Geistlicher Impuls für den 10. Sonntag nach Trinitatis (16.8.2020).

   von Pastor Dr. Johannes Schoon-Janßen

 

Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Der Wochenspruch für den heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis lautet:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

 dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ (Psalm 33,12)

 

Dieser Psalm wird aus gutem Grund auch als „Loblied auf Gottes Macht und Hilfe“ bezeichnet.

 

Er lautet:

Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten;

die Frommen sollen ihn recht preisen.

Danket dem Herrn mit der Harfe;

lobsinget ihm zur Harfe von zehn Saiten!

Singet ihm ein neues Lied;

spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall!

Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig,

und was er zusagt, hält er gewiss.

Er liebt Gerechtigkeit und Recht;

die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht

und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch

und sammelt in Kammern die Fluten.

Alle Welt fürchte den Herrn,

und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet.

Denn wenn er spricht, so geschieht´s;

wenn er gebietet, so steht´s da.

Der Herr macht zunichte der Heiden Rat

und wehrt den Plänen der Völker.

Aber der Ratschluss des Herrn bleibt ewiglich,

seines Herzens Gedanken für und für.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Der Herr schaut vom Himmel

und sieht alle Menschenkinder.

Von seinem festen Thron sieht er auf alle,

die auf Erden wohnen.

Der ihnen allen das Herz geschaffen hat,

achtet auf alle ihre Werke.

Einem König hilft nicht seine große Macht;

ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen;

und ihre große Stärke errettet nicht.

Siehe, des Herrn Auge sieht auf alle, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen,

dass er ihre Seele errette vom Tode

und sie am Leben erhalte in Hungersnot.

Unsere Seele harrt auf den Herrn;

er ist uns Hilfe und Schild.

Denn unser Herz freut sich seiner,

und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

Deine Güte, Herr, sei über uns,

wie wir auf dich hoffen.

                                     Amen.

 

Herr, segne dieses Wort an uns allen! Amen.

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Traditionell geht es am 10. Sonntag nach Trinitatis immer um das Verhältnis der Christenheit zum Judentum. Und dazu passt natürlich sehr gut, dass der Wochenspruch aus dem Buch der Psalmen stammt, eben aus Psalm 33!

Das Buch der Psalmen, das ja auch das „Gesangbuch des Volkes Israel“ genannt wird, enthält 150 Psalmen, zu denen es von früher her auch jeweils eine dazugehörige Melodie gab, die wir aber leider nicht kennen. Eigentlich sind es also gesungene Gebete. Wir singen sie in der Regel nicht, sondern sprechen sie.

In den Psalmen kann man Gott je nach Lebenssituation alles Mögliche sagen: Man kann sich bei ihm z.B. beklagen, wenn alles im Leben gerade ganz schrecklich ist.

In unserer modernen Zeit neigen viele Menschen dazu, sich von Gott abzuwenden, wenn es im Leben nicht gut läuft. Dann kann es passieren, dass jemand, der von Gott enttäuscht ist, mit ihm nichts mehr zu tun haben will, vielleicht sogar aus der Kirche austritt. Das war früher und ist auch heute noch im jüdischen Glauben ganz anders: Da sucht man durchaus auch die harte Auseinandersetzung mit Gott: Man sagt ihm, z.B. mit den Worten eines Klagepsalms, deutlich die Meinung und fordert ihn nachdrücklich auf, einem endlich (wieder) zu helfen, einzugreifen und das eigene Schicksal bitte, bitte schleunigst zum Guten zu wenden! Man läuft also nicht vor Gott weg, sondern rechnet mit ihm und spricht mit ihm, gerade auch wenn man sich hilflos fühlt oder sogar sauer auf Gott ist.

Zu solchem Verhalten gehört dann aber auch die andere Seite: Dass man Gott auch ausdrücklich dankt, wenn es gut läuft im eigenen Leben: Das kann man mit eigenen Worten tun. Man kann aber auch z.B. einen Dank- und Lob-Psalm sprechen, wie Psalm 33 ganz klar einer ist.

In ihm wird Gott Dank gesagt für Bewahrung in der Not und für eine gute Begleitung im Leben überhaupt.

Das gemeinsame Sprechen oder das laute Lesen eines solchen Psalms ist ein Signal an Gott, aber auch an die Mitmenschen, dass man sich in einer engen Beziehung zu Gott sieht und das auch gut findet.

Und auch Gott findet das offensichtlich sehr gut, denn der Psalm 33 hat einen seiner Höhepunkte in dem Satz:

„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“

Früher als ausschließlich die jüdische Gemeinde die Psalmen zusammen sprach, stellte man sich unter dem auserwählten Volk natürlich einzig und allein das Volk Israel vor.

Heute werden die Psalmen, die ja inzwischen auch zu einem Teil der christlichen Bibel geworden sind, nicht mehr nur von Jüdinnen und Juden gesprochen, sondern auch von Christenmenschen.

Das ändert zunächst einmal nichts daran, dass das Volk Israel das von Gott ganz besonders erwählte Volk ist.

Dadurch dass der Jude Jesus von Nazareth uns Christinnen und Christen in den Bund mit Gott mit hineingeführt hat, sind auch wir ein Teil des Gottesvolkes geworden, das seither mindestens aus dem Volk Israel und der weltweiten Gemeinde der Christinnen und Christen besteht. Und Gottes Güte und Liebe geht wahrscheinlich auch über diesen Personenkreis noch hinaus.

Wir Christenmenschen haben jedenfalls Anteil am Bund Gottes mit seinem Volk.

Das ist für uns sehr gut, wie es der Wochenspruch aus Ps. 33,12 ja auch sagt.

Und zugleich ist es eine Verpflichtung für uns, die besagt, dass wir uns auch für andere einsetzen sollen – egal wo sie herkommen oder was ihre Religion ist:

Für unsere jüdischen Mitbürger zu allererst, aber auch für alle anderen Menschen guten Willens, die anderen Religionen angehören oder auch (noch) gar keiner.

So dürfen wir uns glücklich schätzen, zum Volk Gottes zu gehören, und uns darüber freuen.

Von dieser Freude dürfen und sollen wir ganz viel auch an andere weitergeben und damit auch ihre Hoffnung und Zuversicht stärken – gerade auch in schwierigen Zeiten, wo sich innere Nähe in äußerem Abstand zeigen muss.

(Amen.)

 

Gebet:

Herr, unser Gott!

Wir danken dir, dass du uns geschaffen und uns zu einem Teil deines weltweiten Volkes gemacht hast!

Wir bitten dich:

Sei und bleibe uns ein guter Begleiter in allem, was uns bewegt und uns manchmal auch Angst macht.

Sei bei allen, die sich auf Reisen befinden und lass sie gut und gesund wieder nach Hause kommen!

Sei bei denen, die zu Hause geblieben sind, weil ihnen das sicherer erschien und lass sie auch so gute Erholung finden!

Hilf den in der Politik Tätigen, dass sie für die ihnen anvertrauten Menschen gute Entscheidungen fällen.

Bleib uns nahe in allem, was wir überlegen und hilf uns, Gutes auch umzusetzen!

… gemeinsam sprechen wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name!

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden!

Unser tägliches Brot gib uns heute!

Und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen!

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

 

Und es segne und behüte euch alle der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.