https://youtu.be/lHI0dwpfyqc

 

Morgenandacht am 9. Sonntag nach Trinitatis, 9. August 2020, in der Schafstallkirche St. Martin

Drehtermin: Dienstag, 4. August 2020, 10 Uhr in St. Martin

Liturgie und Predigt: Meike Müller-Bilgenroth

Orgel: Daniel Heinrich

Kirchendienst: Karin Bühring

Kamera und Bearbeitung: Viktor Sterwald

 

Glocken

Musik zum Eingang

Begrüßung (Meike)-

Herzlich Willkommen zur Morgenandacht am 9. Sonntag nach dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit.

Heute geht es um den Schatz im Acker und die kostbare Perle.

Psalmgebet (Psalm 63)/ in den Gesangbüchern unter Nr. 729!

Meike: 2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir,

Karin: mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

Meike: 3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Karin: 4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

Meike: 5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Karin: 6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

Meike: 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Karin: 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meike: 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. Amen.

Meike und Karin gesprochen: Ehr sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelium (Karin):

Das Evangelium für diesen Sonntag steht bei Matthäus im 13. Kapitel:

44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,

46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Amen.

Lied: EG 302, 1+2 Du meine Seele singe

Predigt zum Matthäus 13, 44-46

Lied: EG 70, 3+4 (Wie schön leuchtet der Morgenstern)

Fürbittengebet: Wir wollen beten:

 

 

 

Karin:

Fürchte dich nicht, sagst du uns, ewiger Gott.
Gründe zur Furcht gibt es viele in dieser Zeit:
Um Gesundheit, Leib und Leben,
um Vernunft, Frieden und Verständigung,
um Arbeit, Einkommen und Gerechtigkeit,
um diese Erde und was auf ihr lebt.
So fürchten wir uns aus vielen Gründen
und sollen es doch nicht.
Denn in der Furcht können wir nicht leben,
nichts Gutes wirken.

Meike: Ich bin bei dir, sagst du uns, gnädiger Gott.
Ins Leben hast du uns gerufen,
ohne dich wäre nichts da.
Durch Tage und Nächte
hast du uns schon begleitet,
in Tiefen gestärkt,
zu Höhen geführt.
Wecke in uns den Sinn,
dass du da bist, jetzt bei uns.
Damit wir ohne Furcht leben,
dich und unseren Nächsten lieben.

Karin:

Ich will dich erretten, sagst du uns, barmherziger Gott.
Nach Rettung rufen so viele Menschen,
in unserem Land, in vielen Teilen der Erde.
Mach auf, zeige dich,
sende deinen Geist,
dein Licht und deine Wahrheit,
dass es hell werde,
dass die Angst vergehe.
Und mache uns bereit,
deine Mitarbeiterinnen zu werden.

Meike:

Weil du uns erretten willst,
weil du bei uns bist,
deshalb fürchten wir uns nicht,
sondern vertrauen uns dir an,
unser Leben und die, an die wir denken.

Wir sagen Dir in einem Moment der STILLE, was uns bewegt:-

STILLE

Gemeinsam beten wir, wie Jesus Christus es uns beigebracht hat:

 Vater unser im Himmel …

Lied: 1. Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten. (2x)

2. Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, Regen sanft auf deine Felder fallen. Refrain: Und bis wir uns wiedersehn…

Segen

Musik zum Ausgang

 

 

 

 

 

Gnade sei mit euch und Friede, schon immer da, jetzt mitten unter uns und in Ewigkeit. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ein Perspektivwechsel: stellt euch vor, Ihr liegt auf der Erde, entspannt und ausgeglichen, alle Viere von Euch gestreckt, stellt euch vor: Ihr SEID selbst der Boden, der Acker, in dem ein kostbarer Schatz begraben ist. Um euch herum riecht es gut, nach Erde, Kräutern und Gras, nach Korn, ihr hört das Summen der Insekten, die Sonne erwärmt euch, sanft fährt der Bauer seine Bahnen und bearbeitet euch, damit das Gesäte gut wachsen kann, ihr spürt die Kraft, die die Saat zum Wachsen bringt bis zur Ernte. Alles ist friedlich, alles hat seine alte, bewährte Ordnung. Der beruhigende Rhythmus des Jahreslaufs ist tief in euch verankert, ihr wisst genau, was kommt. Mit wiederkehrender Regelmäßigkeit erfahrt Ihr Zuwendung sowie gewohnte Missachtung, weil ihr gerade nicht so wichtig seid.

Aber: Ihr habt ein Geheimnis: In Euch steckt ein Schatz! In all den Jahren hat der Bauer das noch nicht erkannt. Er hat in seiner gewohnten Routine nie tiefer gebuddelt, kam nie auf die Idee, euch mal näher zu untersuchen, zu erforschen, was in Euch steckt. Es hat Euch auch bislang gereicht, was Euer Dasein ausmachte: Boden bereiten, empfangen, was da in euch eingepflanzt wird, warten und wachsen lassen, Sonne und Regen über sich ergehen lassen, mal mit Freude, manchmal auch mit Ärger oder in stoischer Gleichmütigkeit, dann mit Freude und Stolz bestaunen, was durch Euch hervorgebracht wird, die Ernte und damit der Abschied, und danach das Warten, bis es wieder von vorne losgeht, ihr wieder erneut empfangen könnt usw.

Und nun das: Ein Schatz im Acker, euer Schatz in euch drin, Ihr seid Euch neu bewusst geworden, dass er ja immer schon in euch war.

Und endlich kommt da mal jemand, der genauer hinschaut, der bis auf den Grund geht, der den tief verborgenen Schatz findet. Der Mensch, dem das gelingt, vergräbt ihn schnell wieder, damit ihn kein anderer finden kann. Um sicher zu gehen, dass er auch wirklich ihm gehört, kauft er den gesamten Acker.

Wie schön ist es für Euch, zu wissen, dass Ihr endlich ganz erkannt worden seid. Ihr stellt nicht nur einen guten Boden zur Verfügung, der gut bearbeitet und genutzt werden kann, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Ihr geht nicht auf in diesem routinemäßigen Kontakt, der in alter Gewohnheit gepflegt wird. In Euch steckt noch so viel mehr, was aber verborgen ist, um gut drauf aufzupassen, weil es euch auch verletzlich macht. Zu groß ist die Gefahr, dass der Schatz von den falschen Menschen entdeckt und gehoben wird, dass Ihr also bloßgestellt werden könntet. Der tief liegende Schatz darf erst ans Licht kommen, wenn die Zeit dafür reif ist und der richtige Mensch kommt, bei dem Euer Schatz gut aufgehoben ist, der sich die Mühe macht, durch die Oberflächlichkeit hindurch mit liebevollem Blick und vorsichtig tastenden Händen vorzufühlen, der bereit ist, sich überraschen zu lassen, was da wohl verborgen ist. Einer, der Mut hat, gegen die Routine und üblichen Gepflogenheiten mal anders an Euch ranzugehen, euch mit neuer Aufmerksamkeit zu betrachten und in die Tiefe vorzudringen. Und der dann mit großer Freude hingeht und alles dafür tut, um mit diesem Fund immer in Verbindung sein zu können.  

Wenn Ihr so etwas erlebt, dann ist das Himmelreich schon zu spüren.

Jesus erzählt das Gleichnis vom Acker und dem Schatz, um das Himmelreich zu veranschaulichen. Weil das so schwer zu begreifen ist, zieht Jesus an vielen Stellen bekannte Vergleiche heran, die den HörerInnen vertraut sind. Mit dem Acker kennen sie sich aus, die meisten sind in der Landwirtschaft tätig, wenn sie nicht gerade vom Fischfang leben. Einige sind auch Kaufleute. Und so ergänzt Jesus sein Gleichnis vom Schatz im Acker noch um den Kaufmann, der all seine Habe verkaufte, um die eine kostbare Perle zu erwerben.

Stellt euch vor, ihr seid wie der Acker mit dem Schatz, wie die kostbare Perle und da ist jemand, der seine ganze Energie darauf verwendet, euch zu finden. Und als er euch gefunden hat, tut er alles erdenklich mögliche, um die engste Bindung herzustellen und sicherzugehen, dass es ihm nicht mehr genommen werden kann. Er veräußert alles, er gibt alles andere auf, um euch zu erwerben.

Okay, da ist eine Grenze beim Vergleich erreicht, denn wir sind zum Glück keine Sklaven, die gekauft werden können und die jemand besitzen kann. Die Zeiten bei uns sind vorbei, wo eine Braut für einen bestimmten Betrag den Besitzer wechselt. Keiner von uns ist in Geld aufzurechnen.

Aber das Gleichnis berührt mich ganz neu, wenn ich den Gedanken durchspiele, was es bedeutet, wenn ich wie der Acker oder wie die Perle erwählt werde. Eigentlich schreckt mich die Passivität der Bilder eher ab. Als Acker mit einem Schatz oder als Perle, die gefunden wird, bin ich eben nicht selbst die Akteurin, sondern bin passiv, mit mir geschieht was. Aber mir gefällt daran, dass ich einfach mal nur sein darf, einfach mal nur daliege, wie auf einer Matte bei einer Entspannungsübung oder bei der Massage, wo mir jemand durch Klänge, Stimme oder Berührung Gutes tut.

Ich bin einfach da und bin kostbar! Es sucht jemand nach mir und hört erst auf, wenn sie mich gefunden hat, wenn sie das Ziel erreicht hat und dann alles dafür tut, um mich nicht wieder zu verlieren.

Kann ich das zulassen? Kann ich das aushalten? Mich finden lassen, mich einfach mal hingeben, um geschehen zu lassen, was ich nicht mehr selbst beeinflussen kann? Kann ich mal einfach nur da sein und die Rolle der Macherin ablegen?  Kann ich das aushalten, mich in andere Hände zu begeben? Habe ich genug Vertrauen, dass gut mit mir umgegangen wird, dass ich in guten Händen bin?

Wie gelingt mir das in meinen Beziehungen: Zu meinem Partner, zu meiner Freundin, zu meinen Eltern, zu meinen Kindern?

Und vor allem: Gelingt mir das in Bezug auf Gott? Dieses Gleichnis erzählt Jesus ja, um das Himmelreich einigermaßen verständlich zu erklären.

Liebe Schwestern und Brüder, Perspektivwechsel: Gottes Reich fängt dort an, wo Du spürst: Ich bin kostbar und berge in mir einen Schatz, der sehr wertvoll ist, der ans Licht will, damit auch andere sich an ihm erfreuen. Gott schaut dich liebevoll an und durchdringt Dich bis in deine tiefsten Untiefen, sogar davor schreckt Gott nicht zurück. Gott erwählt DICH trotzdem, Gott findet Dich und hält Dich fest, hält DICH in guten Händen.  Ist das nicht eine Zusage, mit der du dann aktiv werden kannst? Ohne Druck, weil einfach ganz viel da ist, was gut und wertvoll ist und das Leben bereichert und schöner macht, was Dir selbst und anderen Freude bereitet. Du hast bestimmt noch nicht alles gehoben, was da als Schatz in dir schlummert.

Ich wünsche Euch die Gewissheit, dass Ihr mit liebevollen Augen angeschaut werdet, den Mut, euch finden zu lassen und die Freude über den Schatz, der in Euch verborgen ist und ans Licht kommt .

Amen.

Und der Friede Gottes…