank-Gottesdienst. In einem umwälzenden Jahr mit der Coronapandemie und dem 30. Jubiläum der Wiedervereinigung regt es in seiner Doppeldeutigkeit zum Nachdenken an.

Es reicht- ich habe die Nase voll von…. Ja, was geht uns auf die Nerven, wo ist die Grenze erreicht an zumutbaren Herausforderungen, wo reicht es in unserem Leben an Ungerechtigkeit, an Verletzungen, an Grenzüberschreitungen? Was wollen wir nicht länger hinnehmen? Ich finde es unerträglich, wie z.B. die Wirtschaft auf globaler Ebene versucht, so weiter zu machen wie vor der Pandemie. Als ob uns die Coronakrise nicht gezeigt hätte, dass die Grenze der Belastbarkeit vor allem für die Schöpfung, aber auch für die Seelen der Menschen längst überschritten ist. Wir tun gut daran, den Neustart nach bzw. in der Pandemie von der Zukunft her zu denken, das heißt, auch neu zu denken und zu wagen, neue Prioritäten zu setzen, die im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert angesichts des katastrophalen CO-2-Ausstoßes angesagt sind: Mehr Achtsamkeit, mehr Blick auf gerechte Strukturen, mehr Nachhaltigkeit bei der Nutzung der Schöpfung, Rücksichtnahme auf die Schwachen und Ausgebeuteten, deren Verhältnisse sich durch gerechtere Strukturen verbessern würden, mehr Besinnung auf das, was wirklich zählt und wichtig ist, was die Menschen wirklich satt macht und nicht nur die Aktienkurse steigen und die Rendite höher ausfallen lässt.               Es reicht! Wir leben aus der Fülle- einerseits haben wir in Deutschland eine überbordende Vielfalt an Nahrungsmitteln, die wir natürlich auch der Technik, dem Fortschritt und den wirtschaftlichen Entwicklungen mit zu verdanken haben. Andererseits brauchen wir mehr als materielle Absicherung und genügend gesunde Lebensmittel. Wir brauchen Kontakt, Resonanz, Gemeinschaftserfahrung und Halt sowie Orientierung. Die Menschen um Jesus erfahren genau diese Kombination aus sinnlicher Kost und Zuwendung und Gemeinschaft. Das Wenige, was da ist, reicht aus, um die Menschen satt und zuversichtlich zu machen. Weil sie teilen, weil sie füreinander da sind und Jesus in ihrer Mitte haben, der den Segen ausschüttet.       Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Botschaft nicht nur hören, sondern auch innerlich sättigend und stärkend spüren können. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Wir wollen Fürbitte halten und leihen uns dafür Worte vom Papst Franziskus aus seinem Werk zur Bewahrung der Schöpfung (Enzyklika „Laudato si“)

 

Fülle schenkender Gott, Du bist in der Weite des Alls gegenwärtig und im kleinsten deiner Geschöpfe. Alles, was existiert, umschließt du mit deiner Zärtlichkeit.

Gieß uns die Kraft deiner Liebe ein, damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden, damit wir als Brüder und Schwestern leben und niemandem schaden.

 

Du, Gott der Armen, hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen der Erde zu retten.
Sie sind so wertvoll in deinen Augen. Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind- und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung.

Rühre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen auf Kosten der Amen und der Erde.

 

Lehre uns, den Wert von allen Dingen zu entdecken und voll Bewunderung zu betrachten. Lehre uns zu erkennen, dass wir tief verbunden sind mit allen Geschöpfen auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

 

Fülle schenkender Gott, danke für alles, was uns reich macht an Leib, Seele und Geist. Danke für alles, was wir teilen und einander verschenken. Gib uns Mut, Humor, Geduld und Ausdauer bei allem, was uns zu schaffen macht und herausfordert. Lass uns aus Deiner Fülle schöpfen, Gott! Amen.

 

Es segne und behüte Dich Gott, die lebendige und liebevolle Kraft, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

 

 

 

 

 

16. Sonntag nach Trinitatis, 27. September 2020

Predigt über 2. Timotheus 1,7-10

von Pastor i. R. Reinhold Schwind

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn, noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.

Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,

jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich müsste ich Sie jetzt liturgisch korrekt mit dem Ruf begrüßen: „Der HERR ist auferstanden!“ Und Sie müssten antworten: „Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Genau ½ Jahr nach dem Osterfest, am 16. S. n. Tr. erinnern wir uns an Ostern, feiern wir gewissermaßen ein Ostererinnerungsfest. Als Gotteswort für diese Predigt ist uns dieses Gotteswort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an Timotheus gegeben.

Timotheus ist ein junger Mitarbeiter des Apostels, noch mehr oder weniger gefestigt im Glauben. Er wird später der Bischof von Ephesus. Dieser junge Mann soll in seinem Glauben gestärkt werden. So etwas haben wir alle nötig, egal ob alt oder jung. Und so weist ihn der Apostel darauf hin, erinnert ihn an das, was uns durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt ist. Natürlich hat er dabei die Situation im Blick, in der er selbst sich befindet, er hat auch die Situation im Blick, von der er meint, dass sich Timotheus darin befindet – und wir dürfen unsere eigene Situation mit hineintragen.

Die Situation, in der der Apostel sich befindet, ist nicht rosig. Er bezeichnet sich als Gefangener Jesu. Das kann zweierlei bedeuten. Er versteht sich als an Jesus Christus innerlich gebunden. Er kommt nicht los von ihm. Er ist sein Gefangener. Er ist nicht frei in seinen Entscheidungen, sondern muss sich immer fragen: Was willst Du, Herr, dass ich tun soll? Es kann aber auch bedeuten, und diese Deutung erscheint mir wahrscheinlicher, dass sich der Apostel im Gefängnis befindet. Er weiß nicht, wie es ausgehen wird. Die mächtige Staatsmacht steht gegen ihn. Ein wenig ähnelt die Situation des Apostels der der inhaftierten Demonstranten in Belarus. Die werden z.T. übelst behandelt, geschlagen und gefoltert. Es kann sein, dass sie von einem Tag auf den anderen entlassen werden, sie können auch einfach verschwinden, indem sie umgebracht und irgendwo verscharrt werden, sie können aber auch vor Gericht gezerrt werden und es wird ein Schauprozess abgehalten. All das kann dem Apostel auch passieren. Er weiß es nicht. Und diese Ungewissheit kann lähmen.                   -2-

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In dieser Situation und in diese Situation hinein schreibt der Apostel: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Das ist der Hl. Geist, der Geist Gottes, der uns durch die Taufe geschenkt worden ist, uns begleitet hat und bis heute begleitet – auch wenn wir ihn manchmal nicht verspüren, manchmal nicht verstehen.

Es gibt vieles, das uns Angst einjagt: Die neu steigenden Corona-Zahlen im europäischen Ausland, weltweit und bei uns. Mehr als 200.000 Tote allein in den USA. Viele Menschen haben Angst vor einem neuen lockdown, wo massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens angeordnet werden. Wir haben das vor wenigen Monaten erlebt und es war keine gute Zeit. So etwas möchten wir nicht noch einmal erleben. Oder wir denken an die Feuerwehrleute, die gegen die im wörtlichen Sinn verheerenden Waldbrände im Westen der USA angehen oder im Amazonasgebiet, an die Hunderttausende von Menschen, die davon betroffen sind und um ihren Besitz, um ihr Leben fürchten. Wir denken an die Menschen in Kriegs- und Dürregebieten, die nichts oder viel zu wenig zu essen und keine sichere Bleibe haben. Wir denken an die Flüchtlinge, die sich z.T. In überfüllten Lagern befinden mit grottenschlechter Versorgung und Angst vor Seuchen, die immer noch auf der Flucht sind und auch nicht das Wagnis scheuen, bei der Flucht über das Meer zu ertrinken. Wir denken an die zutiefst verunsicherten Menschen in Alten- und Pflegeheimen, an die auf der Straße, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder sich Sorgen darum machen, ob das Geld auch morgen noch reichen wird.

Der Apostel befindet sich im Gefängnis. Für ihn hat sich die Situation nicht verändert. Die Sorgen und Nöte, die ich beschrieben habe, sind da – und es sind beileibe nicht alle. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Aber wie gehen wir damit um? Eigentlich könnte man doch verzweifeln.

Nicht der Apostel. Er zeigt einen Ausweg und weist uns hin auf den Geist Gottes, der ein Geist der Ermutigung, des Trostes, der Ausdauer, des Aushaltens ist. Er ist der Geist, der uns Kraft gibt mit der Situation umzugehen. Der uns Liebe schenkt, nicht nur zu den Menschen, die wir mögen, sondern zu allen Menschen, denen wir begegnen. Und dieser Geist ist ein Geist der Nüchternheit, der Besonnenheit. Der Situation wird ins Auge geblickt. Sie wird weder verklärt noch dramatisiert. Wir erhalten einen nüchternen, unvoreingenommenen Blick, bedenken die Situation und das, was wir in dieser Situation am Besten tun können. Bei dem Geist der Besonnenheit geht es darum, die beste Lösung zu erkennen und durchzuführen.

In unsren Gemeinde leitenden Gremien ist es manchmal wirklich nicht einfach, wenn immer wieder neue Ansprüche / Vorhaben angemeldet werden, die in sich alle sinnvoll sind, aber wo das Geld einfach nicht da ist, jedenfalls nicht im Moment. Da kann manche/r schlaflose Nächte bekommen.

Und nun kommt das große Aber. Lassen wir uns von den Herausforderungen oder von den Zusagen bestimmen? Der Apostel hält jedenfalls ganz vile von den Zusagen und dem Vertrauen darauf. Wir haben einen großartigen Unterstützer im                -3-

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Heiligen Geist, der uns Mut, Kraft, Liebe und Besonnenheit schenkt. Deshalb halten wir uns zu Jesus Christus, bleiben in seiner Kirche, in unserer Gemeinde, leben unseren Glauben fröhlich, zuversichtlich, so gut es uns eben geht. Und wenn uns der Wind um die Nase weht bzw. uns etwas gegen den Strich geht, dann halten wir das eben aus, weil wir Christen sind.

Das Beste kommt noch, und darauf dürfen wir uns freuen. Und dieses Beste scheint manchmal blitzartig in diesem unsrem Leben auf, wenn wir unerwartet ein Lächeln bekommen, wenn uns Menschen freundlich begegnen, wenn uns blitzartig eine gute neue Erkenntnis zuteil wird, wenn uns unerwartet jemand besucht, der uns ganz viel bedeutet, wenn wir spüren: Jetzt ist Gott da. Jetzt ist alles gut. Das passiert ja auch in unsrem Leben und es gibt nicht nur das, was uns das Leben schwer macht und uns Angst einjagen will.

Das alles hat für uns Christen nur einen einzigen Grund. Dieser Grund liegt darin, dass Jesus, der Sohn Gottes, aus seiner Ewigkeit heraus zu uns aufgebrochen ist, unser Leben geteilt hat, für uns gestorben – aber viel mehr – für uns auferstanden ist und als der Auferstandene auch in diesem Gottesdienst unter uns gegenwärtig ist. „Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebrahct durch das Evangelium“.

Das, was uns das Leben schwer machen kann ist immer noch da und darf nicht verharmlost werden. Aber Jesus ist auch da. Er hat all das überwunden, indem er uns durch seine Auferstehung gezeigt hat, dass das Leben stärker ist als das Sterben, dass das, was uns Not bereitet, auch einmal vorüber gehen wird und vor allem eines passieren wird. Wir gehen auf das Leben zu in der Ewigkeit. Das kann und wird uns niemand nehmen.

Wir lieben das Leben. Wir lieben dies Leben und alles, was uns darin Schönes passiert ist und noch passieren wird. Deshalb setzen wir uns auch dafür ein. Wir streben mit aller Kraft danach das, was wir als gut und richtig erkannt haben, umzusetzen. Aber mit einem Lächeln – hoffentlich! Alles, was uns jetzt als so wichtig erscheint ist vorläufig. Das Bleibende, das Ewige kommt und auf das gehen wir zu. Amen

 

 

 

 

Geistl. Impuls für den 15. Sonntag nach Trinitatis 2020

von Pastor Dr. Johannes Schoon-Janßen

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Das Lied zum geistlichen Wort:  EG 499,1-3 (Erd und Himmel sollen singen…)

 

Strophe 1: Erd und Himmel sollen singen vor dem Herrn der Herrlichkeit,

alle Welt soll hell erklingen, loben Gott in dieser Zeit.

Halleluja, dienen ihm in Ewigkeit.

Strophe 2: Sonne, Mond und Stern sich neigen vor dem Herrn der Herrlichkeit;

Tag und Nacht sie nimmer schweigen, loben Gott zu aller Zeit.

Halleluja, dienen ihm in Ewigkeit.

Strophe 3: Darum kannst auch du nicht schweigen vor dem Herrn der Herrlichkeit, deinen Dank ihm zu erzeigen, lobe Gott zu aller Zeit.

Halleluja, diene ihm in Ewigkeit.

 

 

 

Lieber Leser / liebe Leserin!

Viel ist in Fernseh-Dokumentationen und Wissenschaftsmagazinen von Umweltkatastrophen und erhöhtem CO 2 – Ausstoß weltweit die Rede. Überall in den Medien wird darüber diskutiert, ob die Klima-Erwärmung Menschenwerk ist oder von ganz anderen Faktoren, natürlichen bestimmt wird. Und so mancher macht sich Sorgen, was das noch alles werden soll mit der Welt. Das ist auf der einen Seite sehr gut so, denn wenn etwas zusehends schlechter wird, dann muss man die Ursachen dafür wirklich gut erforschen und, wenn möglich, den Trend versuchen zu stoppen bzw. zu wenden! Andererseits soll man über all dem Klagen aber auch nicht übersehen, was wirklich gut und schön ist in der Welt. Und dieses nun besingt das Lied EG 499 „Erd und Himmel sollen singen“ sehr ausführlich!

Es singt von der Schönheit der Schöpfung Gottes!!!

Sowohl der Text als auch die Melodie wirken dabei ziemlich modern und das Lied hat viel Schwung.

Aber besonders neu ist das Lied deshalb noch lange nicht: Der Text der ersten beiden Strophen geht auf einen alten lateinischen Kirchen-Hymnus zurück, und der wiederum stammt aus dem Jahr 405 nach Christus, ist also mehr als 1600 Jahre alt. Und inhaltlich geht das Lob der guten Schöpfung Gottes natürlich noch viel weiter zurück, nämlich bis in die Zeit der Entstehung der Psalmen des Alten Testamentes, und die sind etwa ab 1000 vor Christus entstanden, also vor 3000 Jahren.

Die ganze Schöpfung verbeugt sich vor ihrem Schöpfer, vor Gott, und dankt ihm, dass er sie geschaffen hat. Die deutsche Version der beiden ersten Strophen hat Paul Ernst Ruppel 1957 verfasst. Er war es auch, der eine passende Melodie dazu gefunden hat, nämlich die Melodie des amerikanischen Spirituals „Singing with a sword in my hands, Lord“. Daher kommt der Schwung, der „Drive“ des Liedes! Die Melodie stammt eben aus dem Bereich „Gospel and Spiritual“, aus dem Bereich der versklavten Schwarzen auf den Baumwollfeldern der amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts. Sie mussten für ihre Herren schwer schuften damals; und wenn sie nicht mehr konnten, wenn ihnen alles zu viel wurde, dann sangen sie Lieder über Gott, der ihnen helfen würde, der sie eines Tages belohnen würde und sie aus der Sklaverei herausführen würde, wie er vor 1000en von Jahren die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hatte… Paul Ernst Ruppel, der diesen alten lateinischen Hymnus mit dieser kraft- und hoffnungs-vollen Slaven-Musik zusammengeführt hat, war selber ein äußerst produktiver und vom christlichen Glauben hoch-motivierter Kirchenmusiker und Komponist: Er stammte aus einer Baptisten-Familie und wurde am 18. Juli 1913 in Esslingen am Neckar geboren. Sein Vater war viele Jahre ehrenamtlicher Chorleiter des gemischten Freikirchlichen Chores in der Neckarstadt, und so wuchs in seinem Sohn schon bald der Wunsch, auch Chorleiter zu werden. Dazu studierte er von 1933 – 1936 an der Stuttgarter Musikhochschule Kirchen- und Schul-Musik, wo er – sehr prägend für ihn – auch dem Komponisten Hugo Distler immer wieder begegnete. Bis zum Krieg war er nach seinem Studienabschluss als Singwart des christlichen Sängerbundes tätig. Den Krieg musste er als Soldat mitmachen. Im Herbst 1943 kam er in Sizilien in amerikanische Kriegsgefangenschaft: Über Nordafrika wurde er in die USA gebracht, und zwar nach Oklahoma, Arkansas und schließlich in den Bundesstaat Louisiana. Ich vermute, dass er genau dort (vielleicht sogar erstmals), recht intensiv mit der Gospel- und Spiritual-Tradition in Berührung kam, die er später öfter mal musikalisch mit einsetzte… Als Paul Ernst Ruppel 1957 das Lied „Erd und Himmel sollen singen…“ edierte, da brachte er nicht  nur zwei musikalische Traditionen zusammen: die alt-kirchlich-lateinische Liturgik und die amerikanischen Freiheits-Songs; sondern er brachte auch zwei Denkweisen zusammen: Die auf Gott zentrierte Denkweise der alten Kirche und die auf das Handeln der Menschen im Angesichte Gottes gerichtete Denkweise der christlichen Sklaven der Neuzeit. Das Lied 499 bringt beides schon in den ersten beiden Strophen zusammen, wo jeweils am Ende der Strophe die Antwort des Menschen auf die schöne Schöpfung Gottes gegeben wird. Und diese Antwort des Menschen ist natürlich das Lob Gottes und der Dienst für Gott und seine Schöpfung. Diesen letzten Aspekt verstärkt dann noch einmal die dritte Strophe, die Paulus Stein 1961 dazu gedichtet hat: Diese dritte Strophe konzentriert sich ganz und gar auf die Antwort des Menschen: Er kann auf keinen Fall schweigen zu diesem großen Schöpfungswerk Gottes, und stimmt deshalb gerne und klar in das Gotteslob mit ein. Zugleich weist uns die jeweils letzte Text-Zeile ergänzend noch auf etwas Weitergehendes hin: Wir Menschen sollen Gott, dem Schöpfer, dienen, und zwar in alle Ewigkeit. Das heißt natürlich auch: dass wir uns für den Erhalt von Gottes guter Schöpfung einsetzen sollen, aber nicht aus dem Zweifel und der Verzweiflung heraus, sondern aus der Dankbarkeit und Freude heraus! Amen.

 

Gebet

 

Gott wir danken dir für deine gute Schöpfung und für alles, was du uns an schöner Natur mitgegeben hast für unser Leben auf dieser Erde!

Wir bitten dich: Hilf uns, mit dieser Schöpfung pfleglich umzugehen und sie in deinem Sinne auch für nachfolgernde Generationen zu erhalten!

Gib uns gute Ideen in unsere Herzen, was wir selber dazu beitragen können.

Und schenke uns den Willen und die Kraft, das dann auch zu tun!

Sei bei allen, die ohne Kontaktpersonen zu Hause sitzen in diesen Zeiten der Corona-Pandemie und lass sie gute Verbindung zu ihren Lieben halten – notfalls auch auf elektronischem Weg über Telefon oder Computer.

Sei uns allen nahe und schütze uns, dass unsere Gesundheit erhalten bleibt.

Und mach uns Mut, in deine schöne Natur hinauszugehen und sie heilend auf uns unser Gemüt wirken zu lassen. Amen.

 

Und es segne und behüte dich der dreieinige Gott:

Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

 

 

 

 

 


 

Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 13. September 2020 von Pastorin Müller-Bilgenroth

Lesung aus dem Römerbrief, Kapitel 8, Verse 14-17

14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

Amen

 

Liebe Gemeinde,

manchmal überkommt mich die Sehnsucht nach meiner Kindheit, nach der Freiheit, der Leichtigkeit und Geborgenheit dieser Jahre meiner ersten Lebensjahre. Letztens bin ich wieder ein wenig eingetaucht in diese Stimmung. Da sind wir mit dem Auto in den Urlaub gefahren und ein Hörbuch lief. Es war gemütlich, unbeschwert und spannend. Die Vorfreude auf die gemeinsame freie Zeit, auf das Wandern und den Bergsee, auf leckeren Kaiserschmarrn und Holunder-G’spritzten, haben mir das Gefühl gegeben: Alles ist gut, alles ist in Ordnung! Trotz Corona-Gefahr konnte ich abschalten, den Gedanken freien Lauf lassen, durchatmen und entspannen. Ein bisschen Kindsein, ohne große Verantwortung, ohne schwere Entscheidungen, einfach SEIN und sich gut aufgehoben fühlen.

Der Apostel Paulus macht sich auch Gedanken über das Kindsein, über das Kindsein in Gott, zum „Leben im Geist Gottes“.

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Als Christinnen und Christen sind wir „in Christus Jesus“, schreibt Paulus, und als solche empfangen wir keinen Geist der Knechtschaft, der Furcht, der Unterdrückung, sondern einen Geist der Kindschaft, der uns rufen lässt: Abba, lieber Vater! Abba heißt Papa, also die vertrauteste Anrede, die es gibt für den, dem ich mein Leben verdanke. Ich ergänze in Gedanken gerne auch „Mama“, denn Gott ist für mich wie ein Vater und wie eine Mutter, der Ursprung meines Seins, zu dem ich eine innige, persönliche, ja kindliche Beziehung habe. Von Gott werde ich bedingungslos geliebt, so wie Eltern ihr Baby bedingungslos und vorbehaltlos lieben. Im Idealfall erfahren Kinder, wenn sie heranwachsen solch eine Liebe, die sie stark macht für ihr ganzes Leben. Sie erleben Orte der Geborgenheit, wo sie sich entspannen, fallen lassen und neu auftanken können, wo sie sich gut aufgehoben fühlen. Ein Ort, wo der Glanz der Herrlichkeit schon aufscheint, der uns am Ende unseres Lebens versprochen wird. So Paulus.

Aus der stärkenden Erfahrung des Kindseins kann das Erwachsenwerden gelingen. Ich kann mir meiner Verantwortung bewusst werden, Dinge anpacken, die notwendig sind. Ich finde heraus, was ich gut kann, was ich einbringen kann in unserem Zusammenleben. Starke Kinder werden starke Erwachsene, die um ihr „inneres Kind“ wissen und es bewahren. Sie wissen um ihren Grund, auf dem sie stehen und wohin sie gehören, sie finden ihren Platz im Leben und werden krisenfest.

In unserer Kirchengemeinde haben wir das Ziel, die Kinder und Heranwachsenden in dieser Weise zu begleiten und mit ihnen all die, die als Mutter und Vater für sie da sind. In der neuen Krabbelgruppe, bei den sogenannten „Minikonfis“ (Kinder, die in der vierten Klasse schon ein Jahr Vorkonfirmandenunterricht erhalten), in der Schafstallbande, im Kindergottesdienst, bei der Gitarrengruppe, im Konfirmandenunterricht… es gibt sehr viele Begegnungs- und Erfahrungsorte, wo es nach Kaiserschmarrn und Holunder-G’spritzten schmeckt, wo sich der Blick hebt, als ob man auf einem Berggipfel steht, wo Heranwachsende den Geist der Kindschaft im Sinne des Paulus spüren können, der so erfrischt und wohltut wie ein Bergsee.

Ich wünsche Dir, dass Du von diesem Geist ausgefüllt wirst und Du mutig, tatkräftig und fröhlich wirst.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

 

Gottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, 6. September 2020

Von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth

 

Evangelium: Apostelgeschichte 6, 1-7

1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. 2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. 3 Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. 4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. 5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. 6 Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

 

Liebe Gemeinde,

Wir leben als Christinnen und Christen nun aus der Hoffnung heraus, die Jesus Christus uns geschenkt hat: Dass die Liebe über den Tod gesiegt hat und sich neues Leben durch die Zerstörung durchgesetzt hat und durchsetzen wird. Dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Diese Botschaft vom Leben stärkt uns doch nun besonders, tätig zu werden und den Worten, die wir hören und lesen oder beten, durch Taten Gewicht zu verleihen. Also nicht nur zu lieben mit Worten und mit der Zunge, wie es im 1. Johannesbrief heißt, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.

In Christus ist die Liebe Gottes zur Welt gekommen, die durch die Tat spürbar wurde! Auch durch Worte, aber vor allem durch Taten. Ich glaube nicht, dass irgendetwas vom christlichen Glauben sich durch die Jahrhunderte hindurch gehalten hätte, wenn die Tat nicht immer mit dabei gewesen wäre. Kein Wort wäre aufgeschrieben worden und als Bibel überliefert worden, wenn es nur bei Lippenbekenntnissen geblieben wäre.

Christlicher Glaube braucht immer die Tat! Deswegen gehört die DIAKONIE unverbrüchlich zur Kirche dazu. Die karitative Einrichtung der verfassten Landeskirche, die den sozialen, pflegenden, beratenden und in allen Lebenslagen helfenden DIENST gewährleistet, die Diakonie also ist der spürbare, verlängerte Arm unserer Kirche, auch unserer Gemeinde. Wo ja ganz konkret auch Bedürftige Hilfe finden.

Diakonie-= diakonia- Dienst, Bedienung, Ausführung; da werden die Bedürfnisse von jemandem erfüllt. Ursprünglich war ein Diakon ein Gehilfe, der den Dienst verrichtete, um ganz basale Bedürfnisse zu stillen. Man konnte ihn auch Almosenpfleger oder Armenpfleger nennen. Das war der, der dem Wort des Predigers die spürbare Tat hinzufügte. Das wurde aufgeteilt. Hören wir mal, wie das damals in der ersten christlichen Gemeinde neu organsiert wurde: Der Predigttext für heute steht in der Apg 6, 1-7  LESUNG

Die einen blieben ganz im Dienst des Wortes und des Gebets. Die Diakone sollten voll des Heiligen Geistes und Weisheit helfen, die hungrigen Menschen bei der Essensausgabe zu bedienen. Es sollte an alle Bedürftigen gedacht und nicht einige vernachlässigt werden.

Die Verantwortlichen der ersten Gemeinde erwählten dann sieben Armenpfleger/Diakone. Frauen waren in dieser Aufzählung nicht darunter. Stephanus, war einer von ihnen, und mit ihm noch sechs andere aus der ganzen damaligen weiten Welt. Sie wurden durch die Apostel gesegnet und für ihren Dienst stark gemacht. Durch sie, also die Armenpfleger, die konkret Gottes Wort in die helfende Tat umsetzten und durch die predigenden Apostel wurde Gottes Wort ausgebreitet, und viele neue Männer und Frauen konnten für die christliche Sache gewonnen werden.

Der christliche Glaube breitet sich also aus, weil eine sinnvolle Aufgabenteilung vollzogen worden ist. Alle ziehen an einem Strang, sind verbunden durch den Geist Gottes, aber jeder und jede hat ihren Aufgabenbereich und schenkt in ihm Hoffnung durch die konkrete Tat.

Keiner kann alles allein schaffen. Unsere Gemeinde lebt durch die Vielzahl von Menschen, die sich berühren lassen von Gottes Wort und dann Taten folgen lassen: Im Besuchsdienst, im Beirat, im Kirchenvorstand, in der Begleitung von Sterbenden und Trauernden, in der Telefonseelsorge, in der Integrationslotsenarbeit und beim Verteilen des Hahnenschrei, in der Schafstallbande, im Café Atempause oder bei der Munsteraner Tafel. Nur durch die Aufteilung und durch die gute Verbindung im göttlichen Geist kann unsere christliche Gemeinde lebendig sein und innerlich stark sein und wachsen.

Und wie sieht es gerade bei uns in Corona-Zeiten, Flüchtlingsdramen und Klimawandel aus?

Wie können wir weiter leben, ohne total zu frustrieren? Ohne zu resignieren und hoffnungslos zu werden? Oder hedonistisch, also im Streben nach dem permanenten persönlichen Glück.

Für mich ist klar: Wir müssen handeln UND hoffen. Das schließt sich gegenseitig nicht aus. Wir brauchen die, die reden, verhandeln und theoretisch reflektieren und dann auch diejenigen, die ganz konkret tätig werden. Die Theoretiker, Geistlichen und Redenschwinger und die Praktiker, diakonisch Tätige und schweigend-zuhörende-zupackende Helferinnen und Helfer.

Wir müssen handeln- und zwar auf dem Grund unseres Glaubens, aus der Überzeugung heraus, dass diese Schöpfung zu bewahren ist, dass jegliches Leben schützenswert ist und würdig. Seit 12 Jahren haben wir uns als Kirchengemeinde dem Umweltmanagement GRÜNER HAHN verschrieben. Wir versuchen, im konkreten Gemeindealltag nachhaltig zu wirtschaften, Energie zu sparen, faire und umweltfreundliche Produkte zu benutzen, auf Qualität zu achten. Aktuell ist die Sea-Watch-4 im Mittelmeer unterwegs und versucht weiter, Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Sie steht vor geschlossenen Häfen. Davon ist kaum etwas in der Presse zu entnehmen. Ein Bündnis von 550 Institutionen, Privatpersonen und Kirchengemeinden und die EKD steht dahinter-> United4rescue! Es ist zur Zeit das einzige Boot, das unterwegs sein darf, weil zwei andere Rettungsschiffe von den italienischen bzw. spanischen Behörde nicht ablegen dürfen wegen Sicherheitsmängel.

Wir müssen handeln- auf dem Grund der Liebe, der göttlichen Liebe, die sich der Nächstenliebe zeigt, die sich Bahn bricht im Miteinander, die der Kit des Zusammenlebens darstellt.

Wir müssen handeln- auf dem Grund der Hoffnung! Die konkrete Tat und Gottes Wort sind beide NOT-wendig, sie sind zwei Seiten der einen Medaille! Wir brauchen beides, um die Not zu realisieren, wahr zu nehmen und zu wenden. Ohne Hoffnung können wir doch nicht leben.

Fulbert Steffensky, ein sehr weiser zeitgenössischer Theologe aus Hamburg, der mit Dorothee Sölle verheiratet war, hat einmal gesagt: Hoffen lernt man dadurch, dass man handelt als sei Rettung möglich: Hoffnung ist Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus.

Um nicht wahnsinnig zu werden bei all den Herausforderungen, um nicht zu verzweifeln, zu resignieren oder mutlos zu werden, brauchen wir Zuspruch und eine tragende Gemeinschaft, die den Boden unter den Füßen spürbar werden lässt.– Zwei Quellen, die uns unter anderem zur Verfügung stehen, um diesen Boden zu bereiten, sind Lieder und das Abendmahl.

Damals bei den Armenpflegern in Jerusalem wird das auch wohl schon genauso gewesen sein. Die Gemeinschaft wurde von Anfang an großgeschrieben. Es war nicht immer alles eitel Sonnenschein, es gab auch Konflikte. Um ihnen zu begegnen, wurden Lösungen gefunden. Z. B. der Einsatz von Helfern bei der Essensausgabe, beim gemeinschaftlichen Mahl.

Liebe Gemeinde, das Wort Gottes breitet sich aus, durch die Menschen, die von ihm berührt werden durch Hören und Reden und vor allem auch durch Sehen, Schmecken und Fühlen. Alle Sinne werden angesprochen, und das geschieht nur durch Taten, durch das Handeln, durch den Dienst am Nächsten, durch die Nächstenliebe. Das Wort Gottes und, ich möchte sagen, der Glaube, breitet sich aus durch Menschen, durch dich und durch Sie, durch mich, wenn ich mit Vertrauen durchs Leben gehe und mich nicht klein mache und mich ins Bockshorn jagen lasse. Wenn ich in lebendiger Beziehung zu Gott und zu meinen Nächsten lebe, wenn ich in einer inneren Haltung der Zuversicht tatkräftig mit anpacke, wo es Not tut. Dann verändert sich in kleinen Schritten vor Ort im eigenen Umfeld das Leben zum Guten.

Ich wünsche uns allen viel Vertrauen, beständige Liebe und unbeirrbare Hoffnung.

So soll es sein! Amen!

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet:

Ewiger Gott,
in der Liebe hast du dich selbst aufgegeben,
hast unsere Nähe gesucht,
hast uns zur dir gerufen,
bist dem Sterben nicht ausgewichen,
für uns.

Der du die Liebe bist, Gott,
und wirklich wirst, wo Liebe erscheint,
erbarme dich
über alle, die über ihren Lebensanforderungen
oder ihrer Vergangenheit
verhärtet und kalt geworden und verletzt sind,
die sich ausgebrannt fühlen,
die sich niemandem und nichts mehr öffnen können,
wir rufen:
Kyrie eleison.

Der du die Liebe bist, Gott,
und wirklich wirst, wo Liebe erscheint,
erbarme dich
über alle, die sich für andere aufopfern,
die an Leidenden nicht vorbeisehen,
die aufrecht Unrecht benennen und Lügen entlarven,
die sich nicht zurückziehen ins Private,
wir rufen:
Kyrie eleison.

Der du die Liebe bist, Gott,
und wirklich wirst, wo Liebe erscheint,
sei nah,
wo das Streben nach materiellen Gütern die Liebe unterwandert,
wo diejenigen die Nase vorn haben,
die zuerst nach dem eigenen Nutzen fragen,
wo auch die Fürsorge für Kranke und Bedürftige
Gewinnen untergeordnet wird,
wir rufen:
Kyrie eleison.

Der du die Liebe bist, Gott,
und wirklich wirst, wo Liebe erscheint,
erbarme dich
über alle, die ihre Weltanschauung oder ihre Religion,
ihre Herkunft oder ihre Hautfarbe über die Liebe stellen,
die in die Augen anderer Menschen schauen
ohne Mitgefühl,
wir rufen:
Kyrie eleison.

Ewiger Gott,
in der Liebe hast du dich selbst aufgegeben,
hast unsere Nähe gesucht,
du fragst uns,
was wir an unseren geringsten Brüdern getan haben.
Lass uns nicht schweigen,
lass uns wachsen in deiner Liebe,
in der du uns zu wahren Menschen, zu deinen Ebenbildern machst.

Wir sagen dir in einem Moment der Stille, was uns bewegt:-Stille--  

Wir rufen: Kyrie eleison.

 Amen.

Gemeinsam beten wir: Vaterunser im Himmel …

*Segen

*Musik zum Ausgang

 

 

Gottesdienst am Sonntag, 12. Sonntag nach Trinitatis,

30. August 2020, 10 Uhr

Pastorin Meike Müller-Bilgenroth

 

Musik zum Eingang

Begrüßung Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmemden Docht wird er nicht auslöschen.

Psalmgebet: Im Wechsel: Pastorin und Gemeinde (auf Beamer?)

1 Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.

2 Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels.

3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

4 Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.

5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit.

6 Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.

7 Singt dem HERRN ein Danklied und lobt unsern Gott mit Harfen,

8 der den Himmel mit Wolken bedeckt / und Regen gibt auf Erden; der Gras auf den Bergen wachsen lässt,

9 der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die zu ihm rufen.

10 Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses noch Gefallen an den Schenkeln des Mannes.

11 Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Amen.

Gebet: Lebendiger, heilender Gott, an diesem Morgen kommen wir zusammen, einige voller Freude, andere geknickt oder matt und kraftlos. Wir wollen hören, was du uns zu sagen hast, wollen uns auf dich ausrichten, wir wollen deine Spuren bei uns entdecken und uns aufrichten lassen durch dein Wort, deine Nähe und Liebe. Öffne unsere Sinne für Deine Gegenwart. Amen.

Lesung: Markus 7, 31-37 (Evangelium des 12. Sonntags nach Trinitatis)

Glaubensbekenntnis

Lied: Wochenlied EG 289 Nun lob, mein Seel, den Herren - instrumental,  

Predigt zum Wochenspruch Jesaja 42, 3

Gnade sei mit euch und Friede, schon immer da gewesen, jetzt mitten unter uns und in Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde,

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmemden Docht wird er nicht auslöschen.

Unser Wochenspruch steht im Prophetenbuch des Jesaja, Kapitel 42. Ich möchte einmal den gesamten Zusammenhang vorlesen:

Lesung von Jes. 42, 1-9

Wissen Sie welche Überschrift Martin Luther dieser Textstelle gegeben hat? Der Knecht Gottes, das Licht der Welt! Na, an wen erinnert uns das? Ist es der Prophet selbst, der sich damit identifiziert? Das ist eine Betrachtungsweise, die sich anbietet. Denn der Prophet spricht ja mit göttlicher Autorität, er wird eingesetzt, berufen und mit Gottes Geist ausgestattet! Und oft muss ein solcher Mensch leiden, er wird angefeindet, für verrückt erklärt, „So ein Spinner!“ sagen andere über ihn. Das ist bis heute so, dass besonders geistbegabte Menschen, die wahre Worte sagen und uns Menschen die Augen öffnen wollen, schwer beschimpft werden.  Der Prophet sagt: Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben... Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus > „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte!“ Das weist in meinen Augen über den Propheten hinaus- diese Worte weisen auf eine Rettungsgestalt in der Zukunft, den Messias, der das Volk Gottes erlösen wird, … das weist uns als Christ*innen direkt auf Jesus von Nazareth. Die Gottesknechtslieder dürfen wir als Hinweis, als Hoffnung auf den Messias deuten. Und der ist für uns in Jesus Christus leibhaftig erschienen. In Fleisch und Blut. In ihm ist der Welt das LICHT erschienen und HEILUNG geschehen. Jesus hat Menschen geheilt (Evangelium konnten wird das hören). Er hat sie berührt mit seiner göttlichen Kraft, mit seiner Liebe. Er hat sie aufgerichtet, aus dem Dunkel heraus ins Licht geholt, von den Rändern der Gesellschaft mitten hinein ins Zentrum. Nach der Begegnung mit Jesus konnten sie ein verändertes Leben führen, menschenwürdiger, mit Selbstvertrauen und innerer Stärke, mit Freude und mit Sinn. Jesus hat nicht nur die Menschen aufgerichtet, sondern das Recht. (Mischpat- Gerichtsbarkeit, geltendes Recht) Mit TREUE (ÄMÄT- Beständigkeit, Bestand, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Treue) trägt er das Recht hinaus. Jesus von Nazareth kam auf die Erde, um das Recht aufzurichten, um Recht zu sprechen, nicht nach menschlichen Maßstäben, sondern nach göttlichen. Oft wird alles komplett umgekehrt, ist es überraschend anders als wir denken. Jesus hat als lebendiger Gott auf Erden gezeigt, welches Recht gelten soll: Die 10 Gebote sollten weiterhin bis aufs i-Tüpfelchen in Kraft bleiben. Und darüberhinaus hat er die Goldene Regel formuliert: Ales nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Matthäus 7,12 (Bergpredigt). Und etwas später in Matthäus 22, 39 wiederholt er die Goldene Regel des jüdischen Glaubens, die allem zugrundeliegt: (3. Mose 19,18) „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Und indem er das tat, hat er das Reich Gottes anbrechen lassen. Durch seine Worte, seine Taten ist das Himmelreich auf Erden zum Greifen nahe gekommen, wurde es anschaulich, begreifbar, spürbar, es ist nahe herbeigekommen. Und zugleich steht es noch aus. Es ist noch lange nicht überall Wirklichkeit geworden. Zu viel Unrecht, zu viel Armut, zu viel Ausbeutung, zu viel Erniedrigung und Gewalt, zu viele Machtkämpfe mit unschuldigen Verliererinnen und Verlierern, endlose Kriege. „Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte.“ Diese Frohe Botschaft wird dem entgegengesetzt.

Jesus ist zwar am Kreuz gestorben, aber sein Lebenslicht konnte nicht ausgelöscht werden. Denn sein Weg war der Weg der konsequenten Liebe. Und diese Liebe hat den Tod besiegt. Am Ostermorgen war das Grab leer. Christus war auferstanden! Auferstanden von den Toten, er ist nicht im Tod geblieben, sondern hat neues Leben hervorgebracht, neues Licht angezündet. Gottes Recht hat sich durchgesetzt, Gottes Liebe war stärker als der Tod.

Liebe Gemeinde, wir gehören als Christ*innen zu einer Gemeinschaft, in der die Auferstehung Jesu Christi das Zentrum ist. Von diesem Zentrum, diesem Kern unserer Glaubensgemeinschaft entfaltet sich alles andere.

Wir vertrauen auf einen Gott, der durch den Tod verwandelt zu neuem Leben, der uns zusichert, dass die Zerstörung und der Verfall nicht das letzte sind. Gott verspricht uns, uns aufzurichten.

Es gibt ja genügend Momente bei mir genauso wie bei Euch, in denen wir geknickt sind und durchhängen, wo wir uns ausgepowert und mutlos fühlen. Wo alles keinen Sinn mehr macht, wo die Herausforderungen zu groß und die Aufgaben zu schwer sind. Der Schulanfang ist wieder ein neuer Übergang, eine Diagnose beim Arzt kann ziemlich niederschmetternd sein… Der Abschiedsschmerz nach wundervollen Erlebnissen und Begegnungen kann ein Loch hinterlassen, das erstmal wieder neu gefüllt werden muss.  Außerdem ist nach wie vor die Corona-Pandemie eine schwere, belastende Herausforderung, die manchen von uns niederdrückt.

Sich dann klar zu machen, in welcher Bindung wir stehen, das kann neue Kräfte hervorbringen: Wir sind geliebte Kinder Gottes, die durch einen unsichtbaren Faden mit Gott verbunden sind. Der ist immer da! ->

In der Grundschule-> Kinderchor geleitet… Einsing- und Lockerungsübungen-> abseufzen und fallen lassen, aushängen und langsam Wirbel für Wirbel aufrichten! Dabei habe ich aus Spaß jedem Kind einen imaginären Faden gezogen, der an der Kopfkrone befestigt war. So als ob vom Himmel eine Kraft wirkte, die nach oben zog! Nach oben aufgerichtet werden!!! Hochziehen lassen, nicht runterziehen!

Keine Marionetten, sondern eine unsichtbare Verbindung zu der, von der wir kommen, die uns das Leben einhaucht und verspricht, immer bei uns zu sein. Die uns Halt schenkt und die Richtung weist. Die Bindung, die in der Taufe besiegelt wird- der Bund, der geschlossen wird zwischen Gott und seinem Menschenkind.

Liebe Gemeinde, das ist die Frohe Botschaft, die wir an diesem Morgen hören können, die uns aufrichtet und fröhlich macht. Die uns Mut macht, aufrichtig durchs Leben zu gehen, sich ehrlich einzugestehen, was wirklich dran ist, was oder wer wichtig ist, was ich bewältigen kann. Eine realistische Einschätzung vorzunehmen für meine Alltäglichkeiten.

Ich wünsche uns allen viel Mut, diese Bindung zu entdecken, zu pflegen und mit ihr zu leben, als aufrechte und aufrichtige Menschen.

Amen.  

Und der Friede Gottes, …

 

Lied: Alle Knospen springen auf

Abkündigungen

Fürbitte

Jesus Christus, du bist der Grund des Lebens.
Du sorgst dich,
du zerbrichst das geknickte Rohr nicht.
Wir bitten dich für alle,
die unter Schmerzen leiden,
die Abschied nehmen und trauern.
Wir bitten dich für die, die geknickt sind
und keine Kraft mehr haben.
Jesus Christus, du tröstest,
du heilst, du rettest.
Tröste, heile, rette deine Menschen.
Erbarme dich.

Jesus Christus, du bist der Grund der Gerechtigkeit.
Du trägst das Recht in die Welt,
du löschst den glimmenden Docht nicht.
Wir bitten dich für alle,
die der Gerechtigkeit dienen.
Wir bitten dich für alle,
die zwischen Feinden vermitteln und
die mit Mut Gewaltherrschern entgegentreten.
Jesus Christus, du mahnst,
du versöhnst, du befreist.
Mahne, versöhne, befreie deine Menschen.
Erbarme dich.

Jesus Christus, du bist der Grund unseres Glaubens.
Du weckst in uns die Liebe
und schenkst uns deinen Heiligen Geist.
Wir bitten dich für deine weltweite Kirche,
für die Menschen, die sich nach deinem Wort sehnen.
Wir bitten dich
für die Enttäuschten und Zurückgewiesenen.
Jesus Christus, du sprichst,
du ermutigst du begeisterst.
Sprich, ermutige und begeistere deine Menschen.
Jesus Christus, du Grund unseres Lebens und Grund der Welt,
dir vertrauen wir uns an.
Höre unser Gebet.

Amen.

Vaterunser

Segen

Musik zum Ausklang


 

Predigt 11. nach Trinitatis 2020 (Lk18,9-14)

von Pastor Sascha Jospeh Barth

 

I.

Hochmut kommt vor dem Fall.

So sagt es der Volksmund – und Jesus heute im Evangelium in gewisser Weise auch.

Hochmut kommt vor dem Fall.

Und: wenn wir mal ehrlich zu uns sind, dann sind wir auch immer mal wieder hochmütig.

 

Vor allem die Herren unter uns kennen das – und auch manche Damen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft spielt. Sie spielt nicht so gut, was glücklicherweise nicht mehr so oft vorkommt, aber wir können uns alle an die Zeiten des Rumpelfußballs erinnern. Vielleicht nicht Ihr, Konfis, und dankt Gott dafür auf den Knien.

 

Auf jeden Fall sind viele uns hochmütig beim Fußball – vor allem wenn unsere Nationalmannschaft spielt. Da sind wir nämlich alle die besten Trainer. Zwar Couchpotatoes – vielleicht mit einem Bier in der Hand und Chips, meinen aber dem Trainer sagen zu müssen, wie er es machen soll. Und uns als Trainerexperten war ja eh klar, dass es so kommen musste.

Hochmut kommt vor dem Fall.

 

Oder in der Schule. Wie oft habe ich nicht für Klassenarbeiten oder Klausuren gelernt. Gedacht: ach, ich pack das schon. Ich bin doch schlau genug. In den Fächern, wo es ums Reden und Schreiben ging, klappte das zwar irgendwie meistens, aber wehe es kam Mathe oder Bio… Und da hab‘ ich mich dann regelmäßig auf die Nase gelegt und ich glaube, Ihr Konfis, kennt das auch – und alle anderen auch.

Wir überschätzen uns und denken: das wird schon klappen, ich bin doch so gut. Und am Ende klappt es nicht.

Hochmut kommt vor dem Fall.

 

II.

Wenn wir uns selbst mit unserem Hochmut schaden, dann ist das unser ganz eigenes Problem. Wer nicht für Mathe lernt, der ist selbst schuld. So ein Hochmut ist dumm, aber er tut niemanden weh, außer sich selbst.

 

Hochmut wird aber dann schlimm, wenn er sich gegen andere Menschen wendet. Ein bisschen machen wir das ja, wenn wir Fußballtrainer kritisieren. Da halten wir den Herrn an der Seitenlinie für inkompetent. Ganz schlimm ist es, wenn der Schiedsrichter kritisiert wird. Wir denken, dass muss er doch gesehen haben und am Ende wird in den Gesang eingestimmt: „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht.“ Das ist Hochmut, Verachtung und das noch mit einer Drohung.

 

Wir reden manchmal hochmütig über unsere Nachbarn oder über Leute aus der Siedlung. Und immer dann, wenn wir das tun, tun wir diesen Menschen Unrecht hat und ihnen unglaublich weh. In so einem Ort wie Munster spricht es sich ja schon rum, wie der eine über den anderen denkt.

Hochmut kommt vor dem Fall.

 

Gott will gerade nicht, dass wir so denken und so übereinander reden. Das haben wir vorhin im Evangelium gehört.

Da ist der tolle Pharisäer. Ein Geistlicher – eine Art jüdischer Pastor der damaligen Zeit. Der rühmt sich wie toll er fastet, dass er ziemlich viel Geld spendet und dass er ordentlich lebt. Eben nicht so ist wie der Zöllner, der auch dabei ist. Ich habe den Eindruck, der Pharisäer schwebt so ein wenig in den Tempel hinein, die Nase ganz oben.

 

Der Zöllner eben nicht. Zöllner waren damals nicht angesehen, weil sie den Leuten manchmal mehr abnahmen als nur den vorgeschriebenen Zoll für die Waren. Und dieses Geld wanderte dann natürlich in die eigene Tasche. Zöllner waren deswegen auch nicht arm.

Wir kennen alle den Zöllner Zachäus, der auf dem Baum war, um Jesus zu sehen. Der war reich und konnte Jesus dann ja ein ziemlich großes Mahl auftischen. Und am Ende gab er einen großen Teil seines Reichtums ab.

Auch der Zöllner aus unserer Geschichte hat eins begriffen: er hat Fehler gemacht. „Gott sei mir Sünder gnädig!“

 

 

III.

Hochmütig sein ist einfach.

Leute von oben herab zu kritisieren ist unglaublich einfach. Denn am Ende haben wir selbst immer Recht. Von unserer Meinung kann uns niemand abbringen. Menschen anzugreifen, sie sogar zu beleidigen, ist unglaublich einfach. Jeder von uns kennt das aus seiner Kindheit, wenn auf dem Schulhof Beleidung auf Beleidung folgte oder auch heute noch, wenn wir mit Arroganz über jemanden reden.

 

Wer hochmütig ist, markiert den Starken, obwohl er es meist gar nicht ist. Hochmut kommt eben vor dem Fall und manche sind hochmütig, damit keiner ihre Schwäche erkennt und sie nicht fallen. Sie wissen, dass sie bald fallen würden.

Demütig sein – das scheint viel schwerer zu sein. Es klingt auch total altmodisch. Lehrt uns nicht die Schule, die Wirtschaft, die Ideologie dieser Welt, eben immer unsere Ellbogen einzusetzen. Leute fertig zu machen, damit wir Konkurrenten ausschalten?

 

Als Christen leben wir in dieser Welt. Aber wir sollten nicht so leben wie die Welt. Wir müssen der Stachel im Fleisch dieser Welt sein.

Deswegen müssen wir Christen demütig sein. Und das können wir: weil Gott in uns wirkt. Wir müssen uns gar nicht so sehr anstrengen, sondern Gottes Liebe in uns einfach wirken lassen.

 

Demut ist vor allem eins:

Nicht über andere schlecht reden, sondern sich hinunterbeugen zu den Menschen und mit ihnen auf Augenhöhe reden.

Wir Christen sollen nicht von oben herab mit den Menschen reden, sondern auf Augenhöhe und uns klein machen. Denn erst dann werden wir groß und nicht, wenn wir andere fertigmachen.

 

Gott kommt ja auch immer auf Augenhöhe zu uns. Wenn wir in der Bibel lesen, dann haben wir ihn direkt vor Augen und wenn wir Abendmahl feiern. Er kommt auf diese Erde. Ohne ihn könnten wir gar nichts. Und wenn er dann aufs Neue in uns lebt, dann bekommen wir die Kraft demütig zu sein. Und wer demütig ist, kann anderen Menschen aufhelfen.

 

Hochmut kommt vor dem Fall.

 

Gott will nicht, dass wir fallen. Also: nehmen wir uns am Zöllner ein Vorbild. Seien wir demütig und für Gott und die Menschen da.

„Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“

Jesus hat so Recht.

Amen.

Gebet:

 

Du kennst uns, Gott:

wir schätzen uns selbst zu hoch ein oder zu gering.

Zeige uns, wer wir wirklich sind.

Lass uns deinem Urteil standhalten.

Wir bitten dich um deine befreiende Gegenwart,

wenn wir jetzt beten, hören und reden.

Durch Jesus Christus, unsern Herrn,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.


 

Geistlicher Impuls für den 10. Sonntag nach Trinitatis (16.8.2020).

   von Pastor Dr. Johannes Schoon-Janßen

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Der Wochenspruch für den heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis lautet:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

 dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Psalm 33,12)

 

Dieser Psalm wird aus gutem Grund auch als „Loblied auf Gottes Macht und Hilfe“ bezeichnet.

 

Er lautet:

Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten;

die Frommen sollen ihn recht preisen.

Danket dem Herrn mit der Harfe;

lobsinget ihm zur Harfe von zehn Saiten!

Singet ihm ein neues Lied;

spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall!

Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig,

und was er zusagt, hält er gewiss.

Er liebt Gerechtigkeit und Recht;

die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht

und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch

und sammelt in Kammern die Fluten.

Alle Welt fürchte den Herrn,

und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet.

Denn wenn er spricht, so geschieht´s;

wenn er gebietet, so steht´s da.

Der Herr macht zunichte der Heiden Rat

und wehrt den Plänen der Völker.

Aber der Ratschluss des Herrn bleibt ewiglich,

seines Herzens Gedanken für und für.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Der Herr schaut vom Himmel

und sieht alle Menschenkinder.

Von seinem festen Thron sieht er auf alle,

die auf Erden wohnen.

Der ihnen allen das Herz geschaffen hat,

achtet auf alle ihre Werke.

Einem König hilft nicht seine große Macht;

ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen;

und ihre große Stärke errettet nicht.

Siehe, des Herrn Auge sieht auf alle, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen,

dass er ihre Seele errette vom Tode

und sie am Leben erhalte in Hungersnot.

Unsere Seele harrt auf den Herrn;

er ist uns Hilfe und Schild.

Denn unser Herz freut sich seiner,

und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

Deine Güte, Herr, sei über uns,

wie wir auf dich hoffen.

                                     Amen.

 

Herr, segne dieses Wort an uns allen! Amen.

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Traditionell geht es am 10. Sonntag nach Trinitatis immer um das Verhältnis der Christenheit zum Judentum. Und dazu passt natürlich sehr gut, dass der Wochenspruch aus dem Buch der Psalmen stammt, eben aus Psalm 33!

Das Buch der Psalmen, das ja auch das „Gesangbuch des Volkes Israel“ genannt wird, enthält 150 Psalmen, zu denen es von früher her auch jeweils eine dazugehörige Melodie gab, die wir aber leider nicht kennen. Eigentlich sind es also gesungene Gebete. Wir singen sie in der Regel nicht, sondern sprechen sie.

In den Psalmen kann man Gott je nach Lebenssituation alles Mögliche sagen: Man kann sich bei ihm z.B. beklagen, wenn alles im Leben gerade ganz schrecklich ist.

In unserer modernen Zeit neigen viele Menschen dazu, sich von Gott abzuwenden, wenn es im Leben nicht gut läuft. Dann kann es passieren, dass jemand, der von Gott enttäuscht ist, mit ihm nichts mehr zu tun haben will, vielleicht sogar aus der Kirche austritt. Das war früher und ist auch heute noch im jüdischen Glauben ganz anders: Da sucht man durchaus auch die harte Auseinandersetzung mit Gott: Man sagt ihm, z.B. mit den Worten eines Klagepsalms, deutlich die Meinung und fordert ihn nachdrücklich auf, einem endlich (wieder) zu helfen, einzugreifen und das eigene Schicksal bitte, bitte schleunigst zum Guten zu wenden! Man läuft also nicht vor Gott weg, sondern rechnet mit ihm und spricht mit ihm, gerade auch wenn man sich hilflos fühlt oder sogar sauer auf Gott ist.

Zu solchem Verhalten gehört dann aber auch die andere Seite: Dass man Gott auch ausdrücklich dankt, wenn es gut läuft im eigenen Leben: Das kann man mit eigenen Worten tun. Man kann aber auch z.B. einen Dank- und Lob-Psalm sprechen, wie Psalm 33 ganz klar einer ist.

In ihm wird Gott Dank gesagt für Bewahrung in der Not und für eine gute Begleitung im Leben überhaupt.

Das gemeinsame Sprechen oder das laute Lesen eines solchen Psalms ist ein Signal an Gott, aber auch an die Mitmenschen, dass man sich in einer engen Beziehung zu Gott sieht und das auch gut findet.

Und auch Gott findet das offensichtlich sehr gut, denn der Psalm 33 hat einen seiner Höhepunkte in dem Satz:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“

Früher als ausschließlich die jüdische Gemeinde die Psalmen zusammen sprach, stellte man sich unter dem auserwählten Volk natürlich einzig und allein das Volk Israel vor.

Heute werden die Psalmen, die ja inzwischen auch zu einem Teil der christlichen Bibel geworden sind, nicht mehr nur von Jüdinnen und Juden gesprochen, sondern auch von Christenmenschen.

Das ändert zunächst einmal nichts daran, dass das Volk Israel das von Gott ganz besonders erwählte Volk ist.

Dadurch dass der Jude Jesus von Nazareth uns Christinnen und Christen in den Bund mit Gott mit hineingeführt hat, sind auch wir ein Teil des Gottesvolkes geworden, das seither mindestens aus dem Volk Israel und der weltweiten Gemeinde der Christinnen und Christen besteht. Und Gottes Güte und Liebe geht wahrscheinlich auch über diesen Personenkreis noch hinaus.

Wir Christenmenschen haben jedenfalls Anteil am Bund Gottes mit seinem Volk.

Das ist für uns sehr gut, wie es der Wochenspruch aus Ps. 33,12 ja auch sagt.

Und zugleich ist es eine Verpflichtung für uns, die besagt, dass wir uns auch für andere einsetzen sollen – egal wo sie herkommen oder was ihre Religion ist:

Für unsere jüdischen Mitbürger zu allererst, aber auch für alle anderen Menschen guten Willens, die anderen Religionen angehören oder auch (noch) gar keiner.

So dürfen wir uns glücklich schätzen, zum Volk Gottes zu gehören, und uns darüber freuen.

Von dieser Freude dürfen und sollen wir ganz viel auch an andere weitergeben und damit auch ihre Hoffnung und Zuversicht stärken – gerade auch in schwierigen Zeiten, wo sich innere Nähe in äußerem Abstand zeigen muss.

(Amen.)

 

Gebet:

Herr, unser Gott!

Wir danken dir, dass du uns geschaffen und uns zu einem Teil deines weltweiten Volkes gemacht hast!

Wir bitten dich:

Sei und bleibe uns ein guter Begleiter in allem, was uns bewegt und uns manchmal auch Angst macht.

Sei bei allen, die sich auf Reisen befinden und lass sie gut und gesund wieder nach Hause kommen!

Sei bei denen, die zu Hause geblieben sind, weil ihnen das sicherer erschien und lass sie auch so gute Erholung finden!

Hilf den in der Politik Tätigen, dass sie für die ihnen anvertrauten Menschen gute Entscheidungen fällen.

Bleib uns nahe in allem, was wir überlegen und hilf uns, Gutes auch umzusetzen!

… gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden!

Unser tägliches Brot gib uns heute!

Und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen!

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

 

Und es segne und behüte euch alle der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

9. Sonntag nach Trinitatis, 07.08.2020

https://youtu.be/lHI0dwpfyqc

 

Morgenandacht am 9. Sonntag nach Trinitatis, 9. August 2020, in der Schafstallkirche St. Martin

Drehtermin: Dienstag, 4. August 2020, 10 Uhr in St. Martin

Liturgie und Predigt: Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Daniel Heinrich

Kirchendienst: Karin Bühring

Kamera und Bearbeitung: Viktor Sterwald

 

Glocken

Musik zum Eingang

Begrüßung (Meike)-

Herzlich Willkommen zur Morgenandacht am 9. Sonntag nach dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit.

Heute geht es um den Schatz im Acker und die kostbare Perle.

Psalmgebet (Psalm 63)/ in den Gesangbüchern unter Nr. 729!

Meike: 2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir,

Karin: mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

Meike: 3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Karin: 4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

Meike: 5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Karin: 6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

Meike: 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Karin: 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meike: 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. Amen.

Meike und Karin gesprochen: Ehr sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelium (Karin):

Das Evangelium für diesen Sonntag steht bei Matthäus im 13. Kapitel:

44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,

46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Amen.

Lied: EG 302, 1+2 Du meine Seele singe

Predigt zum Matthäus 13, 44-46

Lied: EG 70, 3+4 (Wie schön leuchtet der Morgenstern)

Fürbittengebet: Wir wollen beten:

 

 

 

Karin:

Fürchte dich nicht, sagst du uns, ewiger Gott.
Gründe zur Furcht gibt es viele in dieser Zeit:
Um Gesundheit, Leib und Leben,
um Vernunft, Frieden und Verständigung,
um Arbeit, Einkommen und Gerechtigkeit,
um diese Erde und was auf ihr lebt.
So fürchten wir uns aus vielen Gründen
und sollen es doch nicht.
Denn in der Furcht können wir nicht leben,
nichts Gutes wirken.

Meike: Ich bin bei dir, sagst du uns, gnädiger Gott.
Ins Leben hast du uns gerufen,
ohne dich wäre nichts da.
Durch Tage und Nächte
hast du uns schon begleitet,
in Tiefen gestärkt,
zu Höhen geführt.
Wecke in uns den Sinn,
dass du da bist, jetzt bei uns.
Damit wir ohne Furcht leben,
dich und unseren Nächsten lieben.

Karin:

Ich will dich erretten, sagst du uns, barmherziger Gott.
Nach Rettung rufen so viele Menschen,
in unserem Land, in vielen Teilen der Erde.
Mach auf, zeige dich,
sende deinen Geist,
dein Licht und deine Wahrheit,
dass es hell werde,
dass die Angst vergehe.
Und mache uns bereit,
deine Mitarbeiterinnen zu werden.

Meike:

Weil du uns erretten willst,
weil du bei uns bist,
deshalb fürchten wir uns nicht,
sondern vertrauen uns dir an,
unser Leben und die, an die wir denken.

Wir sagen Dir in einem Moment der STILLE, was uns bewegt:-

STILLE

Gemeinsam beten wir, wie Jesus Christus es uns beigebracht hat:

 Vater unser im Himmel …

Lied: 1. Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten. (2x)

2. Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, Regen sanft auf deine Felder fallen. Refrain: Und bis wir uns wiedersehn…

Segen

Musik zum Ausgang

 

 

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede, schon immer da, jetzt mitten unter uns und in Ewigkeit. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Perspektivwechsel: stellt euch vor, Ihr liegt auf der Erde, entspannt und ausgeglichen, alle Viere von Euch gestreckt, stellt euch vor: Ihr SEID selbst der Boden, der Acker, in dem ein kostbarer Schatz begraben ist. Um euch herum riecht es gut, nach Erde, Kräutern und Gras, nach Korn, ihr hört das Summen der Insekten, die Sonne erwärmt euch, sanft fährt der Bauer seine Bahnen und bearbeitet euch, damit das Gesäte gut wachsen kann, ihr spürt die Kraft, die die Saat zum Wachsen bringt bis zur Ernte. Alles ist friedlich, alles hat seine alte, bewährte Ordnung. Der beruhigende Rhythmus des Jahreslaufs ist tief in euch verankert, ihr wisst genau, was kommt. Mit wiederkehrender Regelmäßigkeit erfahrt Ihr Zuwendung sowie gewohnte Missachtung, weil ihr gerade nicht so wichtig seid.

Aber: Ihr habt ein Geheimnis: In Euch steckt ein Schatz! In all den Jahren hat der Bauer das noch nicht erkannt. Er hat in seiner gewohnten Routine nie tiefer gebuddelt, kam nie auf die Idee, euch mal näher zu untersuchen, zu erforschen, was in Euch steckt. Es hat Euch auch bislang gereicht, was Euer Dasein ausmachte: Boden bereiten, empfangen, was da in euch eingepflanzt wird, warten und wachsen lassen, Sonne und Regen über sich ergehen lassen, mal mit Freude, manchmal auch mit Ärger oder in stoischer Gleichmütigkeit, dann mit Freude und Stolz bestaunen, was durch Euch hervorgebracht wird, die Ernte und damit der Abschied, und danach das Warten, bis es wieder von vorne losgeht, ihr wieder erneut empfangen könnt usw.

Und nun das: Ein Schatz im Acker, euer Schatz in euch drin, Ihr seid Euch neu bewusst geworden, dass er ja immer schon in euch war.

Und endlich kommt da mal jemand, der genauer hinschaut, der bis auf den Grund geht, der den tief verborgenen Schatz findet. Der Mensch, dem das gelingt, vergräbt ihn schnell wieder, damit ihn kein anderer finden kann. Um sicher zu gehen, dass er auch wirklich ihm gehört, kauft er den gesamten Acker.

Wie schön ist es für Euch, zu wissen, dass Ihr endlich ganz erkannt worden seid. Ihr stellt nicht nur einen guten Boden zur Verfügung, der gut bearbeitet und genutzt werden kann, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Ihr geht nicht auf in diesem routinemäßigen Kontakt, der in alter Gewohnheit gepflegt wird. In Euch steckt noch so viel mehr, was aber verborgen ist, um gut drauf aufzupassen, weil es euch auch verletzlich macht. Zu groß ist die Gefahr, dass der Schatz von den falschen Menschen entdeckt und gehoben wird, dass Ihr also bloßgestellt werden könntet. Der tief liegende Schatz darf erst ans Licht kommen, wenn die Zeit dafür reif ist und der richtige Mensch kommt, bei dem Euer Schatz gut aufgehoben ist, der sich die Mühe macht, durch die Oberflächlichkeit hindurch mit liebevollem Blick und vorsichtig tastenden Händen vorzufühlen, der bereit ist, sich überraschen zu lassen, was da wohl verborgen ist. Einer, der Mut hat, gegen die Routine und üblichen Gepflogenheiten mal anders an Euch ranzugehen, euch mit neuer Aufmerksamkeit zu betrachten und in die Tiefe vorzudringen. Und der dann mit großer Freude hingeht und alles dafür tut, um mit diesem Fund immer in Verbindung sein zu können.  

Wenn Ihr so etwas erlebt, dann ist das Himmelreich schon zu spüren.

Jesus erzählt das Gleichnis vom Acker und dem Schatz, um das Himmelreich zu veranschaulichen. Weil das so schwer zu begreifen ist, zieht Jesus an vielen Stellen bekannte Vergleiche heran, die den HörerInnen vertraut sind. Mit dem Acker kennen sie sich aus, die meisten sind in der Landwirtschaft tätig, wenn sie nicht gerade vom Fischfang leben. Einige sind auch Kaufleute. Und so ergänzt Jesus sein Gleichnis vom Schatz im Acker noch um den Kaufmann, der all seine Habe verkaufte, um die eine kostbare Perle zu erwerben.

Stellt euch vor, ihr seid wie der Acker mit dem Schatz, wie die kostbare Perle und da ist jemand, der seine ganze Energie darauf verwendet, euch zu finden. Und als er euch gefunden hat, tut er alles erdenklich mögliche, um die engste Bindung herzustellen und sicherzugehen, dass es ihm nicht mehr genommen werden kann. Er veräußert alles, er gibt alles andere auf, um euch zu erwerben.

Okay, da ist eine Grenze beim Vergleich erreicht, denn wir sind zum Glück keine Sklaven, die gekauft werden können und die jemand besitzen kann. Die Zeiten bei uns sind vorbei, wo eine Braut für einen bestimmten Betrag den Besitzer wechselt. Keiner von uns ist in Geld aufzurechnen.

Aber das Gleichnis berührt mich ganz neu, wenn ich den Gedanken durchspiele, was es bedeutet, wenn ich wie der Acker oder wie die Perle erwählt werde. Eigentlich schreckt mich die Passivität der Bilder eher ab. Als Acker mit einem Schatz oder als Perle, die gefunden wird, bin ich eben nicht selbst die Akteurin, sondern bin passiv, mit mir geschieht was. Aber mir gefällt daran, dass ich einfach mal nur sein darf, einfach mal nur daliege, wie auf einer Matte bei einer Entspannungsübung oder bei der Massage, wo mir jemand durch Klänge, Stimme oder Berührung Gutes tut.

Ich bin einfach da und bin kostbar! Es sucht jemand nach mir und hört erst auf, wenn sie mich gefunden hat, wenn sie das Ziel erreicht hat und dann alles dafür tut, um mich nicht wieder zu verlieren.

Kann ich das zulassen? Kann ich das aushalten? Mich finden lassen, mich einfach mal hingeben, um geschehen zu lassen, was ich nicht mehr selbst beeinflussen kann? Kann ich mal einfach nur da sein und die Rolle der Macherin ablegen?  Kann ich das aushalten, mich in andere Hände zu begeben? Habe ich genug Vertrauen, dass gut mit mir umgegangen wird, dass ich in guten Händen bin?

Wie gelingt mir das in meinen Beziehungen: Zu meinem Partner, zu meiner Freundin, zu meinen Eltern, zu meinen Kindern?

Und vor allem: Gelingt mir das in Bezug auf Gott? Dieses Gleichnis erzählt Jesus ja, um das Himmelreich einigermaßen verständlich zu erklären.

Liebe Schwestern und Brüder, Perspektivwechsel: Gottes Reich fängt dort an, wo Du spürst: Ich bin kostbar und berge in mir einen Schatz, der sehr wertvoll ist, der ans Licht will, damit auch andere sich an ihm erfreuen. Gott schaut dich liebevoll an und durchdringt Dich bis in deine tiefsten Untiefen, sogar davor schreckt Gott nicht zurück. Gott erwählt DICH trotzdem, Gott findet Dich und hält Dich fest, hält DICH in guten Händen.  Ist das nicht eine Zusage, mit der du dann aktiv werden kannst? Ohne Druck, weil einfach ganz viel da ist, was gut und wertvoll ist und das Leben bereichert und schöner macht, was Dir selbst und anderen Freude bereitet. Du hast bestimmt noch nicht alles gehoben, was da als Schatz in dir schlummert.

Ich wünsche Euch die Gewissheit, dass Ihr mit liebevollen Augen angeschaut werdet, den Mut, euch finden zu lassen und die Freude über den Schatz, der in Euch verborgen ist und ans Licht kommt .

Amen.

Und der Friede Gottes…

 

8. Sonntag nach Trinitatis, 02.08.2020

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Liebe Gemeinde,

 

zisch, das Streichholz ist entflammt, und ein Leuchter wird angezündet. Ein heller Schein wird entfacht, in der dunkler werdenden Dämmerung. Weit sichtbar strahlt er in die dunkle Umgebung und gibt den jungen Menschen Orientierung, die auf dem Zeltplatz die Nacht verbringen. Wenn was sein sollte, ist immer jemand da, hatte die Leiterin gesagt.

Ein Kind hat ein Bild gemalt und schenkt es seiner alten Nachbarin. Mit leuchtenden Augen nimmt sie es entgegen, freut sich und bringt das Gesicht des Kindes zum Strahlen.

Eine Frau nutzt die freie Corona-Zeit und fertigt am laufenden Band kleine Engel an, die sie verschenkt. Besonders an die, die sich Sorgen machen und Angst haben, nicht nur vor dem Virus. Für einen Moment sieht die Welt schon heller aus.

Ein Mann hilft bei einer Bastelaktion mit Kindern und bringt seine Zeit, Geduld und Freude am Handwerkeln ein. Nach drei Stunden kehren erfüllte und dankbare Kinder heim, mit einem selbst hergestellten Werk in den Händen und Freude im Herzen.

„Lasst euer Licht leuchten!“ sagt Jesus. Niemandem nützt es, wenn Ihr es unter einen Scheffel stellt. Lasst leuchten, was in Euch steckt, spürt hin, was ans Licht drängt, was in die Welt getragen und sichtbar gemacht werden will. In Euch sind so viele Gaben, Talente und Vorlieben, die ans Licht kommen sollen und dann wie auf einem Leuchter die Welt heller machen. Das bereichert das Leben der Mitmenschen und ist zugleich auch ein Gotteslob.

Nicht nur als Kind oder Heranwachsende darfst Du ausprobieren, was Dir gefällt oder entdecken, woran Du Freude hast und was Dir als sinnvoll und erfüllend vorkommt. Ein Leben lang, darfst Du Deinen Gaben auf der Spur bleiben. Sie werden gebraucht, gerade in dunklen Zeiten, in denen Überforderung und Existenzängste, Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen sich ausbreiten und Lebensfreude auslöschen. Gerade dann sind kleine Leuchtfeuer nötig, die Trost spenden und neue Freude und Lebenskraft hervorbringen.   

„Lasst euer Licht leuchten!“ und sei es auch noch so klein oder scheinbar unbedeutend. Anderen können sie Orientierung, Trost und Freude geben. Außerdem zeugen sie von dem einen, großen Licht, das am Anfang der Welt sich Bahn gebrochen hat, mitten unter uns wirkt und bis ans Ende der Zeit bei uns ist.

Ich wünsche allen eine gesegnete neue Woche mit viel Mut zum Leuchten und Ausstrahlen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Es segne und behüte Dich Gott, die lebendige und liebevolle Kraft, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

 

Von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth


 

 

https://www.youtube.com/watch?v=8b9YwfG82GA

Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juli 2020, 10 Uhr St. Urbani

Liturgie und Predigt: Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Erika König, Flöte/Keyboard: Linus Lemke, Trompete: Bernd-Dieter Drost

Kirchendienst: Jens Lemke und Leontine Lemke

Isabella Heydasch: Lesung des Evangeliums

 

Glocken

Musik zum Eingang

Begrüßung (Meike)-

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, 19

Herzlich Willkommen zum GD am 7.S.n. Trin, dem sogenannten Abendmahlssonntag. Letzte Woche war die TAUFE dran und heute steht das andere wichtige Sakrament, das ABENDMAHL, im Mittelpunkt.

Das Heilige bricht sich Bahn mitten in unserer Welt!

In Taufe und Abendmahl berühren sich Himmel und Erde, die göttliche Liebe wird in unserem menschlichen Leben greifbar.

Unsere Sehnsucht nach Leben und Liebe wird gestillt.

Leib, Geist und Seele werden satt!

Dass das mit Philadelphia zu tun hat, das hören wir später in der Predigt.

Wir feiern diese Morgenandacht im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hinweise zu den Regeln… (Kollekte am Ausgang; nicht singen und auch nicht summen…)

Sonntagspsalm: 63, 2-9 (Meike im Wechsel mit Gemeinde)

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. Amen.

Alle: Ehr sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Lied: EG 444, 1-5 Die güldene Sonne – Lesen von allen Strophen

 

Wochenpsalm 107- (Jens: Wir wollen den Wochenpsalm im Wechsel beten und bitte Sie dazu, aufzustehen, wenn es möglich ist. Bitte antworten Sie mit den fettgedruckten Versen.)

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

2 So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,

3 die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.

4 Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

5 die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,

6 die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten

7 und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

8 Die sollen dem HERRN danken für seine Güte / und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

9 dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Amen

Lesung des Evangeliums: Johannes 6, 1-15 Speisung der 5000 (Isabella)

Wir hören das Evangelium für diesen Sonntag bei Johannes im 6. Kapitel:

1 Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. 5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? 10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. 12 Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13 Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren. 14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.    Amen

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Gemeinde: Gelobt sei dir, Christus.

Lasst uns einen Moment Stille halten.

Stille

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 320, 1-5 Nun lasst uns Gott dem Herren (zwischendurch Strophen lesen)

Predigt zu Hebräer 13, 1-3

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht (Mappe, Nr. 823)

1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
Und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
Dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt,…

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
Und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
Dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt,…

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht In der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

(T.: Claus-Peter März, M.: Kurt Grahl 1981)

Abkündigung (Meike)- (dabei zwei Kerzen anzünden für zwei Verstorbene)

Gebet

Musikstück (Linus)

Mitteilungen (Meike)- Abendmahl „To Go“ verteilen

Fürbittengebet: Pastorin: Wir wollen Fürbitte halten und dazu aufstehen:

Meike: Barmherziger, ewiger Gott,
schenke uns den Trost der Liebe,
mache aus uns eine Gemeinschaft des Geistes,
wirke durch uns,
damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird.

Jens: Wir haben deine Barmherzigkeit gesehen
und danken dir
für die Bewahrung und Rettung vieler Menschen in Not.
Wir haben deine Barmherzigkeit gesehen
und danken dir
für das private Glück, das du uns schenkst:
für die Paare, die sich füreinander entschieden haben,
für die Kinder, die geboren werden,
für die Genesung von schwerer Krankheit, für die Bewahrung unserer Region vor schlimmeren Ausbrüchen des Virus,

wir danken dir
für bestandene Prüfungen,
für die Freude in diesen sommerlichen Tagen, die trotz der Einschränkungen und Regelungen zu spüren ist.
Wir danken dir,
du Barmherzige und Ewige.

 

TeamerIn: Mache aus uns eine Gemeinschaft des Geistes
und wirke durch uns,
damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird
.
Wir klagen dir
die Unbarmherzigkeit und Härte,
die in diesen Tagen laut verteidigt wird.
Wir klagen die Toten im Mittelmeer, noch immer,
wir klagen dir die Toten in den Kriegsgebieten.
Wir klagen dir den Hass auf die Menschen,
die deine Barmherzigkeit weitergeben.
Wir klagen dir die Skrupellosigkeit und den Egoismus,
der alle Lebensbereiche durchdringen will.
Wir klagen es dir und hoffen auf dich,
du Barmherzige und Ewige.

Jens: Schenke den Trost der Liebe,
und sei gegenwärtig,
damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird:
bei den Flutopfern in Indien, Nepal und Bangladesch,
bei den Obdachlosen und Hungrigen in unserer Nachbarschaft,
bei den Trauernden,
bei denen, die verzweifeln,
bei denen, die einsam sind und verstummen,
bei denen, die mit Sorgen das Zeitgeschehen verfolgen,
bei denen, die zu Neuem aufbrechen und in all den Veränderungen neue Chancen ergreifen.
Wir bitten dich und hoffen auf dich,
du Barmherziger und Ewiger.

Meike: Deine Gemeinde sind wir,
deine Liebe leite uns,
deine Gaben stärken uns,
dein Wort bewege und begeistere uns,
 .
Dir vertrauen wir uns
und alle, die zu uns gehören, an und halten einen Moment inne:

STILLE

mache aus uns eine Gemeinschaft des Geistes,
wirke durch uns, damit deine Barmherzigkeit sichtbar wird.
Amen.

Gemeinsam beten wir: Vaterunser im Himmel…

 

Segenslied: Herr, wir bitten komm und segne uns (Linus)

Segen

Musik zum Ausgang- hinsetzen

(Kollekte wird am Ausgang eingesammelt in Körben)

 

 

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede…

Liebe Gemeinde,

„Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen!“ So sagt es ein Sprichwort. Und das kennt auch die Bibel! Von Anfang an spielen Essen und Trinken eine große Rolle, und zwar immer in Gemeinschaft, im Teilen von dem, was jemand gesammelt, geerntet und zubereitet hat. Die gemeinsame Mahlzeit ist lebenswichtig, für Leib und Seele jedes Einzelnen und für die Gruppe derer, die das Vorhandene teilt.

Wer zusammen isst, haut sich nicht so leicht die Köpfe ein. Frieden kann sich ausbreiten. Wer zusammen isst, der redet miteinander, tauscht sich aus, lernt sich kennen und überwindet Fremdheit. Im ganz kleinen Zusammenhang geschieht das innerhalb einer Familie, im größeren Zusammenhang werden Friedensverträge und Abkommen geschlossen, am sogenannten „runden Tisch“. Aus der Tischgemeinschaft entstehen Ideen für ein besseres Zusammenleben und für die Lösung von anstehenden, brennenden Konflikten. Gemeinsames Essen und Trinken tragen also zu mehr Frieden und Gerechtigkeit bei.

Der Predigttext für diesen Sonntag greift dieses Verständnis auf und appelliert dazu, das zu beherzigen. Wir hören drei Sätze aus dem Hebräerbrief im 13. Kapitel: (Bibel hochhalten)

„Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“

Noch, liebe Gemeinde, existieren wir immer noch leiblich, wir leben noch im Leibe, gehen nicht nur auf in einer geistlichen Größe. Der Brief richtet sich an Menschen der 2. und 3. Generation, die den christlichen Glauben kennengelernt hat, die Mitte bis Ende des 1. Jahrhunderts lebte. Sie kannte also schon eine Gemeindestruktur und war doch nicht sicher beheimatet, war an keinem Ort direkt zu Hause. Diese Hörerschaft des Hebräerbriefs wird auch als „wanderndes Gottesvolk“ bezeichnet, die keine „bleibende Stadt“ hatte, sondern die zukünftige suchte. Die HörerInnen wissen also einerseits um die irdische Dimension des Glaubens und andererseits um die geistliche Dimension des Lebens und des Glaubens. Noch sind sie „im Leibe“, also nicht befreit vom Körper. Allerdings bekommt die Größe der Kirche im Hebräerbrief immer mehr eine geistliche Dimension, die im Körperlichen nicht aufgeht. Zugleich bekommt diese Dimension trotzdem eine wichtige Bedeutung für das irdische, diesseitige, körperliche Leben jetzt und hier.

Der Hebräerbrief ermahnt: Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe- Philadelphia heißt das auf Griechisch. Haltet an der Philadelphia fest, fühlt euch darin verwurzelt, das ist und bleibt die Basis Eures Lebens, Handelns und Hoffens: Die Liebe zum Glaubensbruder, zur Glaubensschwester ist damit gemeint, nicht die allgemeine göttliche Liebe. Aber die Beziehung zwischen denen, die sich zu Christus bekennen und zugehörig fühlen. Und dann folgt gleich die nächste Ermahnung und Handlungsanweisung, die über den eigenen Tellerrand hinausweist: Gastfrei zu sein vergesst nicht; Gastfreundschaft üben, wörtlich steht dort Freund des Fremden zu sein, der Ausländerinnen und Ausländer, der Nichtbürger, also diejenigen im Blick zu haben und zu beherbergen, die nicht dazu gehören, die fremd und heimatlos sind, die keinen Status haben, nicht als Bürger gelten, weil sie durch Lebensumstände oder Herkunft keinen Anspruch darauf haben. Seid gastfreundlich, denn dann kann es sein, dass ihr, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. Was für ein schönes Bild ist das, das auch wieder den Horizont öffnet und den Blick weitet: Es könnte ja sein, dass ein Engel darunter ist, ein Bote der Liebe Gottes, direkt vom Himmel geschickt. Öffnet eure Türen, ladet sie an euren Tisch, esst mit ihnen, teilt eure Mahlzeit und lasst darin den Himmel die Erde berühren. Dann breitet sich bei euch Frieden aus, dann behaltet ihr das Gespür für Gerechtigkeit und Würde.

Und so mahnt der Hebräerbrief weiter: Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt. In dem Moment, wo Ihr miteinander Tischgemeinschaft habt, wo Ihr Leib und Seele sättigt, wo ihr in der Liebe bleibt, da behaltet ihr diejenigen im Blick, die unterdrückt werden und schlimmes Leid erfahren, die menschenunwürdig behandelt werden. Da solidarisiert ihr euch mit ihnen und steht dafür ein, dass dieses Leid aufhört, dass ihre Würde beachtet wird. Da setzt ihr alle Hebel in Bewegung, um die Unterdrückung und Misshandlungen zu beenden. Da zeigt ihr Barmherzigkeit und werdet aktiv für die, die keine Stimme mehr haben.

Ich denke daran, in welchen Widersprüchen wir alle leben: gastfreundliche Länder wie der Irak und der Iran, die immer noch Menschen mit dem Tod bestrafen, weil sie gegen geltendes Recht verstoßen haben sollen.

In den USA existiert ebenfalls noch in einigen Bundesstaaten die Todesstrafe. Und zur Zeit agiert zum „Schutz“ der Bevölkerung gerade eine Einsatzarmee, die jeder Rechtsgrundlage entbehrt und die mit willkürlicher Gewalt für „Recht und Ordnung“ sorgen will. Zum Glück gibt es die „Wall of mums“, eine Mauer von Müttern, die sich dieser Gewalt entgegenstellen und ihre Kinder schützen, die für mehr Gerechtigkeit und Gleichberechtigung auf die Straße gehen.

Denkt an die Gefangenen als wärt ihr Mitgefangene und an die Misshandelten.“ Wir leben noch im Leibe, in der begrenzten, irdischen Dimension. Wir haben zwar die geistliche Dimension vor Augen und haben eine Ahnung von ihr. Wir brauchen als Lebewesen aber den Schutz des Leibes auf der Grundlage der Philadelphia, der geschwisterlichen Liebe und natürlich der Agape, der göttlichen Liebe. Leib und Seele und Geist gehören dabei zusammen und werden durch Essen und Trinken und Liebe zusammengehalten. Wo das geschieht, wo das gelingt, da berühren sich schon Himmel und Erde, da blüht das Leben auf, bekommen wir eine Ahnung vom Göttlichen in unserer menschlichen Welt.

Liebe Gemeinde, als ChristInnen haben wir das Sakrament des Abendmahls vererbt bekommen als Kraftquelle für unseren Lebensweg. Wir gehören mit zum wandernden Gottesvolk und brauchen Wegzehrung, um neue Kraft zu bekommen und weiter zu ziehen, weiter zu machen, durch zu halten auf einem oft mühseligen, herausfordernden Weg. Im Abendmahl feiern wir die Gegenwart Gottes, da ist Christus ganz nah, da gesellt sich der Auferstandene zu uns und stärkt uns den Rücken, steht uns zur Seite, zeigt uns den Weg, wo es lang gehen könnte.

Wenn wir das Brot brechen, die Oblate essen, wenn wir den Wein trinken, den Saft des Rebstocks schmecken, dann stellen wir uns für einen kurzen Moment an den Horizont zwischen Himmel und Erde.

  • Für einen Moment Gemeinschaft, die stärkt,
  • für einen Moment Frieden, die Gelassenheit und Zuversicht schenkt,
  • für einen Moment satt werden und im Einklang sein mit sich selbst, den Mitmenschen und Gott und spüren: Alles ist gut!
  • für einen Moment Klarheit, die zeigt, was als nächstes dran ist,
  • für einen Moment Mut, Taten folgen zu lassen, um die Barmherzigkeit in die Tat umzusetzen.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmt und esst, nehmt und trinkt. Ihr seid herzlich eingeladen und willkommen geheißen.

In dem Moment bildet sich die Gemeinschaft des Geistes, und Gottes Barmherzigkeit kann in Tat und Wort ganz konkret und leiblich sichtbar werden.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Impuls zum 6. Sonntag nach Trinitatis von Pastor Sascha Joseph Barth

I.

Eine Kirche. Vor gut 1800 Jahren.

Das Handtuch fällt zu Boden.

Nun steht er nackt da. So wie Gott in schuf.

 

Das Becken randvoll mit Wasser gefüllt.

Unten im Becken wird Marcus erwartet – vom Bischof. Denn heute soll er getauft werden.

30 Jahre ist er mittlerweile alt. Hat vieles ausprobiert. Diese Religion und jene Religion. Aber irgendwie hat es nie so richtig gepasst.

 

Seit ein paar Monaten hat er sich der Kirche angeschlossen. Musste richtig in den Unterricht gehen. Überhaupt erst erfahren, wer eigentlich Jesus ist. Der Frage nachgehen: Was bedeutet Gott für mein Leben?

All das hat ihm der Bischof beigebracht und heute ist es so weit: Taufe.

 

Nackt geht er langsam in das Becken. Schritt für Schritt. Jeder Schritt soll bewusst gesetzt sein. Das Taufbecken zeigt nach Osten. Da, wo die Sonne aufgeht. Jesus ist ja wie die Sonne. Er ist das Leben. Und deswegen geht es nun Richtung Osten – der Sonne, dem Leben entgegen.

 

Das lauwarme Wasser reicht Marcus bis zur Brust. Und dann steht er vor dem Bischof. Dreimal wird er ins lauwarme Nass untergetaucht. Und jedes Mal muss er tief durchatmen. Er spürt einen neuen Lebensatem. Und nach dem dritten Mal fühlt er sich wie neugeboren.

 

Er atmet tief ein, wischt sich mit den Händen das Wasser aus dem Gesicht und schaut mit ganz neuen Augen auf die Welt.

Eine Entscheidung getroffen, dreimal untergetaucht, dreimal gestorben und nun ein neues Leben.

Was für eine Taufe!

 

II.

Ja, was für eine Taufe!

Damals vor so 1800 Jahren waren Taufen anders. Vor allem Erwachsene wurden getauft. Kinder auch, aber dieser ganze Ritus, wie wir ihn gerade in der Erzählung gehört haben, hat sich bei den Erwachsenen wohl sehr tief ins Herz eingeprägt.

 

Unsere Taufen heute sind dagegen ja fast schon niedlich. Da wird keiner mehr untergetaucht. Vätern und Müttern würde wahrscheinlich das Herz stehenbleiben, wenn ich ihre Kinder untertauchen würde und das ganze dreimal.

In den orthodoxen Kirchen – also in Griechenland oder auch Russland – wird das weiterhin so gemacht. Vielleicht beruhigt es ja, dass die Priester dort selbst meist Väter sind und das einschätzen können…

 

Aber es muss was Tiefgehendes gewesen sein, wenn Menschen so wie Marcus vor 1800 Jahren getauft wurden.

Marcus ist symbolisch durch das Untertauchen gestorben. Martin Luther sagte dazu: der alte Adam wurde ersoffen. Das Böse sollte also weggewaschen werden. Und dann ersteht Marcus aus dem Wasser wieder auf. Fast so, als ob er in einem Grab gelegen hätte. Er steht wieder auf.

 

Unglaublich, was eigentlich alles in der Taufe so drinsteckt!

Am Anfang steht die Entscheidung zur Taufe, dann soll alte Leben hinter uns gelassen werden, wir werden dreimal symbolisch getötet, stehen aus dem Grab auf und sind neugeboren, denn schließlich kamen wir ja schon bei unserer ersten Geburt aus dem Fruchtwasser.

 

Ich bin ein großer Befürworter von Kindertaufen und liebe es, Kinder zu taufen. Gerade die Kleinsten sollen besonders mit Gott aufwachsen. In der Taufe von kleinen Kindern wird deutlich, dass Gott uns Menschen liebt und uns so annimmt, wie wir erstmal sind. Gerade die Kleinen haben ja ziemlich wenig Leistung vorzuweisen. Bei den Kleinsten steht die Liebe Gottes im Vordergrund.

 

Aber irgendwie vergessen wir dabei, was in der Taufe sonst noch geschieht und gerade bei so einer Taufe wie bei Marcus wird das deutlich.

Es wird deutlich, dass es da einen Neustart im Leben gibt, dass das Alte, was einen gehindert hat frei zu leben, weg soll. Die Taufe von Marcus macht deutlich, dass ein neuer Mensch entsteht. Ein Mensch, der von Gott geliebt wird, und deswegen selbst lieben soll.

 

Taufe bedeutet also: eine Entscheidung für etwas Neues, das Sterben des Alten und eine neue Geburt.

 

Auch wenn die meisten von uns als Kinder getauft wurden und uns gar nicht an unsere Taufe erinnern können, bleiben diese Dinge der Taufe ein Leben lang: eine Entscheidung für etwas Neues, das Sterben des Alten und eine neue Geburt.

Vorhin habe ich den alten Martin Luther ja schon einmal zitiert: der alte Adam soll ersoffen werden. Und Martin Luther ergänzt sogar: das sollen wir jeden Tag machen.

Jeder Tag ist ein Tag, um uns an die Taufe zu erinnern. Und die Taufe ist einfach ein unglaublich großes Geschenk. Gott verspricht, mit uns durch das Leben zu gehen. Ganz eng. Egal was kommt. Er ist in den Tiefen unseres Lebens dabei, aber auch in den großen Höhen. Er will einfach Teil unseres Lebens sein.

 

Und deswegen sollen wir uns an unsere Taufe erinnern – jeden Tag.

Und das heißt: jeden Tag die Entscheidung aufs Neue treffen. Die Entscheidung mit Gott zu leben. Eine Entscheidung, die sich lohnt.

Jeden Tag dafür entscheiden, dass etwas von dem Schlechten in uns stirbt. Das tut uns gut und vor allem all den anderen Menschen.

Jeder Tag soll eine neue Geburt werden. Jeder Tag ist ein Geschenk und schon wie eine neue Geburt. Und mit Gott an der Seite, kann jeder neue Tag gelingen.

Erinnern wir uns also jeden Tag an unsere Taufe. Daran, dass wir zu Gott gehören.

Und wenn wir das tun, dann treffen wir eine der besten Entscheidungen unseres Lebens – vielleicht sogar die beste.

Amen.

TAGESGEBET

Lieber himmlischer Vater,
du hast uns durch die Taufe neu geboren zu Kindern des Lichtes:
Erhalte uns im Glanz deiner Wahrheit
und verdränge alles Dunkel.
Das bitten wir durch Jesus Christus,
deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

 

Gottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2020, 10 Uhr St. Urbani

5. Sonntag nach Trinitatis

Liturgie und Predigt: Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Daniel Heinrich

Kirchendienst: Melanie Bade, Annette Schymanitz

 

Glocken

Musik zum Eingang

Begrüßung (Meike)- Hinweise zu den Regeln… (Kollekte am Ausgang; nicht singen und auch nicht summen…)

Sonntagspsalm: 63, 2-9 (Meike im Wechsel mit Gemeinde)

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. Amen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Morgenlied – er weckt mich alle Morgen

Wochenpsalm 73 in Auszügen (dazu stehen alle auf, Kirchendienst im Wechsel mit Gemeinde)

1 Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten.

3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.

4 Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib.

5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt.

6 Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel.

7 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt.

8 Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her.

9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

10 Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

23 Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

25 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

27 Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen; du bringst um alle, die dir die Treue brechen.

28 Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.

Amen

Lesung des Evangeliums: Lukas 5, 1-11 (Kirchendienst)

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. 2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. Amen.

Stille

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 313 (vorgetragen von Magdalena)

Predigt zu Lukas 5, 1-11

Lied: EG 595 (vorgesungen von Daniel Heinrich)

Mitteilungen (Meike)- Kollekte für Diakonie der eigenen Gemeinde

Musikstück

Fürbittengebet: Pastorin: Wir wollen Fürbitte halten und dazu aufstehen:

Melanie Bade:

Großer Gott,
mit Dir neue Wege gehen, das wär´s.
Netze auszuwerfen, wo dann auch Fische sind.
Mit Dir leben, getröstet und genährt.
Statt all der Alltagsangst, dem Druck,
dem Müssen und Sollen
und am Ende doch der Hunger.

Ach Gott, erhöre uns:

Alle: Dennoch bleibe ich stets an dir;
Denn Du hältst mich bei meiner rechten Hand.

Annette Schymanitz:

Für Deine Kirche bitte ich Dich, Gott.
Sind die Wasser ausgefischt und die Tempel leer?

Passen Fische und Netze, Handwerk und Hoffnung zueinander?
Für Zahlen und Rechnungen,
Kundgaben und Geist-Worte,
schenk uns Verstehen!

Ach Gott, wir bitten Dich, erhöre uns:

Alle: du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Melanie Bade:

Für Entscheider und Präsidentinnen,
für Klar-Sein und Maßhalten,
Schutz, Abstand und Nähe.
Dein Weg ist dunkel manchmal, kantig und verwurzelt.
Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.
Höre uns:

Alle: Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Annette Schymanitz:

Ich bitte Dich für Ferienkinder und Urlaubserwachsene.
Freie Zeit und leichtes Herz,
zu Hause ohne Schule oder vorsichtig über die Grenze in ein anderes Land -
ach Gott, wir bitten Dich, erhöre uns:

Alle: Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Melanie Bade:

Und für die unruhigen Herzen bitte ich Dich, Gott.
Für alles „ich müsste mehr tun“,
jedes „ich hab nichts geschafft“.
Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Atem, ist Glück.
Pulsier´ durch uns durch, alle hier,
wie wir sind, und erhöre uns:

Alle: Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn,
dass ich verkündige all dein Tun.

Annette Schymanitz:

Wir halten einen Moment inne und vertrauen Dir in der Stille an, was uns bewegt: STILLE

Gemeinsam beten wir: Vaterunser im Himmel…

Segen

Musik zum Ausgang- hinsetzen

(Kollekte wird am Ausgang eingesammelt in Körben)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, …

Liebe Gemeinde,

„Fahre hinaus, wo es tief ist…“ zur Mitte des Sees, bleib nicht am sicheren Ufer, begebe dich aus der Komfortzone, wage Dich ins Unbekannte, ins Ungewisse. Hab Mut, in die Tiefe zu gehen, nicht an der Oberfläche zu bleiben. Und dort, „werft eure Netze zum Fang aus!“

Probiert es noch einmal, gegen jegliche Vernunft, versucht es anders als sonst, gegen jede Gewohnheit, gegen eure Erfahrung. Bürstet einmal alles gegen den Strich. Ihr werdet überrascht sein und die Fülle haben!

Lassen wir uns doch mal mit Hilfe des Evangeliums, mit Hilfe des Fischzugs von Simon Petrus auf diesen anderen Weg ein. Eine Geschichte, die ein Sinnbild ist für unser Leben, für unseren Glauben, für unsere Seele!

Schauen wir, was da passiert: Simon Petrus, Jakobus und Johannes sind frustriert, die ganze Nacht haben sie gefischt, nichts in den Netzen, so viel Berufserfahrung und doch kein Erfolg.

Jesus ist mit Predigen beschäftigt, sieht die vielen Menschen, die an den See Genezareth gekommen waren, um ihn zu sehen und zu hören; da hat er die Idee, auf den See hinauszufahren, um besser gesehen und gehört zu werden. Simon Petrus ruft er persönlich heraus, er soll Jesus begleiten, ihn hinausfahren, so dass er vom Boot aus verkündigen kann.

Dann ist er damit fertig- und wendet sich nun Simon zu. Dieser hängt entmutigt und erschöpft zwischen den Seilen, die ganze Nacht gefischt… nichts gefangen, wovon sollen sie leben? Jesus ermuntert Simon, nun noch weiter hinaus auf den See zu fahren- dorthin, wo es tief ist! Wo der Grund nicht mehr zu sehen ist! Simon soll noch einmal die Netze auswerfen und einen Fang versuchen. Wie törricht, wie unprofessionell, jeder weiß doch, dass die Fische bei Tage nicht an der Oberfläche schwimmen und vom Schatten des Bootes verscheucht werden. Da kann doch gar nichts ins Netz gehen. Aber Simon sagt: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf Dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Eigentlich denkt er im Stillen, dass Jesus ein bisschen spinnt, aber er lässt sich drauf ein!

Und das Wunder passiert: Es werden so viele Fische, so dass die Netze fast reißen und das andere Boot (mit Jakobus und Johannes drin) zu Hilfe eilen muss, um den Fang zu sichern. Beide Boote drohen fast zu versinken vor lauter Fischen. Simon ist so überrascht aber auch peinlich berührt und hat wohl auch ein schlechtes Gewissen, dass er wider Willen die Netze ausgeworfen hat, und gedacht hatte: Was soll denn der Quatsch, am hellichten Tage Fische fangen. Und er gesteht reumütig ein: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch! Simon möchte am liebsten im Erdboden versinken. Es ist aber nicht nur die Scham, sondern auch ein Schrecken, von dem er erfasst wird. Und wie reagiert Jesus? Er maßregelt nicht, er schimpft nicht aus, er genießt nicht irgendeine Art von Genugtuung: Siehste, hab ich’s nicht gesagt…NEIN:

Drei Worte sagt Jesus, wie so oft in seinen Begegnungen: Fürchte dich nicht! Hab keine Angst! Der Schrecken hat keine Macht über Dich! Deine Erschütterung ist verständlich, Deine Scham auch, aber das zählt alles gar nicht, ist nicht wichtig. Fürchte dich nicht! – und dann setzt er noch was drauf, was eine völlig neue Richtung vorgibt: Von nun an wirst Du Menschen fangen.  RUMMS! Was für ein Auftrag, was für ein RUF, weg vom Beruf des Fischers, hin zur BeRUFung des Jüngers. Plötzlich ist alles anders, steht alles im anderen Licht. Das, was vielleicht eine längere Zeit gedauert hat, ein Prozess ist über Tage, Wochen, Jahre, das geschieht von jetzt auf gleich: Sie hängen den Beruf an den Nagel und folgen dem Ruf Jesu, einem Ruf ins Ungewisse, ohne jede Absicherung, aber sie folgen ihrer Berufung, sie werden zu Assistenten Jesu, zu Freunden, Wegbegleitern, Schülern, zu Jüngern, sie lassen sich in Bewegung setzen und wechseln nicht nur den Beruf, sondern auch die Richtung und die Ausrichtung: Unsere biblische Geschichte endet dann mit nur einem Satz:

Und sie brachten die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.  

Liebe Gemeinde, so einfach ist das also. Es gibt solche Ereignisse, wo ich mir plötzlich, von jetzt auf gleich, klar werde, was ich zu tun habe, was ich ändern muss. Aber oft geht dem ein längerer, auch quälender Prozess voraus.

Von Jesus werden Simon, Johannes und Jakobus dermaßen berührt, dass sie erschrecken und ihnen klar wird, wem sie ab jetzt vertrauen werden. Und wo passiert das? Nicht bei am Ufer, nicht im Hause, nicht auf einem Berg, nicht in der Synagoge… nein, da, wo es tief ist und das ist dort, wo sie alltäglich arbeiten und unterwegs sind!

Fahre hinaus, wo es tief ist… da, wo Tiefe ist, Tiefgang! Keine Oberflächlichkeit, keine Vordergründigkeit, keine Etikette, keine Schminke, sondern da, wo es ans Eingemachte geht, an die ungeschminkte Wahrheit, dort, wo es tief geht, in die Tiefe der Seele-> da passiert die Berührung, da passiert das Wunder, dass der Fang Erfolg hat, dass da die FÜLLE ist.

Vorher hatte Jesus vor einer Masse von Menschen, die da am Ufer stand, gepredigt. Danach wendet er sich Simon zu, dann fahren sie dahin, wo es tief ist, sie sind geschützt vor den Blicken der vielen anderen, sie sind nur noch zu zweit, eine Vier-Augen-Situation, erweitert um Jakobus und Johannes, die im anderen Boot auch noch in der Nähe sind. Im geschützten Rahmen kommt es zur Begegnung, zur Frage: Kann ich Jesus vertrauen? Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen- auf dein Wort hin lasse ich mich auf dich ein, lasse ich das Netz ganz tief runter, guck mal, was da ist, was sich da zutage fördern lässt, da öffne ich mich!  Das Vertrauen setzt sich durch und besiegt den Zweifel! Das Vertrauen darauf, dass es sich irgendwie lohnen wird, nicht aufzugeben, es nochmal zu versuchen.

Es ist etwas Mystisches in dieser Erfahrung! Das Eigentliche passiert im Verborgenen, hinterm Schilf, vor Blicken geschützt, weit weg von der Masse, da, wo es tief ist, dort, wo wir uns auf eine ganz persönliche Begegnung mit Jesus/Gott einlassen. DORT ist die Fülle verborgen. Nehme ich sie wahr, kann ich sie wie einen guten Fang, heben, und an Land ziehen, um von ihr zu zehren, sie zu genießen.

Liebe Gemeinde, diese Geschichte ist ein Bild für unser eigenes Leben, für unseren persönlichen Glauben, für unsere Seele, ist ein Bild für die Seel-Sorge, für Gottesbegegnung, für das Vertrauen in die Liebe, das sich letztendlich durchsetzt und belohnt wird.

Ich frage mich: Wo steigt Jesus in mein Lebensboot? Wo kommt er ganz persönlich zu mir? Wo lasse ich mich auf die Begegnung mit Jesus, mit dem Göttlichen, mit der Lebenskraft ein? Wo lasse ich sie zusteigen, wo mache ich ihr Platz, wo gebe ich ihr Raum und Zeit?

Können wir sie hören? Die ermunternden Worte: Versuch’s nochmal! Gib nicht auf! Wirf das Netz nochmal aus. Du denkst zwar, es lohnt sich nicht mehr, du bist erschöpft und am Ende Deines Lateins. Aber ich sage dir: Fahr hinaus, wo es tief ist- wage es, das sichere Ufer zu verlassen und zur Mitte des Sees zu fahren, zur Mitte, wo es tief ist, ich bin MIT DIR in deinem Lebensboot. Und: Hab keine Angst! Du wirst reich belohnt werden. Unfassbare Fülle wirst Du erleben, wenn Du dieser Einladung folgst.

Mir fallen Menschen ein, die das erlebt haben und erleben. Die aus dieser Fülle heraus schöpfen, die in Gott ihren Grund hat; Menschen, die sich nicht erschüttern lassen, sondern ihr Vertrauen in die göttliche Lebenskraft bewahren, stärken, teilen und weitergeben, es ausstrahlen und andere damit anstecken.

Oft sind es tatkräftige, tiefgründige, oft auch humorvolle und lebensfrohe Menschen; Menschen, die dem Ruf folgen: Wirf noch einmal dein Netz aus, in die Tiefe, lass dich drauf ein, fürchte dich nicht. Die mutig ihre Komfortzone verlassen, die den unbequemen Weg gehen, oft ins Ungewisse, die ihren Finger in die Wunde legen und aktiv mithelfen, Lösungen zu finden. Die dran bleiben, sich nicht gleich zufrieden geben, sondern es noch einmal versuchen.

Liebe Gemeinde, jedeR kann selbst überlegen, wo er/sie sich in dieser Geschichte wiederfindet. Der RUF Jesu gilt auch uns! Gegen unsere Zweifel und Erschöpfung ermutigt er uns: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! –: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst Du Menschen fangen.

Probiert es noch einmal, gegen jegliche Vernunft, versucht es anders als sonst, gegen jede Gewohnheit, gegen eure Erfahrung. Bürstet einmal alles gegen den Strich. Ihr werdet überrascht sein und die Fülle haben!

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist….

 

 

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

I.

 

Paulus vor etwas weniger als 2000 Jahren:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.« Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

II.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Die Hitze ist unerträglich und dann ist die Klimaanlage auch noch ausgefallen. Der Bus wird zu einem Ofen. Und dann sind da auch noch diese Masken vor dem Gesicht. Es ist schwer, das alles auszuhalten. Fast jeder ist leicht reizbar.

Die eine Dame nervt die Fliege. Die ganze Zeit schwirrt sie um sie herum und mit der Bunten schlägt sie voller Wut nach ihr, aber sie erwischt sie nicht.

Und dann ist da noch der Junge aus der Schule. Irgendetwas an seinem Handy will einfach nicht, wie er will. Am liebsten würde er das Handy auf den Boden schmeißen.

Und hinten im Bus ist die Mutter. Nicht nur sie ist fertig mit den Nerven, sondern auch ihr kleines Kind auf dem Arm. Es ist einfach zu heiß. Sie denkt sich gerade: wie schön wäre das Leben gerade ohne dieses schreiende Kind. Sie erschreckt innerlich – hat sie das wirklich gerade gedacht?

 

In dieser Ofenhitze des Busses sind alle mit sich beschäftigt. Wut, Genervtheit, Reizbarkeit. Alle haben einfach keinen Bock mehr auf diesen Bus.

Viele schimpfen mit dem Busfahrer. Und er schimpft zurück. Die Stimmung ist unglaublich angespannt.

An der nächsten Haltestelle kommt endlich wieder etwas Luft in den Bus. Und sie kommen herein.

Springerstiefel.

Glatze.

Natürlich keine Masken.

Fast alle Fahrgäste schauen auf den Boden. Bloß kein Sichtkontakt mit denen.

Laut ertönt ihre rechte Musik.

Sie gehen nach hinten und dort sitzen sie.

Eine kleine Familie. Eine farbige Familie.

„Na, ihr Affen! Ihr schwitzt wohl nicht? Ist ja auch perfektes Affenwetter für euch! Bei euch in Afrika ist es auch so heiß, oder? Warum antwortet ihr nicht? Ach ja, ihr kommt ja gar nicht aus Deutschland. Könnt ja gar nicht unsere Sprache!“

Die Glatzen äffen Affengeräusche nach. Und mit dem Schweiß auf der Stirn sehen die Glatzen affig aus.

„Ich glaube, seitdem ihr Affen hier seid, sind die Klimaanlagen in den Bussen aus. Ihr sollt euch hier anscheinend wohlfühlen. Wie auf euren Bäumen in Afrika. Aber wir wollen euch gar nicht hier.“

 

Die nächste Haltestelle.

Alle Fahrgäste schauen zu Boden. Die Tür hinten geht auf. „Haut endlich ab aus unserem deutschen Bus.“

Frische Luft kommt rein, trotzdem ist die Luft zum Schneiden. Entlädt sich die Wut im Ofen namens Bus?

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

III.

Wie würden wir in so einer Situation reagieren? Im Bus oder im Zug? Oder an anderen Orten?

Hätten wir den Mut, was zu tun?

Oder würden wir uns nicht auch lieber auf etwas anderes konzentrieren? Wie auf das Handy starren?

Oder weiterhin die Fliege erschlagen und wenn sie dann erlegt ist, die Bunte aufblättern, uns hinter den Seiten verstecken?

Oder uns hinter unserem Kind verstecken, das halt gerade getröstet werden muss?

 

Ich weiß selbst gar nicht, ob ich den Mut hätte, da was zu tun…

Und trotzdem schreibt Paulus jedem von uns ins Stammbuch:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Was das Gute ist, das müssen wir in jeder Situation irgendwie herausfinden. Auf jeden Fall eben nicht Böses mit Bösem zu vergelten. Sondern unsere Aufgabe als Christen ist es, dafür zu sorgen, dass Streit nicht größer wird. Dass Leute eine Pause einlegen, wenn sie streiten und so vielleicht dazu kommen, ein wenig darüber nachzudenken, was sie da gerade tun.

Unsere Aufgabe ist es also nicht, die Neonazis im Bus anzuschreien, sondern zu helfen, dass nichts passiert und das vor allem mit Worten.

 

Und eins sollten wir Christen dabei nicht vergessen: wir sind eben nicht alleine. Sondern wir sind eine Gemeinschaft. Wir können uns gemeinsam gegen das Böse stellen. Brauchen das nicht immer allein machen, sondern gemeinsam. Und wenn wir das tun, dann ist unsere Botschaft auch viel eindrücklicher.

Es braucht also keine Superhelden, sondern uns als Gemeinschaft. Aber jeder von uns sollte diesen Satz verinnerlichen: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Und wenn uns das gelingt, dann können wir alle ein wenig unseren Beitrag leisten, dass es friedlicher in dieser Welt zugeht.

 

IV.

„So, die Tür ist auf für euch Affen. Nun husch hinaus. Oder muss ich erst Bananen werfen, damit ihr rausgeht?“

Aufgeregt redet die Mutter ins Ohr des Vaters. Es scheint, als ob sie ihm sagt: „wir müssen raus, sonst geschieht hier noch was!“

 

Mittlerweile schauen alle im Bus auf die Familie und die Neonazis. Keinen lässt diese Situation kalt. Aber nichts geschieht.

 

„So, Äffchen, nun geht’s raus! Braucht ihr eine schriftliche Einladung?“

Keine Sekunde später hat das Kind Spucke im Gesicht. Einer der Neonazis hat dem Kind ins Gesicht gespuckt.

„Wie widerwärtig“, denkt sich der Junge mit dem Handy. Er schaut sich im Bus um und guckt, ob jemand mit dabei ist. Ein anderer Mann und die Frau mit dem Kind schauen dem Jungen ins Gesicht. Sie nicken sich zu.

Ihre Herzen pochen, aber sie nehmen allen Mut zusammen. Sie haben genug vom Bösen heute gesehen. Gemeinsam gehen sie zur Familie und stellen sich vor sie. Was für ein Bild: ein kleines weißes Kind, das quasi auf das farbige Kind aufpasst.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

„Aber, Deutschland doch den Deutschen? Warum seid ihr gegen uns?“, fragt einer der Neonazis stotternd.

Der Junge mit dem Handy antwortet darauf nur: „Ja, Deutschland für die Menschen, die gegen das Böse kämpfen!“

 

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

 

Gebet:

Barmherziger Gott,

wo sollten wir hin, wenn es kein Verstehen und Verzeihen gäbe,

sondern nur Kälte und Härte und Lauheit?

Gib uns Anteil an der Weite deines Herzens.

Lass uns Barmherzigkeit finden und üben,

wie du sie uns erweist in Jesus Christus,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

 

Es segne und behüte euch der dreieinige Gott,

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist!

Amen.

 

 

Hier geht es zur Youtube-Andacht:

https://www.youtube.com/watch?v=qhhn5hMltb8

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Im Evangelium für den 3. So. nach Trinitatis aus Lk. 15,1-24 + 32 lesen wir:

 

Es nahten sich Jesus alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen:

Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Ein Mensch hatte zwei Söhne.

Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater:

Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht.

Und er teilte Hab und Gut unter sie.

Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.

Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land

und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen;

Und niemand gab sie ihm.

Da ging er in sich und sprach:

Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben,

und ich verderbe hier im Hunger!

Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:

Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.  Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich!

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn,

und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.

Aber der Vater sprach zu seinen Knechten:

Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an

und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße

und bringt das gemästete Kalb und schlachtet´s;

lasst uns essen und fröhlich sein!

Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden…

… Er war verloren und ist wiedergefunden.

                                                             (Amen.)

Herr, segne dieses Wort in dieser Stunde an uns allen! Amen.

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Zu der sehr berühmten und hier etwas gekürzten Geschichte vom verlorenen Sohn passt sehr gut auch der Wochenspruch für die gerade beginnende neue Kirchenwoche. Der steht ebenfalls im Lukas-Evangelium, und zwar in Kp. 19, Vers 10 und lautet:

„Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Amen.)

 

Gott ist tatsächlich nicht tagein tagaus auf der Suche nach perfekten Siegertypen, wie wir es aus manchen Fernsehsendungen kennen;

sondern Gott neigt sich ganz besonders denen zu, die so gar nicht perfekt sind und die von manchen Mitmenschen dafür manchmal auch verachtet werden.

In der Geschichte, die Jesus erzählt, ist es der jüngere von den beiden Söhnen, der so gar nicht das tut, was man von einem verantwortungsvollen Mitbürger erwarten würde:

Er lässt sich sein Erbe lange vor der Zeit ausbezahlen.

Er bringt das ganze Geld innerhalb kürzester Zeit durch.

Er muss mieseste Jobs machen und hungert trotzdem noch.

Und schließlich kehrt er zum Vater zurück – aber eigentlich nur, um dort als Tagelöhner zu arbeiten, um sich irgendwie vor dem Hungertod zu retten.

Aber sein Vater – ein gutes Sinnbild für unseren Vater im Himmel – nimmt ihn als vollwertigen Sohn wieder auf, fragt nicht, was er Blödes gemacht hat, sondern schließt ihn in die Arme und lässt ein großes Willkommensfest vorbereiten.

Gott sucht nicht den Superstar,

Gott sucht das Herz der ganz normalen Menschen,

die manchmal so gar nicht perfekt sind:

Denen die Gesichtsmaske dauernd verrutscht,

die ihre Maske zu Hause vergessen haben,

die ihren Mitmenschen sehr nahekommen, weil sie sie sonst einfach nicht richtig verstehen können.

Man soll nicht mit Absicht alles falsch machen,

aber wenn wir Fehler machen, dann merkt man dadurch einfach auch, dass wir Menschen sind, und Menschen machen immer auch mal Fehler.

Gott hat da sehr viel Verständnis für.

Er mahnt uns deshalb auch ausdrücklich, uns nicht über andere Menschen zu erheben, weil wir uns selber irgendwie für besser halten als diese.

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt man ja auch.

So lasst uns danach streben, Gutes zu tun und uns sozialverträglich zu verhalten.

Wenn es aber mal nicht klappt, brauchen wir nicht zu verzweifeln.

Gott kennt uns und liebt uns und hilft uns wieder auf, wenn wir gestrauchelt sind. Amen.

 

 

Gebet:

Herr, sei bei uns in diesen Wochen und Monaten der Verunsicherung und des Neu-Ausrichtens.  Gib uns gute Gedanken in unser Herz, dass wir das Richtige tun und dabei auch Rücksicht auf andere nehmen.

Das bitten wir dich und manches andere, das wir dir noch in der Stille sagen können…  

… gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel; geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Und es segne und behüte euch alle der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Eine weitere gute Nachricht am Ende: in unseren Sonntagsgottesdiensten braucht man in Niedersachsen ab sofort die Gesichtsmasken nur noch,

solange man in der Kirche umherwandert,

also vor allem beim Kommen und Gehen.

Während man in den Bänken sitzt, darf man die Maske abnehmen.

Das ist, wie ich finde, eine gute Erleichterung!

Bleiben Sie munter!

 Ihr

Johannes Schoon-Janßen, Pastor

 


 

 
Vorschlag für die Feier eines Gottesdienstes/ Andacht zu Hause

„Gottesdienst zeitgleich“

 

LITURGIEN FÜR ZUHAUSE
 

  • Glocken läuten zur vereinbarten Zeit (sonntags um 10 Uhr)

 

  • Kerze entzünden

 

  • Einstimmung

(selbst lesen oder in der Hausgemeinschaft vorgelesen)

 

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

  • Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten (gleicher Text an jedem Tag – Gebet für sich oder gemeinsam laut)

 

Gott.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Ich bete zu Dir.

Und weiß: ich bin verbunden.

Mit Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Genau so.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Das genügt.

Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf unser Gebet.

Amen

 

  • Bibeltext des Tages

 

  • Lied des Tages (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen)

 

  • Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

 

  • Fürbitten

 

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

 

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Heute.

 

Stille

 

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade.

 

Stille.

 

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

 

Stille.

 

Wir denken an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

 

Stille.

 

Wir denken an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

 

Stille.

 

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

 

  • Vater Unser

 

  • Segen

 

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Oder

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Du da bist. Spüren, dass andere da sind. Genau jetzt. Genau so. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „Gott spricht: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein.“(oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Mehrmals wiederholen und dabei vielleicht lauter werden. Stille. Einatmen. Ausatmen. Fenster schließen.

 

  • Kerze löschen

 

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis

von Lektor Dr. Grabowski

 

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext steht in der Apostelgeschichte, Kapitel 4, die Verse 32-37. Es geht es um traumhafte Zustände. Eine Gemeinschaft, in der niemand Not leidet, in der es keinen Hass gibt.

32 Die Menge derer aber, die gläubig wurden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen.

34 Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften

35 und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte.

36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde — was übersetzt heißt: Sohn des Trostes —, ein Levit, ein Zyprer von Geburt,

37 der einen Acker besaß, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es zu den Füßen der Apostel nieder.

Na, sind das nicht traumhafte Zustände?

Man muss sich das mal vorstellen. Wenige Tage zuvor, an Pfingsten, war der Heilige Geist „ausgegossen worden“, wie es heißt; mit anderen Worten, der Grundpfeiler der Dreieinigkeit war als Dogma der neuen Kirche verankert worden. Drei in einem, ganz Gott, ganz wahrer Mensch.

Nach dem Pfingstbericht in der Bibel sind an und um Pfingsten herum viele Menschen Christen geworden; Menschen, die aus allen Ecken der damals bekannten Welt kamen. Insgesamt 19 verschiedene Völker waren anwesend, als der Wind des Heiligen Geistes durch die Gemeinde fuhr; und jeder hörte die Apostel in seiner eigenen Sprache reden.

Und alle die, die sich zu Christus bekannt hatten, waren weit weg von zu Hause; weit weg von ihren Äckern, ihren Herden, ihren Häusern, weit weg von allem, was ihnen den Lebensunterhalt sicherte.

Eigentlich ist das eine loose-loose-Situation; eine Lage, in der es nur Verlierer geben konnte. Spätestens wenn das Reisegeld aufgezehrt war, würden sie alle nach Hause gehen, und die neugeborene Gemeinde in Jerusalem, die erste Gemeinde überhaupt, würde diesen Aderlass wohl kaum überleben.

Aber hier läuft das anders. „..mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen…“. Mit großer Kraft – das griechische Wort für Kraft ist „Dynamis“, das verrät uns schon, dass da auch Bewegung in der Sache steckt – ein dynamischer Prozess eben. Durch Gottes Kraft entsteht diese Dynamik; Gottes Kraft und Gnade ermöglichen es der Gemeinde, das scheinbar Unmögliche zu leben:

„Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen“ und, „es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte.“ heißt es weiter. Für mich persönlich ist das ein Wunder, das wohl nur durch Gottes Kraft in den Aposteln möglich war. So, mit der Liebe zum Nächsten und Gottes Kraft, konnte die Gemeinde überleben.

Jeder hatte, jeder bekam, was er brauchte. Das heißt NICHT: alles gehörte Allen. In der Urgemeinde herrschte kein „Ur-Kommunismus“, es gab nach wie vor Privateigentum; eine Enteignung der einen zu Gunsten der anderen hätte auch im Widerspruch zum 7. Gebot gestanden – „Du sollst nicht stehlen“.

Diese Schilderung ist sehr allgemein gehalten; sie soll wohl hauptsächlich ein Stimmungsbild, ein Gefühl vom Leben in der Gemeinde in Jerusalem vermitteln.

Und in der Nachfolge Christi war die Liebe die treibende Kraft in der Gemeinde – die Liebe des dreieinigen Gottes, den sie alle gerade erfahren hatten, und die geschwisterliche Liebe untereinander.

Es hätte so schön sein können…wenn, ja wenn, es so weitergegangen wäre. Wir alle wissen, dass das nicht so war. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als die Verfolgung der Christen endete, endete auch diese Form der Gemeinde, und die Liebe zum Nächsten rückte weit nach hinten im Leben. Kreuzzüge und Kolonialisierung sind gute Beispiele dafür; auf der anderen Seite ist der Zusammenhalt der christlichen Gemeinden dort, wo sie unterdrückt werden, ein Beispiel dafür, dass in Zeiten der Not Gottes Kraft auf den Gemeinden liegt.

Es gibt den altbekannten Satz „Not lehrt beten“. Anscheinend braucht es die Not dazu; anscheinend sind wir Menschen nicht in der Lage, aus uns selbst heraus selbst-los zu handeln, die oder den Nächsten als Geschwister zu sehen. Wir sehen ihn oder sie als Konkurrenten und behandeln ihn auch so – erst komm‘ ich, und wenn ich etwas über habe, bist du dran. Das liegt tief in unserem Innern, und daran hat leider auch das Vorbild Christi nicht viel geändert.

Oder doch?

Wir sind wohl die einzige Art auf unserem Planeten, die sich Gedanken darum machen kann, warum sie etwas tut. Das ist das Eine. Und Christus hat uns gelehrt und vorgelebt, wie wir sein sollen, um ihm nachzufolgen; das ist das Andere.

Wir wissen also, wie wir handeln sollen; und wir sind in der Lage, das zu verstehen und darüber nachzudenken. Und wir tun das auch. Die Zahl der Bücher, die das Problem des Umganges miteinander behandeln, ist riesengroß; sowohl aus ethischer als aus religiöser Sicht. Wir können nicht sagen, wir wüssten nicht, was wir tun.

Nur mit dem Handeln, da hapert es. Millionen Menschen haben nicht das, was sie zum Leben brauchen; aber wir sind weit davon entfernt, nach dem Vorbild der Urgemeinde zu leben.

So, jetzt ist der Punkt gekommen, wo man in einer Predigt eine Antwort auf die Frage erwarten würde, WARUM wir nicht handeln. Wir haben Gottes Auftrag zur Nächstenliebe doch verstanden, warum also handeln wir nicht danach?

Wenn Sie jetzt von mir eine Antwort erwarten, muss ich Ihnen sagen – ich weiß es nicht. Ich kann die Frage schlicht und einfach nicht beantworten. Ich weiß, dass ich selber in diesem Punkt den Ansprüchen nicht genüge. Immer wieder. Ich bemühe mich, ich spende mal hier, mal da etwas, ich kaufe nachhaltig ein, und so weiter. Aber ich gehe nicht hin und verkaufe mein buchstäblich letztes Hemd, damit jemand anderes auch eines hat.

Vielleicht liegt die Antwort ja in der alten Binsenweisheit „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“. Ich weiß, was von mir erwartet wird, ich bemühe mich ja – aber ich schaffe es nicht. Die eigene Bequemlichkeit ist stärker.

Vielleicht aber ist die Antwort auch „es geht voran – mit kleinen Schritten“. Wenn ich mich in unserer Stadt einmal umsehe, ist da doch sehr vieles, was wir getan haben und noch tun. Die Projekte zur Eingliederung von Flüchtlingen, wie das Kochprojekt; das Kaffee Atempause mit seinem Kleiderstübchen; die Einkaufs-Hilfe, die für Zeiten der häuslichen Quarantäne organisiert wurde; der Lieferdienst der Tafel, tatkräftig unterstützt von lokalen Betrieben und der Feuerwehr; und es gibt noch mehr solche Beispiele.

Ich bin dankbar, dass all diese Dinge geschehen. Das sagt mir, dass unser Bemühen, dem Anderen das zu geben, was er braucht, doch auf einem guten Wege ist. Gott weiß, dass ich hier nicht perfekt bin; Er bzw. Sie hat mich schließlich gemacht. Und ich weiß, dass er oder Sie mir für meine Fehler auf diesem Weg bereits vergeben hat. Und das macht mich stark, das macht es mir möglich, meinen Weg weiterzugehen.

Ich wünsche uns allen Gottes Segen auf diesem Weg.

AMEN

 

Gebet:

Vater im Himmel!

Du hast uns ausgestattet mit Herz, Verstand und gutem Willen!

Hilf uns, dass wir erkennen, was dem Nächsten hilft in der jetzigen Krise!

Schenke uns den Willen, das dafür Nötige zu tun!

Und schenke uns ein festes Herz, dass wir dann auch wirklich bei der Sache bleiben und uns im Beten wie im Handeln tatsächlich als deine Kinder erweisen.

Hilf den Politikern zu weisen Entscheidungen!

Weise uns auf die hin, die in Not sind uns lass sie durch uns und andere Hilfe erfahren.

Das bitten wir Dich und manches mehr, was wir Dir jetzt noch in der Stille sagen können….

… Vater unser im Himmel …

 

 

 

Andacht zum Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020 von Pastor Dr. Joh. Schoon-Janßen:

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir lesen den Psalm 113 (Wochenpsalm zum Trinitatisfest):

 

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn,

lobet den Namen des Herrn!

    Gelobt sei der Name des Herrn

    von nun an bis in Ewigkeit!

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang

sei gelobet der Name des Herrn!

    Der Herr ist hoch über alle Völker;

    seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

Wer ist wie der Herr, unser Gott,

im Himmel und auf Erden?

    Der oben thront in der Höhe,

    der herniederschaut in die Tiefe,

der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

    dass er ihn setze neben die Fürsten,

    neben die Fürsten seines Volkes;

der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt,

dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.

Halleluja.

(alle): Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Zum Sonntag Trinitatis möchte ich mit Ihnen über den aktuellen Wochenspruch nachdenken.

Er steht ganz am Ende des 2. Korintherbrief, und zwar in Kapitel 13, Vers 13 und lautet folgendermaßen:

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus

  und die Liebe Gottes

  und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

  sei mit euch allen.“  (Amen.)

 

Liebe Gemeinde!

Wenn man in diesen Tagen Nachrichten-Sendungen im Fernsehen anschaut oder auch nur die Tageszeitung aufschlägt, geht es fast überall um eine gerechte Gesellschaft.

Dies ist das Thema hinter den Protesten in den USA, wo es um eine Gleichbehandlung aller Menschen geht – unabhängig von Hautfarbe, Weltanschauung oder Religion. Das ist auch das Thema, wenn die deutsche Regierung ein großes Corona-Hilfs-Programm schnürt. Immer geht es darum, dass möglichst keiner abgehängt werden sollte und allen ein Leben ermöglicht wird, das der Menschenwürde entspricht…

Um ein Leben frei von gegenseitiger Unterdrückung, geprägt von guter Gemeinschaft und erfüllt von der Liebe Gottes geht es in unseren heutigen Bibeltexten zum Sonntag Trinitatis!

Schon der Name dieses Sonntags weist uns massiv auf Gott hin und auf die verschiedenen Weisen, in denen er uns in unserm Denken und Handeln helfen und unterstützen kann:

Man nennt ihn ja auch Dreieinigkeits-Sonntag oder Dreifaltigkeits-Sonntag:

Die Dreieinigkeit weist uns darauf hin, dass wir nicht etwa drei Götter verehren, sondern nur einen Einzigen!

Dreifaltigkeit betont in diesem Zusammenhang, dass unser Gott drei Wirkweisen hat und man Gott sozusagen aus drei Blickwinkeln betrachten und erleben kann:

Nämlich als Vater im Himmel und Schöpfer der Welt,

als Sohn, der uns Gott nähergebracht hat, für unsere Sünden gestorben ist und inzwischen zu Gott als unser Anwalt in den Himmel zurückgekehrt ist,

sowie als Heiliger Geist, der uns von unserer Taufe her in unserem Leben immer wieder zu einem guten Miteinander inspiriert!

Im Schlusswort des zweiten Korintherbriefes grüßt der Apostel Paulus die Brief-Empfänger mit einem Segenswort im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Er verbindet diesen Segen im Namen des dreieinigen Gottes mit der Bitte an Gott um Gnade, Liebe und Gemeinschaft für die Menschen!

Genau diese drei Formen der Hinwendung Gottes zu uns Menschen können wir sehr, sehr gut gebrauchen:

Denn kein Mensch ist perfekt. Jeder und jede hat immer auch egoistische Anteile in sich.

Darum brauchen wir unbedingt die Gnade Gottes,

die er uns wegen seines Sohnes einfach so schenkt, denn sonst könnten wir unser Leben, so wie es ist, niemals rechtfertigen und das würde uns auf Dauer handlungsunfähig machen. Verantwortung für unser Leben und das Leben anderer Menschen können wir nur übernehmen, wenn wir wissen, dass uns unsere Fehler ggf. verziehen werden…

Und dann ist da die Liebe Gottes!

Sie gibt uns die Gewissheit, dass es richtig ist, sich immer wieder auch stark für andere einzusetzen, auch wenn manche uns darum für naiv halten.

Nur weil Gott uns liebt und wir das auch wissen, können wir selber viel Liebe auch an Leute weitergeben, die diese Liebe gerade sehr dringend brauchen – egal, ob sie uns sowieso sympathisch sind, oder eben auch nicht.

Und dann wünscht Paulus uns Mitchristen schließlich die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Da geht es nicht um Geheimbünde oder darum, dass wir uns von anderen in einer Art Wagenburg-Mentalität bewusst stark abgrenzen.

Sondern: Es geht um ein Leben mitten in dieser Welt, bei dem der Heilige Geist, der gute Geist Gottes, uns immer wieder hilfreiche Ideen eingibt, mit denen wir andere Menschen zu einander führen können statt dem häufig zu beobachtenden Gegeneinander tatenlos zuzusehen.

Und das hat dann auch wieder etwas mit Gerechtigkeit zu tun, nach der sich so Viele so sehr sehnen:

Wenn wir Christenmenschen immer wieder versuchen, andere Leute zum Gespräch und zum Miteinander zusammenzuführen, dann hat das etwas mit unserem Menschenbild zu tun.

Wir sehen den Menschen gemäß dem ersten Schöpfungsbericht als Ebenbild Gottes an, und zwar jeden Menschen!

Dass die Menschenwürde immer und überall absolut zu beachten ist, hängt damit zusammen, dass wir ein Werk Gottes sind:

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Mose 1,27).

Das heißt: Kein Mensch darf den andern unterdrücken. Alle sind vor Gott gleich viel wert!

Diesen Gedanken finden wir auch im heutigen Wochenpsalm, dem Psalm 113, wo die Gemeinde betet:

„Wer ist wie der Herr, unser Gott, …

  der den Geringen aufrichtet aus dem Staube

  und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

  dass er ihn setze neben die Fürsten,

  neben die Fürsten seines Volkes“ (Ps. 13,5a +7+8).

Der Apostel Paulus führt diesen Gedanken in seinem Brief an die Galater fort, wenn er in Kapitel 3, 26-28 formuliert:

„Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn Ihr alle, die Ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn Ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Wir sind als Christenmenschen aufgerufen, einander zu achten.

Und wenn die Würde eines Menschen in Frage gestellt wird, haben wir als Christenmenschen das Wort zu ergreifen und uns einzumischen.

Dazu gehört eine gute Portion Mut, und manchmal fällt es uns schwer, aber immerhin wissen wir dabei Gott auf unserer Seite – und das ist nicht wenig!

Auch in der Bewältigung der Corona-Krise ist es wichtig, dass die immer schon Benachteiligten nicht noch weiter ins Hintertreffen kommen,

sondern ihnen ganz besonders geholfen wird – durch politische Entscheidungen, aber auch durch großes persönliches Engagement, wie z.B. bei der Tafel oder im Cafe Atempause oder in der Arbeit unserer Diakoniestation.

Zu alledem schenke uns Gott seinen Segen, verbunden mit göttlicher Gnade, gegenseitiger Liebe und einer guten Gemeinschaft, immer wieder erneuert und frisch inspiriert vom Geist Gottes, der in uns wohnen und wirken möge!

Amen.

 

Gebet:

Vater im Himmel!

Du hast uns ausgestattet mit Herz, Verstand und gutem Willen!

Hilf uns, dass wir erkennen, was dem Nächsten hilft in der jetzigen Krise!

Schenke uns den Willen, das dafür Nötige zu tun!

Und schenke uns ein festes Herz, dass wir dann auch wirklich bei der Sache bleiben und uns im Beten wie im Handeln tatsächlich als deine Kinder erweisen.

Hilf den Politikern zu weisen Entscheidungen!

Weise uns auf die hin, die in Not sind uns lass sie durch uns und andere Hilfe erfahren.

Das bitten wir Dich und manches mehr, was wir Dir jetzt noch in der Stille sagen können….

… Vater unser im Himmel …

 

Segen:

Es segne und behüte Euch und uns alle der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


 

 

Andacht zu Pfingstmontag 2020

https://www.youtube.com/watch?v=1WGpmVIT-FQ

ORT: St. Stephanus  

Guido Busche, Lars Rüdiger Kahnwald, Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Michael Penkuhn-Wasserthal

Kamera: Max-Fabian Wolff-Jürgens

 

Glockengeläut!

Orgelmusik

Begrüßung:

Friede sei mit euch!

Herzlich Willkommen zum Ökumenischen Pfingstgottesdienst in Munster. Dieses Jahr nicht wie gewohnt unter freiem Himmel am Mühlenteich mit mehreren hundert Menschen, sondern in der Militärkirche St. Stephanus mit Kantor Penkuhn-Wasserthal, dem katholischen Pfarrer Guido Busche von St. Michael, mit dem Vorsteher der neuapostolischen Kirche in Munster Lars Rüdiger Kahnwald und mit Max-Fabian Wolff-Jürgens an der Kamera. Ich bin Meike Müller-Bilgenroth und leite in diesem Jahr den Ökumeneausschuss.

Die heilige Geistkraft wird ausgegossen! Der Tröster kommt, und zwar genau dorthin, wo Menschen zusammen sind, um zu feiern, um zu Gott zu beten, um sich an Jesus zu erinnern. Genau dort, wo sie zu Hause sind, an ihrem alltäglichen Ort. Da fließt der Trost!

Dem wollen wir nachgehen und dabei herausfinden, dass dadurch KIRCHE lebendig gestaltet wird.

 

Und so feiern wir auch diesen Gottesdienst

im Namen Gottes,

der uns wie ein Vater und wie eine Mutter liebt,

im Namen des Sohnes, Jesus Christus, dem Auferstandenen,

und im Namen des Heiligen Geistes, der uns aufrichtet und tröstet.

 Amen.

 

Lied: EG 130, 1+4+6 O Heilger Geist, kehr bei uns ein!

 

Psalm 118

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

 

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

 

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

 

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

 

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

 

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Lesung: Johannes 20, 19-23

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder,

da saßen sie, die Freundinnen und Freunde Jesu, seine Jüngerschar, durch dick und dünn waren sie mit ihm gegangen. Nun waren sie traurig zurückgeblieben, hatten auch Angst, was wohl kommen möge. Es war der Abend am Ostersonntag. Und was geschah? Der Auferstandene stand plötzlich persönlich vor ihnen mit seinem typischen Gruß: Friede sei mit euch! Seine Verletzungen waren deutlich zu sehen, in den Handflächen und an seiner Seite. Und da ahnten sie langsam, dass Jesus wirklich der FRIEDE war, der Christus, der Retter und Heiland, mit der Kraft, neues Leben hervorzubringen, so wie er es versprochen hatte. Es war die Wahrheit, wie sie es erhofft hatten: Christus konnte den Tod überwinden! Er war nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden!

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch. Sagte der Auferstandene zu ihnen. Und dann blies er sie an mit den Worten: Nehmt hin den Heiligen Geist! Mit einem Atemhauch gelangt er zu ihnen. Ganz direkt, persönlich, ja, körperlich spürbar. Er kam ihnen ganz nahe, um sie zu erreichen und auszustatten mit der Heiligen Geistkraft. So als ob Jesus auf Nummer SICHER gehen wollte: Seine Freund*innen sollten ausgerüstet werden mit Zuversicht, mit Kraft und Trost.

Wir wissen, was dann geschah: 40 Tage danach war die Himmelfahrt. Nun mussten sie endgültig von ihrem Freund Abschied nehmen. Christus musste zum Ursprung zurückkehren, von wo er gekommen war, um letztendlich überall sein zu können. Auch wenn das im ersten Moment ein schlimmer Abschied bedeutete. Und noch einmal versicherte sich der Auferstandene doppelt und dreifach, dass seine Anhängerschar getröstet zurückblieb. ER sagte ihnen die „Kraft aus der Höhe“ zu. Dazu sollten sie nach Hause gehen, nach Jerusalem.

10 Tage später war es dann soweit, in der Stadt wurde das jüdische Wochenfest gefeiert (50 Tage nach dem Passahfest folgte das Pfingstfest): Die Jünger*innen hatten sich zum Gebet versammelt und dann geschah es: Plötzlich ein Brausen vom Himmel wie ein gewaltiger Sturm, Zungen wie von Feuer, die über den Köpfen zu schweben schienen, sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und sie predigten in verschiedenen Sprachen. Es war umwälzend, nichts blieb, wie es war, alles erschien in neuem Licht, bekam Sinn, sie spürten eine unfassbar starke Energie, der sie sich nicht entziehen konnten.

 

Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern heute Pfingsten! Können wir etwas von diesem Pfingstgeist spüren?

Die heilige Geistkraft wird doch ausgegossen! Der Tröster kommt, und zwar genau dorthin, wo Menschen zusammen sind, um zu feiern, um zu Gott zu beten, um sich an Jesus zu erinnern. Genau dort, wo sie zu Hause sind, an ihrem alltäglichen Ort. Da fließt der Trost!

An Pfingsten erinnern wir uns daran, dass Gottes heiliger und tröstender Geist alle Grenzen von Raum und Zeit überwindet. Wir feiern, dass dieser Geist über Kontaktverbote, Abstände und Distanzen hinweg wirkt, dass der Tröster sich Bahn bricht und genau dort auf die Erde trifft, wo Menschen Kraft und Trost brauchen, wo sie gefordert sind und viel von ihnen erwartet wird. Dort, wo sie zu Hause sind, wo sie alltäglich ihre Kraft einsetzen, wo sie ihrer Arbeit nachgehen, ihren Alltag bewältigen, wo sie im täglichen Einerlei wie in einer Sackgasse feststecken, oder himmelhochjauchzend Freude erleben, wo sie aber auch Abschied nehmen und sich trennen müssen, wo sie trauern und leiden, wo sie oft hinnehmen müssen, was sie nicht ändern können, wo sie sich ärgern oder unverstanden fühlen.

Gottes Heilige Geistkraft kommt vom Himmel herab und sagt uns zu: Friede sei mit Euch! Ganz ohne Mundschutz, persönlich und direkt werden wir begleitet und getröstet, gestärkt und ermutigt, beruhigt, ermuntert und inspiriert. Und so werden wir selbst in die Welt gesandt.  Wir haben einen Auftrag! Wir werden aufgefordert den Heiligen Geist zu empfangen und in uns aufzunehmen. Das ist Geschenk und Aufgabe zugleich. Das bleibt nicht ohne Folgen, das strahlt aus, das bringt Licht ins Dunkel, lässt Menschen neuen Mut fassen und gibt ihnen die Kraft, ihre eigenen Gaben zu entdecken und einzubringen. Dadurch entsteht eine lebendige Kirche, die unabhängig von Gebäuden Gestalt annimmt. Eine sichtbare Kirche durch Menschen, die von Liebe erfüllt sind und Gutes tun, die mit Sinn und Verstand helfen und sich einsetzen, die beten und sich in aller Freiheit beteiligen. Die inspiriert sind von dem Geist, der Pfingsten herabkam auf uns und der sich immer weiter ausbreitet.

Amen. 

 

Komm, heiliger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft- das Lied wollen wir nun singen!

 

Lied: Komm heil‘ger Geist mit deiner Kraft (Soldatengesangbuch LebenshYthmen, Nr. 97)

Fürbitten-Gebet:

Lars: Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die es gerade sehr schwer haben, die zweifeln und klagen, die die Welt nicht mehr verstehen. Dass sie Verständnis aufbringen für das, was um sie herum geschieht und erkennen, was ihre eigene Aufgabe ist.

Guido: Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die täglich herausgefordert sind, um ihre Existenz zu sichern. Dass sie die nötige Unterstützung finden und mit neuer Energie in die Zukunft schauen.

Lars: Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die an den Außengrenzen Einlass begehren, um ein menschenwürdiges Leben zu beginnen. Dass die Einflussreichen ihre Macht einsetzen, um ein friedliches Miteinander zu erreichen.

Guido: Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die Verantwortung tragen in der Wirtschaft. Dass sie sich für den Klimaschutz einsetzen und langfristige Folgen in den Blick nehmen.

Lars: Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die ihre Gaben längst entdeckt haben und einbringen. Dass sie neu inspiriert werden und weiter mit Freude und Ausdauer in einer lebendigen Kirche mitwirken.

Guido: Alles, was uns sonst noch  auf dem Herzen liegt, sagen wir Dir in einem kurzen Moment der Stille
STILLE

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft. Amen.

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel…

 

Segen: (Meike)

Gott segne dich und behüte dich, Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Orgelmusik zum Ausgang

 

Gedanken zum Pfingstsonntag von Pn. Müller-Bilgenroth

 

Apostelgeschichte 2, 1-4

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Amen

 

*Gedanken zum tröstenden Geist Gottes

Liebe Damen und Herren,

letzte Woche haben wir Himmelfahrt gefeiert: Jesus muss nun endgültig die Erde verlassen, um zurück zu Gott zu gehen, zurück zum Ursprung. Er muss Abschied nehmen. Dafür hatte Jesus als Auferstandener seinen Freund*innen noch einmal alles genau hinter die Ohren und ins Herz geschrieben, er sicherte sich mit Netz und doppeltem Boden ab, dass seine Angehörigen getröstet zurückbleiben.

Er verheißt ihnen zu guter Letzt noch das Allerbeste, das Allerwichtigste, das Zentralste: Er verheißt ihnen die „Kraft aus der Höhe“! Und zwar genau dort, wo sie leben, wo sie Zuhause sind, in ihrem Wohnort, mitten in ihrem Alltag! Für Jesu Anhänger ist das Jerusalem, bei uns ist es Munster, hier in Ihrem Haus! Jesu Anhängerschar wird mit Kraft aus der Höhe angezogen, ausgestattet, ja ausgerüstet werden. Der auferstandene Christus versichert es noch einmal: Ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat, nämlich die himmlische Geistkraft: Sie wird euch wie eine schützende Hülle umgeben und Euch für alles stärken, was auf Euch zukommt, ohne dass ich in vertrauter Weise bei euch sein kann. Sie wird euch trösten, wenn Ihr mich vermisst. Auch wenn ich von Euch scheide, nicht mehr sichtbar bei euch bin, so wird die göttliche Kraft mit Euch sein. Und das wird den Schmerz lindern, wird den Abschiedsschmerz erträglich machen.   

An Himmelfahrt segnete Jesus seine Freund*innen zum letzten Mal und fuhr von dannen. Und seine Angehörigen kehrten sogar mit FREUDE nach Hause zurück. Sie wussten ja nun, dass sie das Beste erwarten durften.

Und 10 Tage später war es dann soweit, in der Stadt wurde das jüdische Wochenfest gefeiert (50 Tage nach dem Passahfest folgte das Pfingstfest): Die Jünger*innen hatten sich zum Gebet versammelt und dann geschah es: Plötzlich ein Brausen vom Himmel wie ein gewaltiger Sturm, Zungen wie von Feuer, die über den Köpfen zu schweben schienen, sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und sie predigten in verschiedenen Sprachen. Es war umwälzend, nichts blieb, wie es war, alles erschien in neuem Licht, bekam Sinn, es war eine unfassbar starke Energie spürbar, der konnte sich keiner entziehen.

Pfingsten wurde der Heilige Geist ausgegossen! Und jedes Jahr an unserem Pfingstfest erinnern wir uns daran: Die göttliche Kraft, die alle Grenzen von Raum und Zeit überwindet, kommt vom Himmel auf die Erde, bricht sich Bahn, lässt sich zu uns herab. Wir sind ihr nicht zu schade, weil wir ihr wichtig sind! Die heilige Geistkraft tröstet, ermuntert und hilft. Sie wird zur Fürsprecherin für die eigenen Anliegen, für meine Bedürfnisse, für meine Freude und meine Trauer. Für meine Zweifel und meine Fragen. Sie ist immer ansprechbar für das, was ich auf dem Herzen habe.

Durch den Heiligen Geist ist Gott, ist Jesus, immer bei uns, werden wir begleitet und getröstet. Sie ist die Kraft, die verbindet und Leben schafft, die Leben einhaucht und Distanzen überwindet. Sie war in den letzten Wochen und Monaten besonders nötig, wo wir Alle Abstand halten mussten, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Die Heilige Geistkraft wird auch weiter nötig sein. Wir müssen auch in Zukunft aufpassen und mit Sinn und Verstand unser gemeinsames Leben so gestalten, dass wir niemanden gefährden. Aber natürlich brauchen wir gerade deswegen die Zusage, dass da eine starke Kraft ist, die über die Distanz hinweg wirkt, in uns einströmt und uns innerlich aufrichtet und uns wieder fröhlich macht, wenn wir traurig sind oder durchhängen, die uns beruhigt, wenn wir überfordert oder wütend sind. Wir brauchen diese tröstende Geistkraft, um mit den Herausforderungen fertig zu werden, denen wir uns stellen müssen.

Fürbittengebet:

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die es gerade sehr schwer haben, die zweifeln und klagen, die die Welt nicht mehr verstehen. Dass sie Verständnis aufbringen für das, was um sie herum geschieht und erkennen, was ihre eigene Aufgabe ist.

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die täglich herausgefordert sind, um ihre Existenz zu sichern. Dass sie die nötige Unterstützung finden und mit neuer Energie in die Zukunft schauen.

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die an den Außengrenzen Einlass begehren, um ein menschenwürdiges Leben zu beginnen. Dass die Einflussreichen ihre Macht einsetzen, um ein friedliches Miteinander zu erreichen.

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die Verantwortung tragen in der Wirtschaft. Dass sie sich für den Klimaschutz einsetzen und langfristige Folgen in den Blick nehmen.

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft zu denen, die ihre Gaben längst entdeckt haben und einbringen. Dass sie neu inspiriert werden und weiter mit Freude und Ausdauer in einer lebendigen Kirche mitwirken.

Alles, was uns sonst noch auf dem Herzen liegt, sagen wir Dir in einem kurzen Moment der Stille….

Komm, heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft. Amen.

Vater unser im Himmel…

Segen:

Gott segne dich und behüte dich, Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.


 

 

Gottesdienst als Video bitte hier klicken.

 

Liebe Leserinnen und Leser!

An diesem Sonntag zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten geht es um zwei Dinge: um Gebet und um Aufbruch.

Dem Thema „Gebet“ hat dieser Sonntag auch seinen Namen zu verdanken. „Exaudi!“   Das lateinische Wort audi heißt „Höre!“

Das Wort exaudi verstärkt diesen Wunsch noch: „Höre doch bitte!“

Diese Zeile stammt aus Psalm 27 und steht dort in Vers 7:

Die Verse 1 + 7 lauten:

„Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

… Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“

   Diesen Wunsch haben auch Viele von uns in diesen Wochen und Monaten:

   Dass Gott ein Einsehen haben und uns gut durch diese Zeit bringen möge!

         So geht es hier wie schon letzten Sonntag sehr stark ums Beten;

aber es geht zugleich auch um einen Aufbruch,

um einen Aufbruch, der sich aus der Kraft entwickelt,

die so mancher aus dem Beten für sich und seine Mitmenschen ziehen kann.

Vom Aufbruch hören wir auch in einigen der Verse des Evangeliums für diesen Sonntag etwas.

 

So lesen wir im Johannes-Evangelium in Kp. 16 u. a. folgende Verse:

Jesus sprach zu seinen Jüngern:

„Jetzt geh ich hin zu dem, der mich gesandt hat.

Ich sage euch die Wahrheit:

Es ist gut für euch, dass ich weggehe.

Denn wenn ich nicht weggehe,

kommt der Tröster nicht zu euch.

Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.

… Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,

 wird er euch in aller Wahrheit leiten.

… Was er hören wird, das wird er reden

und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen…“  (Amen.)

 

Bei der Himmelfahrt haben die Jünger Abschied genommen von Jesus, wie sie ihn alle gekannt haben.

Nun schicken Gott, Vater und Sohn etwas Neues vom Himmel,

das in die Zukunft weisen wird und allen die Erkenntnis der Wahrheit bringen soll.  Diesen neuen Wegen sollen die Jünger und Jüngerinnen vertrauen.

Wir singen das Lied EG 395,1-3 („Vertraut den neuen Wegen…“)

 

Lied: EG 395,1-3

Liebe Leser und Leserinnen!

Vertraut den neuen Wegen…

Das ist leichter gesagt, als getan:

Da brauchen wir fast überall einen Mund-Nasen-Schutz.

Da müssen wir sehr sorgfältig Abstand halten.

Da dürfen wir einander nicht berühren, weder beim Begrüßen

noch beim Tschüss-Sagen.

Und zugleich geht´s in den Schulen wieder los,

in fast allen Läden,

in den Automobil-Werken,

beim Friseur,

in den Banken und Sparkassen

und seit Kurzem auch in den Kirchen, allerdings ohne Singen, ohne Hände-Auflegen zum Segnen, ohne Chöre, ohne Abendmahl;

aber mit Musik, mit Ansprachen, mit Gebeten

und mit dem Gefühl, mit seinem Glauben nicht allein auf der Welt zu sein,

sondern sich endlich als Gemeinde mit anderen Christenmenschen

auch wieder zum Gottesdienst versammeln zu können…

… Alle müssen nun neue Wege ausprobieren:

Die Schülerinnen und die Lehrer,

die Frisöre und ihre Kundinnen,

die Restaurant-Betreiberinnen und ihre hungrigen Besucher,

die Diakoninnen und ihre Konfis, wenn es auch da bald wieder

losgeht…

Das ist mühsam, aber man lernt tatsächlich ja auch fast täglich etwas dazu,

und sei es, wie man ein Pastorenfrühstück als Video-Konferenz abhält,

nur dass jeder nun für das eigene Frühstück am Computer selber sorgen

muss.

Die Corona-Krise ist belastend für fast alle Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Und die Welt wird auch nach der Krise nicht mehr wieder dieselbe werden, die sie gewesen ist.

Das ist an ganz vielen Stellen schade, aber an manchen Stellen wird es dadurch auch Verbesserungen geben, und sei es,

dass weniger Dienstreisen kreuz und quer durch die Welt nötig sein werden, weil man gelernt hat, auch anders gut miteinander Sach-Themen besprechen zu können.

Fassen wir Mut! Geben wir dem Heiligen Geist in dieser Welt eine Chance! Wagen wir den Aufbruch in eine andere Zeit!

Im Beruflichen, im Wirtschaftlichen und natürlich auch bei der Kirche!

Möge Gott uns dabei helfen und behüten! Amen.    

 

 

Lasst uns beten!

Herr, unser Gott,

hilf uns in diesen komplizierten Tagen und Wochen,

den Überblick zu behalten,

diszipliniert zu bleiben und

zugleich mit Zuversicht in die Zukunft zu starten!

Lass uns weiterhin die Kontakte zu den Menschen halten und vielleicht noch ausbauen,

die uns immer schon wichtig waren oder uns in der Krise wichtig geworden sind, vor allen auch zu solchen, die uns einsam vorkommen.

Erneuere unsern Glauben täglich neu

und gib uns Schwung für die Aufgaben und Erfahrungen,

die nun vor uns liegen.

Lass uns immer wieder deine hilfreiche Gegenwart spüren!

Sei bei denen, die unter Quarantäne stehen

oder in Krankenhäusern sind

als Patienten oder als medizinisches Personal.

Gib auch ihnen Kraft, warme Gedanken und ein gutes

Durchhaltevermögen!

Das alles bitten wir dich

und noch manches mehr, was wir dir, Gott, jetzt auch noch in der Stille sagen können…

   … gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name;

dein Reich komme;

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute;

Und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

So segne und behüte euch der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

Amen.

 

 

Zur Ansicht hier klicken: https://www.youtube.com/watch?v=i7zhS7XKaIA

 

Video-Andacht am 17.  Mai 2020, Schafstallkirche St. Martin

Rogate- Betet! Pastorin Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Erika König,

Gesang: Vanessa Huss

Lesung: Christa Herrmann

 

Glocken

Musik zum Eingang

Begrüßung: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Herzlich Willkommen zur Andacht am 5. Sonntag nach Ostern. Heute geht es ums Beten!

Und wir werden das Gebet aller Gebete näher betrachten: Das Vaterunser! Das steht in der Bibel bei Matthäus und wird uns von Jesus an die Hand gegeben und ins Herz geschrieben.

Mit diesen sieben Bitten ist alles gesagt.

Wir feiern diese Andacht im Namen Gottes,

der uns wie ein Vater und wie eine Mutter liebt,

im Namen von Jesus, dem Christus, dem Auferstandenen, der den Tod besiegt hat,

und im Namen des Heiligen Geistes, der uns tröstet und befreit. Amen.

 

Lied: EG 162 Gott Lob, der Sonntag kommt herbei

Lesung des Evangeliums: Matthäus 6, 5-15, (Christa)

Perikopenbuch S. 286

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Amen.

Lied: Unser Vater, Strophe 1+2 mit Refrain

Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst, der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist. Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehn, auf der Erde, im Himmel sollen alle es sehn.

Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen. Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten. Amen.

Predigt zum Evangelium, 1. Teil

Liebe Schwestern und Brüder, wenn ich dieses Lied höre, dann komme ich gleich in Mardorf-Stimmung: Das ist der Ort an dem wir seit 12 Jahren unsere große Konfirmandenfahrt durchführen. In der schönen Jugendherberge am Steinhuder Meer. Da erklingt abends bei unseren Andachten und beim Abendmahlsgottesdienst unter freiem Himmel oft dieses Lied: Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst, … und 100 junge Menschen, KonfirmandInnen und TeamerInnen stimmen in den Gesang mit ein, der ja eigentlich ein Gebet ist.

In dem neuen Kirchenlied von Christoph Zehendner und Hans-Werner Scharnowski wird das Vaterunser auf neue Weise gebetet. Jesus fasst ja im Vaterunser wie in einem Brühwürfel alles zusammen, was wichtig ist.

Und zuerst wird das Verhältnis klar gemacht: Da betet jemand wie ein Kind zum Vater, zur Mutter, zur Schöpferkraft, die immer ansprechbar ist, die sich trotz all ihrer Größe (trotz heiligem Namen) nicht verschließt, sondern erreichbar bleibt. Sie hört! Sie hört das Gebet, den Dank, die Bitte, auch die Klage und das Lob. Nicht so, wie wir es uns auf menschliche Weise vorstellen. Nicht mit Ohren wie wir sie als Menschen haben, sondern auf verborgene, unfassbare und unerklärliche Weise. Das ist schwer zu begreifen und bleibt ein Mysterium. Mir fallen dann auch gleich all die kritischen Äußerungen zum Beten ein: Du machst Dir da was vor, Du führst eigentlich ein Selbstgespräch, du befindest dich in einer Art Einbahnstraße, das ist doch alles Autosuggestion.

Auch Jesus hat sich kritisch mit dem Beten auseinandergesetzt. Er hält eindeutig fest, dass wir „nicht plappern sollen wie die Heiden“. Es geht nicht um viele Worte, nicht um eine Selbstdarstellung, sondern um eine innere Haltung, um die Ausrichtung auf Gott. Und die ist am besten im stillen Kämmerlein einzuüben, dort, wo du geschützt bist. Wenn du zur Ruhe kommst und dich einschwingst auf den Lebensgrund, auf die Kraftquelle, die dich speist, dann nimmst Du Kontakt auf zu Gott. Dann bist du offen für Gottes Wirken, erkennst Gottes Willen an (bekommst jedenfalls im Ansatz eine Ahnung davon, dass Gott etwas gewollt hat, etwas vorhat) und begibst dich in das Spannungsfeld von Himmel und Erde.

Lied: Unser Vater, Strophe 3+4 mit Refrain

Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heut unser Brot, und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot. Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst. Lass uns treu zu dir stehen, so wie du immer liebst.

Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen....

Predigt zum Evangelium, 2. Teil

Unser tägliches Brot gib uns heute- Jesus geht selbstverständlich davon aus, dass Gott schon vorher weiß, was du brauchst, bevor du ihn bittest. Aber sich mal die eigenen Bedürfnisse klar zu machen, sich bewusst zu machen, was ich brauche, ist in jeder Beziehung wichtig. Auch in der Beziehung zu Gott. Was ist mein tägliches Brot? Neben Essen und Trinken. Eine sinnvolle Beschäftigung, eine menschenwürdige Unterkunft, Mitmenschen, die mein Leben teilen. Für Viele gehören auch Tiere dazu, Musik, Kunst und Theater. Natur und Kultur! Wir brauchen all das, um satt zu werden an Leib und Seele.

Jesus wusste schon, dass das alles nicht so einfach ist mit den Menschen und ihren Bedürfnissen. Er hatte es am eigenen Leib erfahren, dass die Menschen oft wie abgeschnitten lebten von der Quelle, die doch eigentlich immer fließt und Fülle schenkt. Jesus hat erfahren, was Menschsein bedeutet: Nämlich schuldig zu werden. Es ist unmöglich, völlig unschuldig durchs Leben zu gehen. Wir sind auf Vergebung angewiesen. Denn immer da, wo ein Mensch leben möchte und Raum einnimmt, wirkt sich das auf seine Umwelt aus. Positiv und negativ. Wir können viel Gutes bewirken, aber geraten auch in Schuldzusammenhänge, aus denen wir uns nicht selbst befreien können. Wir brauchen die Vergebung. Wie wohltuend und befreiend ist es, wenn alle Schuld erlassen wird.

Lied: Unser Vater, Strophe 5+6 mit Refrain

Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort, mach uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.

Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf. Bist ein herrlicher Herrscher, und dein Reich hört nie auf.

Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen....

Abschluss der Predigt, 3. Teil

Jesus wusste auch, wie sehr der Mensch sich verführen lässt und dann sehr schnell vom Weg abkommt, der zum Ziel führt. Das ist nicht immer die dramatisch schiefe Bahn. Aber es beginnt in dem Moment, wo ich die Ausrichtung auf Gott verliere. Wo ich mich ablenken lasse und falschen Versprechungen Glauben schenke. Das kann ganz böse enden. Es gibt genug Beispiele in unserer eigenen Umgebung von dieser bösen Fratze der Gewalt, der Erniedrigung, der Macht, der Sucht. Wie erlösend ist es, wenn Menschen daraus befreit werden können, manchmal aus eigener Kraft, oft durch stärkende Begleitung und Beratung.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus hat in das Vaterunser alles hineingelegt, was ihm für das Beten zu Gott wichtig war. In aller Kürze umfassen die sieben Bitten und der Schluss das, worauf es Jesus ankommt.

Jedesmal, wenn du es betest, gerät eine Dynamik in Gang, die Himmel und Erde verbindet; so wie wir es in Mardorf auf der Konferfahrt oft gespürt haben. Das klingt auch im stillen Kämmerlein nach und hat eine Wirkung, denn sie hört dich!

Amen.

Musik zum Nachklingen ohne Gesang („Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen—da berühren sich Himmel und Erde“ als Melodie?)

 

 

Fürbitten:

Meike: Wir wollen Fürbitte halten und jede Bitte abschließen mit dem Liedvers (EG 562)

Christa: Himmlischer Vater, du erhörst unser Gebet auch ohne große Worte. Wir wollen dir danken für glückliche Momente, für wohltuende Begegnungen, für gelungene Versöhnungen.

Wir rufen zu dir: Vater unser im Himmel, dir gehört unser Leben, wir loben dich.

Meike: Liebevolle Mutter, du bist für uns da! Wir bitten dich für alle, die ihr tägliches Brot nicht bekommen, die ums Überleben kämpfen und an Leib und Seele leiden. Stärke alle, die mithelfen, Not zu lindern. Lass diejenigen an Einfluss gewinnen, deren Herz für Frieden und Gerechtigkeit schlägt.

Wir rufen zu dir: Vater unser im Himmel, dir gehört unser Leben, wir loben dich.

Christa: Wir bitten dich, lass uns alle vernünftig sein und wachsam mit den Lockerungen umgehen, damit der Virus sich nicht weiter ausbreitet.

Wir rufen zu dir: Vater unser im Himmel, dir gehört unser Leben, wir loben dich.

Meike: Wir sagen dir in einem Moment der Stille, was uns bewegt: STILLE

Gemeinsam beten wir noch einmal die sieben Bitten, wie sie uns Jesus ans Herz gelegt hat:

Vaterunser

Segen

Musik zum Ausgang


 

 

Evangelium: Lukas 19, 37-40

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Auslegung von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth:

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Sonntag heute heißt KANTATE- SINGT! Das können Sie zu Hause oder draußen unbeschwert tun. Nur im Gottesdienst ist es gerade nicht erlaubt. Trotzdem können uns die Corona-Regeln nicht davon abhalten, Gott zu loben und uns zu Gott zu bekennen!

Im Evangelium versuchen die studierten Schriftgelehrten, Jesus zu mobilisieren, seine Anhängerschar mundtot zu machen. Sie wollen nicht, dass sie laute Lobgesänge anstimmen und Jesus als den Messias bekennen: Gelobt sei der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Nicht direkt stauchen sie die JüngerInnen zusammen. Sie appellieren an deren Lehrer: Tadele sie, weise sie zurecht! Aber Jesus, der auf seinem Eselsfüllen schon fast weggeritten war, hört das noch und zischt zurück: Ich sage euch, wenn diese schweigen werden, werden die Steine schreien. Jesus greift ein altes Wort vom Propheten Habakuk auf, der den Mächtigen, den Unterdrückern seiner Zeit ins Gewissen redet: Habakuk beklagt so viel Unrecht und prangert Missstände an, dass die Steine in der Mauer schreien und die Sparren am Gebälk antworten werden. Klare, bildreiche Worte, die eine Wirkung erzielen. Dieser sozialkritischen Worte bedient sich Jesus, gerade noch so im Weggehen: Wenn meine Anhängerschar, meine vertrauten FreundInnen, schweigen werden, werden die Steine schreien! Was heißt das? Ihr lieben Schriftgelehrten: Ihr seid machtlos, die, die mich erkannt und bekannt haben, werden davon erzählen, so oft und wo sie nur können, mit frohem, lautem Gesang. Dagegen habt Ihr keine Chance, Ihr Rechtgläubigen, die Ihr meint, die RICHTIGE Lehre zu vertreten. Aber ich muss euch

 

enttäuschen: die frohe Botschaft könnt Ihr nicht im Keime ersticken. Dass ICH der Messias bin, so Jesus, werden die Menschen lauthals verkündigen und weitersagen, andere damit anstecken, so dass sich diese Botschaft immer weiterverbreitet. Wie haben die Pharisäer wohl darauf reagiert? Sie schmieden ihre Pläne, um nicht nur den Freundeskreis um Jesus mundtot zu machen, sondern Jesus selbst. Kurze Zeit später wird Jesus verraten, verurteilt und am Kreuz hingerichtet.

Und wir heute, liebe Gemeinde, vier Wochen nach Ostern? Der Stein war weggewälzt, am Ostermorgen. Wir haben Grund zur Freude, zum Jubeln und zum Loben. Wir preisen den Auferstandenen! Wir freuen uns über das Wunder des Lebens, das durch den Tod hindurch aufgebrochen ist. So wie es uns die Natur in diesen Maitagen vor Augen führt: Neues Leben bricht sich Bahn! Wahnsinn, unfassbar schön!

In den letzten Wochen der Corona-Krise haben manchmal Steine gesprochen, manche haben fast geschrien, so bunt waren sie, eindrücklich beschriftet und bemalt. Über facebook wurde zu einer kreativen Aktion aufgerufen und viele Menschen sind dem gefolgt. Ich habe mehrere im Oertzetal gefunden, mit einem Regenbogen, mit Gesichtern und Blumen, guten Wünschen und der Mahnung: Bleib zuhause! In ein paar Tagen werden auch am Gemeindezentrum St. Martin am Eingang bunte Steine liegen, die Hoffnung machen und Trost spenden. Jutta Sell von der Diakoniestation wird eine Malaktion starten. Wer Lust hat, kann ebenfalls einen Stein bemalen, mit Namen versehen und dazulegen, um auszudrücken, dass sie an die Menschen denken, die sich gerade nicht treffen können.  

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Stimme zu erheben, um das Leben zu loben, um Gottes Schöpferkraft hervorzuheben. Es können bunte Steine sein, aber auch unser Gebet und unsere Gesänge, die wir draußen in der Natur, oder zu Hause laut erklingen lassen können. Und zum Glück tragen wir viele Lieder in uns, die auch ohne stimmlichen Gesang in uns klingen und schwingen, die uns trösten und ermutigen, die uns Antrieb geben, gerade auch in diesen unwirklichen und herausfordernden Zeiten.

Amen.

 

 

So segne und behüte uns alle der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

Amen.

 

Ihnen und Euch allen eine gesegnete Woche!

 


 

 

Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern, 3. Mai 2020

in der Schafstallkirche

Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!

Pastorin Müller-Bilgenroth

 

https://www.youtube.com/watch?v=ZmyYmXPscVs

 

Glockengeläut!

Orgelmusik

Begrüßung

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Herzlich Willkommen in der Schafstallkirche St. Martin in Munster. Altes und Gewohntes vergeht, Neues wird bestimmt.
Tja, dazu gehört auch, dass wir seit dieser Woche eine Maske tragen müssen! – Leider behindert sie das Sprechen, deswegen nehme ich sie ab. Liebe Schwestern und Brüder,
am 3. Sonntag nach Ostern heißt der Sonntag JUBILATE- Jauchzet, frohlocket! Eigentlich werden heute Konfirmationen gefeiert. Auch in unserer Gemeinde. Wir wären nächsten Sonntag dran gewesen.
Wir mussten unsere Konfirmation verschieben, auf den Herbst. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden werden aber heute trotzdem mit einbezogen. Wir werden später von ihnen hören.
Auch wenn vielen nicht zum Feiern zu mute ist, wollen wir es in dieser Andacht tun im Namen Gottes, der uns wie ein Vater und wie eine Mutter liebt, im Namen des Sohnes, Jesus Christus, der auferstanden ist  und
im Namen des Heiligen Geistes, der alles neu macht. Amen.
Ich danke für die Musik von Kantor Daniel Heinrich und Magdalena Jorgas, Kora Bergunde für die Lesung, Hannah Bilgenroth für das Mitwirken bei der Ansprache und Max-Fabian Wolff-Jürgens für die technische Umsetzung dieser Andacht. 
Ich bin Meike Müller-Bilgenroth und lade alle ein, mit zu singen: Aus dem Gesangbuch Nummer 455 Morgenlicht leuchtet.
 
Lied: EG 455 Morgenlicht leuchtet (ganz) (Daniel)
 

Lesung:

Wir hören das Evangelium für diesen Sonntag. Es steht bei Johannes im 15. Kapitel:
 
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
 

Auslegung:

Woche für Woche haben wir diesen Satz von Jesus gebetet:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Jeden Donnerstag um 16 Uhr haben wir unseren Konfirmandenunterricht damit begonnen.
Jesus spricht in Bildern und sagt in sieben Ich-Bin-Worten, wer er ist: In seiner Abschiedsrede vergleicht er sich mit einem Weinstock. Seine Angehörigen seien wie eine Rebe, die von ihm abhängt. Ich habe hier die Konfirmandengruppe einmal als Rebe an das Kreuz gehängt. So als ob Christus der Weinstock ist und die Konfis als große, saftige Früchte von ihm herabhängen. Sie hängen von ihm ab, sie bilden eine Rebe, die mit ihm verbunden ist, mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen, mit Gott.
Es besteht also eine Abhängigkeit, die erstmal Widerstand auslösen kann. Ich möchte doch lieber unabhängig sein, selbst bestimmen, wo es lang geht, mich befreien von Zwängen und aus der Enge. Und das wollen die 13-15 Jährigen erst recht. Sie wünschen sich Freiheit, vor allem von Leistungsdruck und hohen Erwartungen.
Wir haben im Februar im Zusammenhang mit dem Vorstellungsgottesdienst darüber gesprochen, was sie bewegt.
 
Ich lese die Gedanken dazu von drei Konfirmanden vor, sie sind im Schema eines Elfchens festgehalten, also immer in elf Worten:
Autoritäten
System            Ego(tod)
Freiheit           Opposition                  Regierung
Menschlichkeit           Revolution                  Politik             Funktionieren
Erleuchtung
 
Schulfrei
Essen          müde
Zocken       schlafen               Sturm
Langeweile     PC       zu hohe Steuern          Spaß
Nutzlosigkeit
 
Glück
Züge           Essen
Zocken       Schule      Klimawandel
Sport          Freunde       Frieden       Krieg
Schlafen
 
Inzwischen ist durch die vergangenen Wochen vieles anders geworden. Der Schulstress wurde von jetzt auf gleich auf null gefahren, weil die Schulen geschlossen wurden. Geschlafen haben viele von uns mehr als sonst, wenn sie nicht gerade in Schlüsselberufen tätig sein mussten. Die Virus-Pandemie macht es erforderlich, Neues zu erdenken und flexibel zu reagieren. Nichts ist planbar. Unsere Veranstaltungen, die Menschen zusammenführen und die von der Begegnung und dem direkten Kontakt leben, müssen ausfallen. Die Kitas und Schulen werden erst langsam wieder geöffnet. Vieles muss neu überlegt, strukturiert und organisiert werden.
Ihr Konfis müsst euch auch an viel Neues gewöhnen. Ihr dürft noch nicht wieder in die Schule, sondern müsst eure Aufgaben zu Hause erledigen und Euren Lehrerinnen und Lehrern zurückschicken. Ich habe Euch im Hinblick auf unseren Bibelspruch von Jesus als Weinstock gefragt, wovon oder von wem Ihr abhängt, wer oder was Euch Kraft gibt und Euch hilft, euch voll zu entfalten und welche Beziehung Euch wichtig ist. Es kamen einige Rückmeldungen von Euch.
Hannah:
Was mir hilft, mich voll zu entfalten und welche Beziehung mir wichtig ist. Antwort von den Konfirmanden im Elfchen-Schema:
 
Familie
Freunde      Tanzen
Musik         Angeln     meine Playstation 4
Liebe          Träume     Freiraum        Glück
Ehrlichkeit
 
Internet
Kommunikation          lustig
Kontakt      trotz         Corona
Ich              mag          lustige memes
Verbindung
 
Man merkt, wie stark die Welt des Internets bei einigen Jugendlichen durchschlägt, besonders durch den Zwang zum Abstandhalten. Es ist aber auch auffällig, wie wichtig die Familie ist und die Bewegung, eine sinnvolle Beschäftigung und Freunde. Jedenfalls bei manchen von ihnen.
Als Menschen leben wir immer in Beziehung! Wir brauchen den Kontakt und die Ansprache, sonst verwelken wir und gehen ein. Der Wunsch nach Freiheit und Entfaltung muss dem ja nicht entgegenstehen. Wer in glücklichen Bindungen lebt, der fühlt sich trotzdem frei und kann seine Potenziale und Gaben voll zur Geltung bringen und entfalten.
Das gilt auch für die Bindung zu Gott. Je mehr wir mit der lebendigen Geistkraft Gottes verbunden sind, desto mehr können wir Frucht bringen, uns also entfalten und zu einer glücklichen Person werden voller Tatkraft und Freude.
Wenn Christus sich als Weinstock und uns als Reben bezeichnet, die von ihm abhängen, heißt das doch nicht, dass wir untätig und passiv abhängen sollen, sondern dass wir fest verbunden sind mit Gott. Und das ist eine lebendige Verbindung, zu der die Jugendlichen bei ihrer Konfirmation JA sagen. Sie stimmen ihr zu, lassen sich auf sie ein. Im Verlauf des Lebens wird die Beziehung dann gestaltet und gepflegt, sie erlebt Höhen und Tiefen und ist mal intensiver, mal abgekühlter.
DASS die Bindung da ist, daran erinnert der heutige Sonntag. Und deswegen heißt er auch JUBILATE- Jauchzet, frohlocket! Es ist ein Grund zum Jubeln, dass wir nicht herausfallen können aus der liebevollen Bindung zu Gott, und dass sie frei macht, uns reifen lässt und zur vollen Entfaltung bringt.
Amen.
 
Lied: EG 432 Gott gab uns Atem, damit wir leben (ganz)
Gebet:
Meike:
In dir bleiben,
Christus.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Hannah:
Du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.
Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.
Kora:
Du bist der Friede.
Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und
die Lügner.
Ihr Gift sei wirkungslos,
weil du ihre Opfer heilst.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.
Hannah:
Du bist die Liebe.
Du machst alles neu.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus
und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.
Kora:
Du Liebe,
sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde
und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Meike:
Du bist der Weinstock. Von dir hängen wir ab.
Wir vertrauen dir in einem Moment der Stille, was uns bewegt:
STILLE
Wir beten mit Worten, die Jesus Christus uns beigebracht hat: Vater unser im Himmel…Amen.
Segen:
Gott segne dich und behüte dich, Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.
 
Orgelmusik zum Ausgang

 

 

Impuls zum Sonntag Misericordias Domini – der gute Hirte:

 

I.

 

Manchmal sind wir ja so richtig auf 180.

Jeder von uns kennt das Gefühl. Wir sind mit jemanden so richtig heftig im Streit oder er provoziert uns einfach bis zum Geht-Nicht-Mehr.

Und wir?

Wir könnten vor Wut platzen und wir wehren uns!

Manch einer ballt sogar die Faust und würde am liebsten diese Faust auch nutzen.

Gott sei Dank verbietet es uns der Anstand, dass wir draufloshauen. Meist zumindest.

 

Aber oft reagieren wir – und ich mache das nicht unbedingt viel anders – mit heftigen und bösen Worten. Wir sind so von der Wut gepackt und lassen es einfach raus – egal wie verletzend wir dann sind.

Irgendwas müssen wir doch tun?

Wenn uns jemand ungerechter Weise beschimpft und fertig macht, dann müssen wir uns doch wehren!

 

Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt.

 

Wir müssen uns doch wehren?

 

Der Predigttext sagt ganz klar: Nein!

 

Und das Krasse an diesem Predigttext ist, dass er sich an eine bestimmte Gruppe von Christen richtet. Eine Gruppe, die wir in Deutschland heute glücklicherweise nicht mehr im Blick haben müssen, weil es sie bei uns zumindest nicht mehr gibt. Der Predigttext aus dem ersten Petrusbrief richtet sich an die Sklaven.

 

Gerade die Sklaven.

Gerade die Sklaven sollen die Füße stillhalten, wenn ihnen Unrecht widerfährt.

Wir können uns Sklaverei nicht mehr vorstellen – und das ist gut so. Menschen, die aus ganz verschiedenen Gründen zu einer Ware geworden sind.

Nicht alle Sklaven hatten es schlecht. Es gab welche, die bei ihren Herren ein wirklich gutes Leben führen konnten. Aber eben auch die anderen. Sklaven, die den Launen ihrer Herren ausgeliefert waren. Die geschlagen und verprügelt werden durften, wie es der Herr wollte, denn der Sklave war ja sein Eigentum.

 

Wenn ich mir das so vorstelle: da kommt ein Sklavenhalter der schlechteren Sorte vielleicht sturzbesoffen in den Schlafraum seines Sklaven und lässt im Suff einfach mal allen Frust raus, den er hat.

Würde ich mich als Sklave dann nicht gegen ihn wehren? Ich würde es wahrscheinlich. Ich würde mich nicht verprügeln lassen – denke ich.

Aber der Predigttext denkt heute gar nicht so:

Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt.

 

Wenn uns Leid angetan wird, sollen wir uns nicht wehren.

Warum? Wie kommt der Predigttext auf diese dumme Idee?

Weil Jesus es nicht getan hat. In seinen Fußstapfen sollen wir treten und das heißt: Nicht beschimpfen, wenn wir beschimpft werden. Nicht drohen, auch wenn uns gedroht wird.

 

Ist das nicht eigentlich dumm?

 

Es ist dumm, dass es Menschen gibt, die Gewalt anwenden. Menschen, die beleidigen und beschimpfen, die drohen.

Jesus hat erkannt, dass es keinen Sinn ergibt, wenn wir auf Gewalt mit Gewalt antworten. Es kann für ihn nur eine Antwort geben und die gibt der erste Petrusbrief ein paar Verse nach unserem Predigttext weiter: Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Beschimpfung mit Beschimpfung, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid.

 

Wir Christen müssen mit dieser Herausforderung leben. Das ist anspruchsvoll. Aber wir können das auch packen!

Aber eben nicht alleine. Jesus als guter Hirte ist dabei. Er ist der Hirte, der uns ja auch nie verlässt – selbst nicht im Leiden, wenn wir beschimpft werden und uns gedroht wird. Er bleibt da.

 

Und wir sind eine Herde. Wir alle können uns stärken und auch immer mal wiedererzählen, wie wir es geschafft haben, Streit nicht hochkochen zu lassen und zu vermeiden.

Denn Jesus weiß genau: Wenn wir streiten, dann sind wir wie irrende Schafe. Wir tun das Falsche. Deswegen ist es gut, wenn wir dann an Jesus denken – an unseren Hirten – und eben nicht Böses mit Bösem oder Beschimpfung mit Beschimpfung vergelten.

Unsere Aufgabe in dieser Welt ist es, zu segnen. Nicht zu verfluchen. Nicht die Spirale der Gewalt weiterzudrehen.

 

Also: wenn wir mal auf 180 sind – lieber durchatmen, ein wenig nachdenken, ein gutes Wort sagen, den Streit beenden. So kann Nachfolge gehen.

Amen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirte,

du führst uns auf deinen Wegen

und lässt uns nicht Mangel leiden.

Von dir werden wir nicht verlassen.

Wir bitten dich:

Halte uns zusammen bei dir.

Suche die Verlorenen.

Sammle die Verstreuten,

dass am Ende dieser Zeit die Deinen geschart sind um dich,

der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst

und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

 

Als Video auf unserem Youtube-Kanal: hier klicken.

 

Das Evangelium für diesen Sonntag, Quasimodogeniti aus Joh. 20, 19-20.24-29 lautet:

 

Am Abend des ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt

und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden,

kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“

Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite.

Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.   …

Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird,

war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Da sagten die anderen Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen.“

Er aber sprach zu ihnen:

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägel-Male sehe und lege meinen Finger in die Nägel-Male und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.“

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen.

Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren und tritt mitten unter sie und spricht: „Friede sei mit euch“

Danach spricht er zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Thomas antwortete und sprach zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“

Spricht Jesus zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

                                                                     (Amen.)

 

Liebe Leser und Leserinnen!

In den Bibeltexten dieses Sonntages geht es darum, wie wir Menschen – gerade auch in einer Krise - Orientierung für unser Leben und für die Zukunft insgesamt bekommen können.

In der berühmten Geschichte vom zweifelnden Thomas, der darauf besteht, erst einmal seinen Finger in die Wunde zu legen, bevor er irgendetwas entscheiden kann, sagt Jesus am Ende sinngemäß: „Du solltest meinem Wort auch glauben, ohne dass ich meine Auferstehung erstmal lückenlos beweisen muss!“

Jesus ruft uns zu einer Art Ur-Vertrauen auf, das ja auch tatsächlich von Kindheit an in uns schlummert.

Aber als erwachsenen Menschen geht uns dieses Ur-Vertrauen leider oftmals verloren oder es gerät zumindest in Vergessenheit aufgrund von schlechten Erfahrungen, die so mancher im Laufe des Lebens gemacht hat und die das gute Ur-Vertrauen in das Leben manchmal überdecken.

Eine sehr gute Möglichkeit, dieses Vertrauen zurückzugewinnen oder einfach auch neu zu stärken, haben einige Mitglieder unserer Gemeinde im April 2019 erlebt, als wir zusammen am Jordan-Fluss die Stelle aufsuchten, wo Jesus einst seine Taufe erlebte, und dort

 

gemeinsam eine Tauferinnerungsfeier für alle Teilnehmer durchführten. Wir erinnerten uns dort an einem Sonntagmorgen unserer eigenen Taufe, bekamen ein Kreuz mit Jordanwasser

auf die Stirn gezeichnet und ein Segenswort zugesprochen und gingen gestärkt in den Alltag zurück.

Eine Rückbesinnung auf die eigene Taufe, die uns mit Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist aufs Engste verbindet, kann Kräfte freilegen, die verschüttet waren, und ein Ur-Vertrauen wieder ins Bewusstsein bringen, das vielleicht lange Zeit völlig in Vergessenheit geraten war.

Diese Rückbesinnung auf die Kraft des Getauft-Seins passt auch sehr gut zusammen mit dem Namen dieses Sonntags „Quasimodogeniti“, der aus dem ersten Petrusbrief, Kp. 2, Vers 2 stammt, wo die neu-getauften Christen (ob jung oder schon erwachsen) alle als die „neugeborenen Kindlein“ bezeichnet werden, die sich auf dem Weg zum Heil befinden:

Die Erinnerung daran, getauft zu sein, möge uns mental und auch geistlich so erfrischen, dass wir uns (gerade auch in der Krise) voller Vertrauen in das Leben der Welt mit einbringen – den Mitmenschen zur Hilfe, Gott zur Ehre.

                                               

Ihr

  Johannes Schoon-Janßen, Pastor in Munster  

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

wir danken dir für unsere Taufe und die Kraft, die wir daraus für uns und andere ziehen können!

Wehre unserer menschlichen Verzagtheit, die manchmal an uns nagt.

Schenke uns Besonnenheit im Umgang miteinander!

Hilf uns, menschliche Nähe und Wärme mit körperlicher Distanz in diesen Tagen und Wochen in einen guten Einklang miteinander zu bringen!

Sei auch bei denen, die auf der Flucht sind oder in Auffanglagern leben:

Gib den in der Politik Verantwortlichen auch für diese Menschen hilfreiche Ideen in die Herzen!

Das alles bitten wir dich und manches mehr, das wir dir noch in der Stille sagen können

     …

Gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel…

                                         Amen.

 

So segne und behüte uns alle der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

Amen.

 

Ihnen und Euch allen eine gesegnete Woche!

 

 

 

Hinweise:

 

Nachbarschaftshilfe

Sollten Sie oder jemand aus Ihrem Umfeld dringend Hilfe beim Einkauf oder ähnlichem benötigen, melden Sie sich bitte zu den Öffnungszeiten telefonisch unter der Tel.-Nr. 2321 oder auch per E-Mail unter kg.munster@evlka.de im Kirchenbüro. Einige Teamer*innen sowie ehrenamtliche Helfer*innen haben ihre Hilfe angeboten.

 

Hahnenschrei

Der Hahnenschrei wird dieses Mal ausnahmsweise in einer geringeren Auflage an Supermärkte, Apotheken usw. öffentlich zur Mitnahme ausgelegt. Wir hoffen sehr, den nächsten Hahnenschrei wieder in gewohnter Form präsentieren zu können. Bitte teilen Sie diese Information!

 

Ökumenisches Läuten um 21 Uhr

In schwierigen Zeiten wollen die Kirchengemeinden in Munster den Menschen Raum bieten, sich zu besinnen, an andere zu denken, vielleicht auch zu beten.

Fünf Minuten werden in Munster täglich um 21 Uhr die Glocken aller Kirchen geläutet. Auch wenn derzeit keine Gottesdienste stattfinden dürfen, möchte die Kirche für die Menschen da sein.

Es geht darum, die Zeit zu nutzen, um innezuhalten und angesichts der Coronakrise mit ihren Bedrohungen für andere in der ganzen Welt zu beten.

 

Gleichzeitig wird angeregt, dass die Menschen während der Zeit des Glockengeläuts ein Fenster öffnen und dort eine brennende Kerze platzieren, um als ökumenische Gemeinschaft Zeichen zu setzen. „Wir müssen jetzt, wo man nicht persönlich zusammenkommen darf, neue Wege finden, das Gemeindeleben zu pflegen.“

 

 

 

 

 

Ihre Spende für unsere Kirchengemeinde

über Ihre Banking-App:

 

oder traditionell als Überweisung:

 

Empfänger: KG Munster

IBAN: DE05 2585 1660 0055 0260 41

BIC: NOLADE21SOL

Geschäftsbereichskennung: CHAR

Zahlungsreferenz:

2902-13556-allgGemArbeit-Spende

Hinweistext:

Allgemeine Gemeindearbeit Munster

 

 

 

 

Gedanken zum Sonntag Palmarum, 5. April 2020

 

Als Video auf unserem Youtube-Kanal: www.youtube.com/watch?v=7okQIZcJmDk

 

Das Evangelium für diesen Sonntag aus Joh. 12,12-19 lautet:

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“

Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:

„Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen!“

Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war,

da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugt die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

Die Pharisäer aber sprachen untereinander: „Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach!“  (Amen.)

 

Liebe Leser und Leserinnen!

Am Einzug Jesu in Jerusalem scheiden sich von Anfang an die Geister!

Der Einzug Jesu in Jerusalem weckt bei verschiedenen Leuten nämlich sehr verschiedene Gefühle:

Bei denen, die von seinen Wundertaten gehört haben: Hoffnung auf Befreiung von Leiden und Unterdrückung, vielleicht auch Befreiung vom Tod…

Bei seinen mitziehenden Jüngern: ganz bestimmt Freude und Stolz…

Bei seinen Widersachern: Ratlosigkeit und Wut über so viel Jubel…

Und bei ihm selber: wahrscheinlich Rührung und ganz sicher auch

Entschlossenheit…

Wir wissen heute, dass die Stimmung damals innerhalb weniger Tage nach diesem Einzug gleich zweimal umschlug:

Einmal, als Jesus am Kreuz gestorben war und seine Anhänger sehr traurig und teilweise auch geradezu verzweifelt waren.

Und dann ein zweites Mal, als Jesu auferstanden war und sich dies wie ein Lauffeuer herumsprach.

Doch zurück zum Einzug Jesu:

Der, glaube ich, wichtigste Satz, den Jesu selber bei diesem Einzug nach dem Johannes-Evangelium als Kommentar dazu gesagt hat, lautet:

„Fürchte dich nicht, du Tochter Zion!“

Jesus erinnert damit an die Messias-Weissagung des Propheten Sacharja, der formuliert hatte: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr!“

Jesus selber legt die Betonung nicht auf so sehr auf den Jubel, sondern auf das Mut-Machen, auf die Furchtlosigkeit und zeigt damit indirekt ganz viel von seinen eigenen Gefühlen, die ja sehr gemischt sind…

Gemischte Gefühle kennen auch wir nur zu gut in diesen verrückten Wochen, die wir gerade gemeinsam – wenn auch auf körperliche Distanz bedacht – miteinander durchleben.

Statt einer Konfirmation zu Palmarum gibt es aus der Kirchengemeinde Wort und Gebet per Papier-Ausdruck bzw. per Video-Andacht.

Statt Besuchen gibt es Seelsorge-Anrufe der Pastoren oder der Pastorin und natürlich für alle immer auch die Telefonseelsorge!

Statt großer Familienfeiern gibt es viele Telefonate und auch wieder Briefe.

Statt Bundesliga gibt es Radio-Musik oder Spiele zu Hause oder per Internet.

„Fürchte dich nicht!“, so ruft es uns Jesus zu.

Das heißt nicht: Alles ist in bester Ordnung.

Aber es heißt: Lasst Euch nicht vereinzeln, nehmt per Telefon oder Email Kontakt mit denen auf, die euch wichtig sind und vielleicht auch mit denen, an die ihr schon lange nicht mehr gedacht hattet.

Freut euch über das, was an Rücksichtnahme und Organisation gut funktioniert z. Zt. in unserm Land, und versucht, euch auch selber mit guten Ideen hier und da mit einzubringen!

Haltet zusammen im Praktischen, aber auch in Gedanken und Gebeten!

Hört auf die guten Worte Jesu, über den der Wochenspruch aus Joh. 3,14f. sagt:

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Am Ende siegt doch das Leben über den Tod, die Lebendigkeit über die innere Lähmung, nicht nur bei Jesus, sondern auch bei uns!  (Amen.)

 

Ihr Johannes Schoon-Janßen, Pastor

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

danke, dass du da bist und uns stärkst bei allen Herausforderungen und Ungewissheiten!

Gib uns einen klaren Verstand, ein waches Mitdenken u. ein gutes Miteinander!

Sei bei uns und unseren Lieben hier und auch in der Ferne und in unseren Herzen…

Das alles bitten wir dich und noch manches mehr, was wir dir, Gott, jetzt auch noch in der Stille sagen können

Gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel…    

Amen.                                         

      

So segne und behüte uns alle der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!  

Amen.

 

Ihnen und Euch allen eine gesegnete Woche!

 

 

Gedanken zum Sonntag Judika, 29. März 2020

Als Video auf unserem Youtube-Kanal: www.youtube.com/watch?v=hkad_JHMF7w

oder zum Lesen

Das Evangelium für diesen Sonntag aus Mk. 10,35-45 lautet:

 

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und sprachen zu ihm: „Meister, wir wollen, dass du für uns tust, war wir dich bitten werden.“

Er sprach zu ihnen: „Was wollt ihr, dass ich für euch tue?“

Sie sprachen zu ihm: „Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.“

Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“   Sie sprachen zu ihm: „Ja, das können wir.“   

Jesus aber sprach zu ihnen: „Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.“

Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“     (Amen.)  

 

 

Liebe Leser und Leserinnen!

Wir schon letzte Woche, so steht auch für den Sonntag Judika der Wochenspruch ganz am Ende der Evangelien-Lesung:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Mk. 10,45/Mt. 20,28)

Das ist eine ganz grundsätzliche Aussage Jesu über sich selbst, aber auch über das Zusammenleben von uns Christen-Menschen in der Kirche

und in der Welt.

Von sich selber sagt Jesus in diesem Gespräch, dass er sein Leben für uns Menschen hingeben wird, damit dadurch unsere Sünden getilgt sind.

Von den Christenmenschen untereinander sagt er sinngemäß, sie sollen einander höflich und zuvorkommend begegnen und nicht nach Macht oder Ehre streben, denn das würde überhaupt nicht zum Verhalten Jesu passen!

Und auch das Leben von uns Christenmenschen innerhalb der gesamten Gesellschaft soll nicht vom Streben nach besonderer Bedeutung geprägt sein, sondern vom Dienen.

Diese Aufgabe der Christenmenschen und der Kirche innerhalb der Gesellschaft hat der bekannte Pastor Dietrich Bonhoeffer, der im Frühjahr 1945 von den Nazis umgebracht worden ist, einmal in einem Brief aus seiner Gefängniszelle als „Kirche für andere“ bezeichnet: Die Kirchenleute müssen immer auch ihre Mitmenschen mit im Blick haben, die in Not sind oder die Hilfe brauchen, sowohl die christlichen Mitmenschen als auch die nicht-christlichen!

Dabei versteht man unter Kirchen-Leuten alle Menschen, die zu einer Kirche gehören. In der aktuellen Corona-Krise gibt es – auch in Munster - ganz viele Menschen, die sich für andere engagieren, darunter auch viele kirchlich Engagierte, z.B. die jungen Leute aus den Reihen unserer Teamer und darüber hinaus, die angeboten haben, Einkäufe für Ältere zu machen, z. B. die Tafel-Leute, die gerade an einem Konzept basteln, das demnächst vielleicht eine etwas andere, angepasste Form der Hilfe wieder ermöglichen könnte. Aber auch das ökumenische Glockenläuten anlässlich der Corona-Krise immer um 21.00 Uhr, das viele Menschen als Einladung zu einem persönlichen Gebet und / oder einem Vaterunser annehmen, ist sicher eine Form von Hilfe in schwieriger Zeit.

Der Wochenspruch sagt uns zu alledem: Jeder Mensch möge tun, was er oder sie kann. Das ist sehr im Sinne Jesu. Aber es soll sich auch keiner übernehmen oder sich verrückt machen lassen, denn die Welt kann und muss keiner von uns retten, denn das hat Jesus durch seinen Tod am Kreuz längst schon für uns getan. (Amen.)     

Ihr Johannes Schoon-Janßen, Pastor in Munster          

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

wir danken dir für deine Gegenwart und für jegliche Stärkung durch dich!

Hilf uns zu erkennen, wo wir aktiv helfen können,

aber auch, wo wir schlicht Ruhe bewahren und Gelassenheit walten lassen sollten!

Schenke uns Selbstdisziplin und hilf uns dabei, uns trotzdem auch unsern Humor zu bewahren!

Sei bei denen, die unter Quarantäne stehen oder in Krankenhäusern sind

als Patienten oder als medizinische Helfer und Helferinnen.

Gib auch ihnen Kraft, warme Gedanken und ein gutes Durchhaltevermögen.

Sei auch bei den Verstorbenen der letzten Wochen und ihren Angehörigen!

Das alles bitten wir dich

und noch manches mehr, was wir dir, Gott, jetzt auch noch in der Stille sagen können…

 

… Gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel…

                                         Amen.

 

So segne und behüte uns alle der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

                                                            Amen.

 

Ihnen und Euch allen eine gesegnete Woche!

 

 

Gedanken zum Sonntag Laetare (22.3.2020)

 

Das Evangelium für diesen Sonntag aus Joh. 12,20-24 lautet:

Es waren einige Griechen unter denen,

die herausgekommen waren,

um anzubeten auf dem Fest.

Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war,

und baten ihn und sprachen:

„Herr, wir wollen Jesus sehen.“

Philippus kommt und sagt es Andreas,

und Andreas und Philippus sagen´s Jesus.

Jesus aber antwortete ihnen und sprach:

„Die Stunde ist gekommen,

dass der Menschensohn verherrlicht werde.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt,

bleibt es allein;

wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Amen.

 

Liebe Leser und Leserinnen!

Das Evangelium für den Sonntag Laetare (auch „Klein-Ostern“ genannt) endet mit dem berühmten Wort Jesu über das Weizenkorn, das nur Frucht bringt, wenn es zuvor in die Erde gefallen und gestorben ist.

Dieses Wort ist einerseits ein Hinweis auf den Tod und die anschließende Auferstehung Jesu Christi.

Dann ist es natürlich auch ein Hinweis darauf, dass für uns, die wir an Jesus Christus glauben, nach unserem irdischen Tod eben nicht alles vorbei ist, sondern ein Leben in anderer Form (ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Elend) bei Gott auf uns wartet.

In unserer heutigen besonderen und schwierigen Lage, die durch den Corona-Virus bedingt ist, kann es aber auch ein ganz praktischer Hinweis darauf sein, dass man manchmal alte Gewohnheiten, die sich eingeschliffen haben, hinter sich lassen muss, um an wichtigen Punkten umzusteuern:

Das Herunterfahren des Landes für eine begrenzte Zeit kann auch so etwas wie eine Chance dafür sein, öfter mit seinen Lieben (auch in der Ferne) zu telefonieren, mal wieder einen schönen Brief zu schreiben oder per Email etwas öfter und ausführlicher Kontakt zu halten, als das sonst vielleicht lange Zeit der Fall gewesen ist.

Jede Krise bietet neben Unannehmlichkeiten und so manchen Herausforderungen immer auch Chancen auf etwas Neues.

So lasst uns aufeinander Acht geben, lasst uns viel miteinander (und auch mit solchen, die vielleicht ganz alleine sind und von denen wir das wissen oder ahnen), telefonieren und schreiben. Möge unser Gott uns dazu gute Ideen eingeben und uns in allem stärken und ermutigen, auch wenn wir rein äußerlich aus guten Gründen für eine Zeit weiter auseinanderrücken müssen.

Mit guten Wünschen für die neue Woche  

 

Ihr Johannes Schoon-Janßen, Pastor

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

schenke uns in diesen Tagen und Wochen

gute Gedanken, ein aktives Mit-Denken,

eine gute Selbstdisziplin und viele gute

telefonische oder digitale Kontakte zu

allen, die uns lieb und wert sind

uns auch zu solchen, die uns einsam vorkommen!

Schenke uns Kraft aus dem Glauben an dich.

Und lass uns ganz viel fühlen von deiner aufbauenden Gegenwart!

Sei bei denen, die unter Quarantäne stehen

oder in Krankenhäusern sind

als Patienten oder als medizinische Helfer und Helferinnen.

Gib auch ihnen Kraft, warme Gedanken und ein gutes Durchhaltevermögen.

Das alles bitten wir dich

und noch manches mehr, was wir dir, Gott, jetzt auch noch in der Stille sagen können…

 

Das alles bitten wir dich und fassen es zusammen mit den Worten, die dein Sohn Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

                                         Amen.

 

So segne und behüte uns der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

                                                            Amen.

 

Allen eine gesegnete Woche!

 

 

 

 

Sonntag, Okuli 15. März 2020

 

Predigttext: Lukas 9, 57-62

Vom Ernst der Nachfolge

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.

62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

Predigt über Lk. 9,57-62

 

Liebe Gemeinde,

irgendwie scheint Jesus von modernen Werbemethoden nichts gehört und nichts begriffen zu haben. Wenn man Erfolg haben will, dann muss man doch sein Produkt anpreisen, in den höchsten Tönen loben, es so verlockend machen, dass den Leuten das Wasser im Mund zusammenläuft. Das ist so wie bei einem Medikament, das gegen alles Mögliche helfen soll. Und dann wird auf den Beipackzettel verwiesen. Die Risiken und möglichen Nebenwirkungen sind dort vermerkt, aber in der Regel so klein gedruckt, dass man sie kaum lesen kann und auch oft nicht versteht. Schließlich soll das Medikament ja verkauft werden. 

Und manchmal nimmt man es mit der Wahrheit bei gewissen Produkten nicht so genau, wie z.B. beim Dieselskandal oder bei Boing, nur um seine Produkte loszuwerden. Die sollen wahre Wunder vollbringen – aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Dann kann einem allwerdings auch die Wahrheit ganz unangenehm auf die Füße fallen.

Bei modernen Evangelisationen würde man die Leute nicht vor den Kopf stoßen.  Man würde versuchen aufzuzeigen, wie schön und sinnvoll es ist, sein Leben mit Jesus zu führen. So habe ich es jedenfalls oft genug erlebt. Dann werden Beispiele erzählt, wo so etwas geschehen ist. Und dann passiert es tatsächlich, dass solche Prediger oder Evangelisten Erfolg haben und Menschen ihr Leben ändern. Sie treten in die Kirche dieser Prediger ein und manche Kirchen haben enormen Zuwachs, vor allem von jungen Menschen. Da brummt die Hütte.  Und manchmal stellen solch neu gewonnen Gemeindeglieder aber irgendwann fest: Es hat sich nichts verändert. Die Probleme sind geblieben, vielleicht sogar schlimmer geworden – und wenden sich enttäuscht ab- bei der Kirche wird man eh nur getäuscht – oder blenden die Wirklichkeit aus.

Jesus macht es anders als moderne Evangelisten oder Werbefachleute. Er macht das Gegenteil! Er warnt davor ihm einfach blauäugig nachzufolgen.

In unserem Gotteswort begegnen uns drei Menschen, die für verschiedene Typen von Menschen stehen. Der erste hat von Jesus gehört. Jesus wurde ihm in den leuchtendsten Farben geschildert. Das Leben mit Jesus muss wunderbar unkompliziert sein. Er sorgt für alles, für mein körperliches und seelisches Wohlbefinden. Ich brauche mich um nichts zu kümmern. Es muss wunderbar sein, bei diesem Jesus zu sein. Aber Jesus warnt ihn und sagt: Halt, Freund. Hast Du Dir das richtig überlegt? Jagst Du nicht möglicherweise einem Phantom hinterher, das gar nicht existiert, jedenfalls nicht so, wie du es dir vorstellst? „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Da sagt Jesus ihm: Ich bin heimatlos. Du denkst vielleicht, ich führe mein Leben in göttlicher Sorglosigkeit, weil mein himmlischer Vater für mich sorgt. Aber das ist ein Trugschluss. Ich habe meine himmlische Heimat verlassen     -2-

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und auch hier auf der Erde bin ich heimatlos. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer – aber auch anstrengend. Willst Du dieses Leben tatsächlich mit mir teilen?

An anderer Stelle warnt Jesus vor einem übereilten Entschluss zur Nachfolge, indem er gleich zwei Gleichnisse erzählt: Mit der Nachfolge verhält es sich wie bei einem Bauherrn, der einen Wohnturm bauen wollte. Vor dem Bauen fängt er an die Kosten zu überschlagen, ob er auch das nötige Geld dafür hat. Denn so eine unfertige Ruine bringt nichts ein als Spott. Oder ein König, der erfährt, dass der Nachbarkönig gegen ihn mit einer großen Armee in kriegerischer Absicht gegen ihn heranzieht. Dann überlegt der König, ob seine Armee stark genug ist um dem feindlichen König Paroli bieten zu können. Und falls er zu dem Ergebnis kommt, dass er zu schwach ist, schickt er ein Friedensangebot. Also, bevor du Jesus nachfolgen willst, sei schlau und denk darüber nach, ob Du überhaupt in der Lage bist ein solches Leben zu führen.

Bei dem Zweiten Mann bzw. der zweiten Gruppe sieht die Sache anders aus. Da betätigt sich Jesus nahezu so wie ein moderner Evangelist. Er fordert einen anderen Menschen dazu auf ihm nachzufolgen. Aber dem passt das momentan nicht. Der hat noch etwas auf seinem Terminkalender. Er muss noch unbedingt seinen Vater beerdigen. Dabei ist es nicht klar, ob der Vater noch lebt und er so lange bei dem Vater bleiben möchte, bis der stirbt, oder ob der Vater schon gestorben ist. In jedem Fall muss er seinen Vater beerdigen, wenn der gestorben ist. Das ist nicht etwas, über das man verhandeln, das man tun oder lassen kann. Das schreiben die jüdischen Werke der Barmherzigkeit zwingend vor! Und Jesus antwortet ihm ziemlich schroff: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ Tja, schwierig.

Die dritte Person bzw. dritte Gruppe scheint ähnlich gestrickt zu sein wie die erste Person. Auch dieser Mensch hat wohl etwas von Jesus gehört und will ihm nachfolgen. Jesus scheint an ihm vorbeiziehen zu wollen. Diesen Moment möchte er nicht verpassen und so bittet er Jesus: „Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.“ Was kann daran verkehrt sein? Man kann sich ja wohl wenigstens verabschieden. Und wieder ist die Antwort Jesu ziemlich harsch: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.“

Den meisten unter uns ist dies Wort vom Hand an den Pflug legen bekannt. Aber was macht ein Bauer heute, wenn er auf seinem Trecker sitzt und pflügt? Er sieht zurück und achtet darauf, dass die Pflugscharen ganz genau an die umgepflügten Furchen anschließen. Früher, zur Zeit Jesu, und auch lange danach hatten die Leute keine Trecker, sondern nur Ochsen, Kühe oder Pferde. Der Ochse zog den Pflug, der Bauer ging hinterher und drückte den Pflug so tief wie möglich ins Erdreich. Er achtete darauf, dass die neue Furche nahtlos an die vorherige anschloss. Wenn er zurückschauen würde, dann würde die neue Furche nicht mehr anschließen. Also, das Ziel soll man fest im Auge haben, sonst geht es in die Hose.

Wie sich die drei Personen entscheiden, wird nicht gesagt. Es bleibt offen.                 -3-

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Wir sind noch in der ersten Hälfte der Passionszeit. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem und er weiß, was ihn dort erwartet. Wir als Gemeinde sind aufgefordert, Jesus dorthin zumindest innerlich zu begleiten. Dabei geht es auch um mehr als nur um neben Jesus zu gehen: Wir sollen Jesus nachfolgen. Nachfolgen heißt in den Schritten zu gehen, die Jesus gegangen ist. Das kann sehr unterschiedlich aussehen: Es kann bedeuten, dass man sich für Menschen, die bei uns Schutz und Zuflucht suchen, einsetzt. Ich stelle fest, dass die Einstellung vieler Menschen hier von Verlustangst und Neid geprägt ist. Aber was möchten wir denn für uns selbst, wenn wir vor Krieg und Vertreibung flüchten müssten? Das haben viele Deutsche und Europäer in den vergangenen Jahrhunderten doch auch immer wieder erfahren und sind ausgewandert bzw. geflüchtet.

Es gibt es ganz viele Möglichkeitensich für andere einzusetzen, z.B. für ein gerechtes und friedliches Miteinander, ohne Hass. Und wenn man das mitbekommt, dann ist Zivilcourage gefragt, indem man sich dagegen stellt. Es gab in der vergangenen Woche ein ganz wichtiges Treffen in Zwickau, wo es um Hass und Anfeindungen gegen Bürgermeister und sonstige öffentliche Amtsträger ging. Wir Christen sind mit verantwortlich für ein Klima, in dem sich Frieden entfalten kann.

Viele Menschen reagieren panisch auf den Ausbruch der Corona Seuche. Auch in Munster ist es zu Hamsterkäufen gekommen. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Aber so sind die Menschen. Hier tut Besonnenheit gut. Wir Christen glauben und wissen, unser Leben steht in Gottes Hand. Es gibt keinen Grund zur Panik – wohl aber zu gut überlegtem Handeln. Gott hat uns deshalb unsren Verstand gegeben, dass wir ihn auch einsetzen und vernünftig handeln. Deshalb weden sich Christen gegen Fatalismus oder Schicksalsergebenheit, wo man die Hände in den Schoß legt oder wie das Kaninchen auf die Schlange starrt.

Dieser Sonntag trägt den schönen Namen Okuli, nach dem lateinischen Leitvers für den Wochenpsalm: „Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ Mit diesen Augen auf Gott hin gerichtet ist Elia durch die Wüste bis zum Gottesberg, dem Horeb gewandert. Das war wahrscheinlich eine anstrengende Wanderung – aber er ist an seinem Ziel angekommen, das Gott ihm gesteckt hat. Wir sind aufgefordert unsre Augen auf Jesus zu richten, ihn zu begleiten, uns innerlich an ihm auszurichten.

Es kann sein, dass uns das zu anstrengend ist. Viele haben sich auch längst innerlich verabschiedet, wie man an der Zahl der Gottesdienstteilnehmer sehen kann. Aber es ist der Kirche nicht die Verheißung der großen Zahl gegeben, sondern das ist uns verheißen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wille euch das Reich zu geben.“ In dieser Zuversicht wollen wir uns an Jesus ausrichten. Es wird kein Zuckerschlecken, auch wenn wir das gerne hätten – aber der Weg, den Jesus uns führt, der führt zum Ziel. Zu Gott, zum Guten für Seine Menschen, zum Guten für Seine Welt. Amen. 

 

Reinhold Schwind

Pastor im Ruhestand

 

 

Dank- und Fürbittgebet am Sonntag Okuli, 15.03.2020

 

Barmherziger Gott,

 

wir danken dir für das Brot des Lebens und den Kelch des Heils:

Gib uns auch künftig Anteil an deiner Liebe, die ins Leben führt

und Gewalt und Schrecken, Sünde und Tod überwindet.

 

Wir bitten dich um deinen Geist und offene Augen für unsere Kirchen,

dass sie im Gespräch miteinander bleiben, respektvoll und klar.

 

Wir bitten dich um deinen  Geist für unsere Politikerinnen und Politiker,

dass sie dem Wohl aller Menschen dienen,

der Gerechtigkeit und dem Frieden verpflichtet.

 

Wir bitten dich um deinen Geist für uns und un sere Gemeinde,

dass wir als Schwestern und Brüder miteinander leben,

die Hand am Pflug, den Blick nach vorn gerichtet.

Lass unbs nach deinem Willen für uns fragen und gib uns die Kraft, dies auch zu tun.

 

Gott, viele Dinge beschäftigen uns und bereiten uns Sorge:

Die Ausbreitung des Corona-Virus verunsichert ganz viele Menschen und schränkt uns ein. Gib uns einen klaren Blick für das, was wir selbst tun können.

Bewahre uns den Glauben an Dich für uns, unser Leben, unsere Welt.

Du hältst uns und deine Welt in deiner Hand.

 

Wir sehen die Not vieler Menschen in den Medien: Die Not der Flüchtlinge an den Grenzen Europas, in ihren Heimatländern, die von Kriegen und Hungersnöten verwüstet werden.

Viele Menschen bei uns haben Angst vor diesen vielen Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen. Zeige uns realistische Möglichkeiten, wo wir helfen können, ohne dass unsere Gesellschaft auseinanderbricht.

Bewahre den inneren Frieden in unserem Land.

Nimm uns die Angst und gib uns den Mut, das was richtig ist umzusetzen.

 

Wir bitten dich für unsere Kranken. Schenke ihnen Gesundheit nach deinem Willen.

Wir bitten dich für unsere Sterbenden. Lass sie sich getrost in deine Hände legen. Nimm sie auf in dein ewiges Reich.

 

Wir leben von deiner Gnade. Dir wollen wir vertrauen.

Alles, was uns sonst noch bewegt, sagen wir dir in der Stille...

 

Kollektengebet am Sonntag Okuli, 15.03.2020

 

Guter Gott,

du siehst uns Menschen, du hörst unser Gebet.

Du kennst unsere Freuden, aber auch unsere Sorgen und Ängste.

All das bringen wir jetzt zu dir.

Wir möchten ganz fest auf dich schauen, auf dein Wort hören,

dir fest vertrauen. Gib uns Worte, auf die wir uns verlassen können,

die uns den rechten Weg weisen und lass uns dein Licht sehen.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.

Amen